Nebel, Regen und ein versteckter Schlafplatz am Meer
Am heutigen Morgen kroch ich aus meinem Zelt und blickte in einen dichten Nebel. Es war feucht und kalt, und die Sonne war noch nicht aufgegangen. So früh am Morgen frühstückte ich erst einmal Brot mit Erdnussbutter und genoss dabei den mystischen Ausblick auf die neblige Landschaft. Da mein Zelt teilweise im Wald stand, hielten die Bäume einen Teil der Feuchtigkeit ab, sodass glücklicherweise nicht alles klatschnass war. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen und verstaute alles wieder ordentlich in meinen Fahrradtaschen.
Schon beim Verlassen meines Schlafplatzes wartete die erste Herausforderung auf mich. Ich musste eine steile und rutschige Stelle über einige Steine hinunterfahren. Mit dem voll beladenen Fahrrad war das alles andere als einfach. Mehrmals rutschte ich weg, und das Fahrrad drohte mir beinahe aus der Hand zu gleiten. Zum Glück konnte ich verhindern, dass es den Hang hinunterrutschte. Im schlimmsten Fall hätte ich natürlich auch sämtliche Fahrradtaschen abnehmen können, um das Gewicht zu reduzieren. Das wäre allerdings ziemlich aufwendig gewesen. Umso erleichterter war ich, als ich diese schwierige Passage schließlich gemeistert hatte und meine Fahrt durch den Nebel fortsetzen konnte.
Ich hatte mich für die morgendliche Kälte zunächst dick angezogen. Doch bereits am ersten Hügel wurde mir so warm, dass ich meine Jacke wieder ausziehen musste. So ging es entlang der Küste und immer wieder ein Stück ins Landesinnere.
Nach einiger Zeit lichtete sich der Nebel, und die Sonne kam zum Vorschein. Lange hielt das schöne Wetter allerdings nicht an. Als ich wieder direkt an der Küste unterwegs war, begann es zu nieseln. Dieser leichte Regen begleitete mich ungefähr zweieinhalb Stunden lang. Als ich schließlich noch einen über 220 Meter hohen Anstieg bewältigen musste, wurde das Wetter zunehmend ungemütlich.
Trotzdem war dieser Streckenabschnitt landschaftlich wunderschön. Ich fuhr über einen alten Abschnitt des Highway 101, der mittlerweile kaum noch von Autos genutzt wird. Die großen Nadelbäume, die üppige Natur und die Ruhe machten diesen Teil der Strecke zu einem echten Genuss. Solche Abschnitte liebe ich besonders: Man ist mitten in der Natur, hört kaum etwas außer den eigenen Reifen auf dem Asphalt und kann die Umgebung ganz bewusst wahrnehmen.
Irgendwann musste ich jedoch wieder auf den regulären Highway wechseln. Dort war deutlich mehr Verkehr, und die Straße führte mich über viele Kilometer entlang der Küste, ständig hügelig bergauf und bergab. Später wartete noch einmal ein etwas steilerer Anstieg auf mich, der mich mit einer tollen Aussicht auf die Küstenlinie belohnte, die noch vor mir lag.
Während ich mich den Berg hinaufkämpfte, feuerten mich sogar einige Menschen aus einem vorbeifahrenden Auto an. Solche kleinen Begegnungen können einem auf einer langen Etappe zusätzliche Motivation geben. Manchmal braucht es gar nicht viel, um einem Radreisenden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Auch die Vorbereitungen auf Halloween waren nicht zu übersehen. An zahlreichen Häusern standen riesige Skelette und andere aufwendige Dekorationen. Sogar ein Auto war mit verschiedenen Skeletten geschmückt. Für meinen Geschmack war das alles ein wenig übertrieben, aber offenbar wird Halloween hier deutlich intensiver zelebriert, als ich es aus Deutschland kenne.
Am Abend erreichte ich schließlich die Gegend kurz vor Waldport. Direkt am Meer fand ich einen kleinen, versteckten Schlafplatz zwischen der Straße und der Küste. Der Platz lag etwas abseits und war von Büschen umgeben. In einer kleinen Ausbuchtung fand mein Zelt gerade so Platz, sodass ich einigermaßen vor neugierigen Blicken geschützt war.
Nachdem ich mein Lager aufgebaut hatte, bereitete ich mir mein Abendessen zu. Wie so oft gab es Nudeln, dazu Obst und Nüsse. Mit meinem Klappstuhl setzte ich mich vor mein Zelt und genoss mein Essen mit Blick auf das Meer. Nach dem wechselhaften Wetter des Tages war das ein schöner Abschluss.
Allerdings war der Tag damit noch nicht ganz vorbei. Ich musste am Abend noch einige E-Mails schreiben und beantworten. Je näher das Ende meiner Radreise rückt, desto mehr Termine für die Zeit nach meiner Rückkehr nach Deutschland kommen zusammen. Vorträge, Veranstaltungen und andere Verpflichtungen wollen organisiert werden, sodass ich mittlerweile auch unterwegs einiges am Schreibtisch zu erledigen habe.
Irgendwann war jedoch auch das geschafft. Müde von den vielen Höhenmetern, dem wechselhaften Wetter und den organisatorischen Aufgaben kroch ich in meinen Schlafsack und ließ den Tag ausklingen.











