Tag
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Gegenwind am Teslin Lake und weiter auf dem Alaska Highway

Am heutigen Morgen wollte ich eigentlich früh aufstehen. Da es draußen jedoch noch bitterkalt war, blieb ich lieber so lange in meinem Zelt, bis die Sonne herauskam. So komme ich zwar morgens etwas später los, erspare mir dafür aber das unangenehme Gefühl, in eiskalte Kleidung steigen zu müssen. Der erste Schritt aus dem warmen Schlafsack in die kalten Sachen kostet mich trotzdem jedes Mal etwas Überwindung.

Zum Frühstück gab es wieder Brot mit Erdnussbutter. Danach packte ich meine Sachen zusammen und machte mich auf den Weg.

Eigentlich hatte ich am Vortag, als ich noch Internet hatte, gesehen, dass für heute deutlich weniger Wind vorhergesagt war. Doch davon merkte ich zunächst wenig. Die ersten knapp 60 Kilometer führten mich am Teslin Lake entlang, und ausgerechnet dort erwischte mich wieder kräftiger Gegenwind. 60 Kilometer mit ständigem Wind von vorne waren entsprechend zäh. Jeder Kilometer fühlte sich etwas länger an, und ich musste mich immer wieder motivieren, einfach weiterzufahren.

Trotzdem arbeitete ich mich Stück für Stück durch die Landschaft – Berg hoch, Berg runter, Kilometer für Kilometer. Irgendwann erreichte ich Teslin. Dort machte ich im General Store eine Pause, kaufte mir ein paar Kekse und eine große Fanta und setzte mich drinnen ins Warme. Nach den anstrengenden Kilometern tat es gut, mich kurz aufzuwärmen und etwas zu essen.

Anschließend ging es wieder auf den Alaska Highway. Zwischen den Bergen war der Wind nun deutlich schwächer, was die Fahrt sofort angenehmer machte. Ich kam wesentlich besser voran und konnte die Landschaft wieder etwas mehr genießen.

Nach ungefähr 110 Kilometern überquerte ich schließlich die Grenze nach British Columbia. Besonders spektakulär war der Grenzübertritt allerdings nicht, denn der Alaska Highway macht hier nur einen kleinen Schlenker durch British Columbia und führt anschließend wieder zurück in den Yukon. Entsprechend gab es auch kein großes Schild oder einen besonderen Hinweis darauf, dass ich gerade einen neuen Bezirk erreicht hatte.

Gegen Abend begann ich langsam, nach einem geeigneten Schlafplatz Ausschau zu halten. Auf meiner Karte entdeckte ich einen größeren See, allerdings war zunächst nicht erkennbar, wie ich von der Straße aus dorthin gelangen konnte. Die kleineren Bäche und Wasserstellen direkt an der Straße waren für mich keine gute Alternative. Dort hätte ich mein Zelt mitten im Unterholz aufbauen müssen – und angesichts der möglichen Begegnung mit Bären wollte ich dieses Risiko nicht eingehen.

Also fuhr ich weiter in den Abend hinein, immer auf der Suche nach einer geeigneten Stelle am Wasser. Allmählich wurde es dunkel. Der Himmel war jedoch klar, weshalb die Temperaturen schnell wieder deutlich sanken. Dafür bot sich mir ein wunderschöner Anblick: Hinter den Bergen ging der große Mond auf und tauchte die Landschaft in ein ganz besonderes Licht.

Schließlich fand ich tatsächlich noch eine Stelle am Wasser, die ich irgendwie von der Straße aus erreichen konnte. Dort baute ich mein Zelt auf und kochte mir meine Nudeln. Nach meiner Abendroutine kroch ich müde in meinen Schlafsack.

Wieder einmal ging damit ein langer Tag auf dem Alaska Highway zu Ende – geprägt von Gegenwind, Kälte, vielen Kilometern und einem wunderschönen Mondaufgang über den Bergen.