Über die längste Brücke nach Oregon und ein voller Vorrat an Lebensmitteln
Am heutigen Morgen wachte ich dank meiner inneren Uhr noch vor Sonnenaufgang auf. Ich begann mit meiner Morgenroutine, bevor ich mich um mein Frühstück kümmerte. Dieses fiel allerdings ziemlich spärlich aus, denn mir waren nur noch eine Banane vom Vortag und ein paar letzte Nüsse geblieben. Nachdem ich noch ein wenig auf den Sonnenaufgang gewartet hatte, weil es draußen noch recht frisch war, packte ich meine Isomatte, meinen Schlafsack, mein Kopfkissen und mein Zelt zusammen. Als alles wieder ordentlich an seinem Platz verstaut war, konnte es losgehen.
Bevor ich mich auf den Weg machte, reinigte ich noch einmal meine Fahrradkette und schmierte sie neu. Durch die feuchten Nächte verliert sie immer wieder etwas von ihrer Schmierung, weshalb ich sie regelmäßig pflegen muss.
Anschließend fuhr ich entlang der Bucht bis zur beeindruckenden Astoria-Megler-Brücke. Sie verbindet den Bundesstaat Washington mit Oregon und ist über sechs Kilometer lang. Damit war sie vermutlich die längste Brücke, die ich bisher mit dem Fahrrad überquert hatte.
Während ich über die Brücke fuhr, hoffte ich nur, dass ich keinen Platten bekommen würde. Der Seitenstreifen war so gut wie nicht vorhanden, und wenn ich mitten auf der Brücke einen Reifen wechseln müsste, hätte ich ein echtes Problem gehabt. Die Überquerung fühlte sich unglaublich lang an, war aber gleichzeitig eine tolle Erfahrung. Und ehe ich mich versah, hatte ich einen weiteren Bundesstaat erreicht: Oregon!
Von dort aus machte ich mich auf den schnellsten Weg nach Warrenton zum Outdoor-Geschäft Big 5 Sporting Goods. Dort kaufte ich mir eine Gaskartusche und einen passenden Brenner, sodass ich meine Nudeln in den kommenden Tagen wieder zuverlässig kochen konnte.
Ein paar Kilometer später erreichte ich einen großen Walmart-Superstore. Das kam mir gerade recht, denn meine Lebensmittelvorräte waren vollständig aufgebraucht. Also kaufte ich ordentlich ein: Erdnussbutter, Brot, Nudeln, Pesto, Erdnüsse, Äpfel, Bananen und ein paar Softdrinks landeten in meinem Einkaufswagen.
Für die gesamte Ausbeute zahlte ich 52 US-Dollar. Das war ein wirklich fairer Preis! In kleineren Supermärkten in Washington hatte ich zuvor teilweise schon 22 Dollar für gerade einmal zwei Artikel bezahlt. Der Nachteil ist allerdings, dass Walmart-Filialen entlang meiner Route an der Küste relativ selten sind. Umso mehr freute ich mich, meine Vorräte endlich wieder auffüllen zu können.
Die nächste Herausforderung bestand darin, all die Einkäufe auf meinem Fahrrad unterzubringen. Als ich schließlich alles verstaut hatte, war mein Fahrrad um ganze vier Kilogramm schwerer. Das machte sich natürlich beim Fahren bemerkbar.
Weiter ging es entlang der wunderschönen Küste Oregons. Ich passierte traumhafte Buchten, beeindruckende Küstenabschnitte und immer wieder neue Aussichtspunkte. Wie so oft an der Küste gab es allerdings auch zahlreiche Anstiege. Insgesamt sammelte ich an diesem Tag mehr als 1.000 Höhenmeter. Küstenstrecken sind eben alles andere als flach!
Dafür wurde ich immer wieder mit dem Rauschen des Meeres, herrlichen Ausblicken und der Möglichkeit belohnt, wunderschöne Schlafplätze zu finden. Besonders die Sonnenuntergänge können an solchen Orten einzigartig sein – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.
Nach einigen anstrengenden Anstiegen und tollen Aussichten machte ich mich schließlich auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. An der Tillamook Bay wurde ich fündig: Ein kleiner Trampelpfad führte mich an eine abgelegene Stelle, an der ich mein Zelt aufbauen konnte.
Dort begegnete ich auch einem Fischer, der mir eine Krabbe zum Probieren anbot. Er wollte sogar ein Bein der Krabbe abbrechen, damit ich davon kosten konnte. Ich musste allerdings ziemlich hartnäckig bleiben, um ihn davon abzuhalten, mir das Tier zu geben. Seine Überzeugungsarbeit war nicht gerade gering, aber ich blieb standhaft.
Ich erklärte ihm, dass ich das Tier nicht töten lassen möchte, nur um es einmal zu probieren. Natürlich wäre es bestimmt eine interessante kulinarische Erfahrung gewesen, etwas so Frisches direkt von einem Fischer angeboten zu bekommen. Trotzdem muss man nicht jede Erfahrung mitmachen, nur weil sie sich gerade anbietet.
Also blieb ich lieber bei meinen Nudeln mit Pesto. Nach dem langen Tag und den vielen Höhenmetern schmeckte mir mein Abendessen ohnehin hervorragend. Und da ich nun wieder ausreichend Lebensmittel dabeihatte, konnte ich mir sogar eine recht ausgewogene Mahlzeit zusammenstellen.
Anschließend kümmerte ich mich wie gewohnt um meinen Blog und schnitt mein Kurzvideo für die sozialen Medien. Diese Aufgaben gehören mittlerweile genauso zu meinem Alltag wie das Fahrradfahren selbst. Auch wenn es manchmal spät wird, möchte ich meine Erlebnisse festhalten und meine Community an meiner Reise teilhaben lassen.
Schließlich ging ich müde, aber zufrieden ins Bett. Ein weiterer Tag voller neuer Eindrücke, wunderschöner Küstenlandschaften und kleiner Begegnungen ging zu Ende. Und mit einem gut gefüllten Vorrat an Lebensmitteln konnte ich mich auf einen weiteren Tag im Sattel freuen.










