Tag
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Gegenwind, Eisvogel und meine erste Begegnung mit einem Schwarzbären

Am heutigen Morgen ging es für mich wieder weiter. Nachdem ich meine Taschen gepackt hatte, stand ich zunächst vor einer kleinen Herausforderung: Wo sollte ich all das Essen verstauen, das ich in den vergangenen Tagen eingekauft hatte? Da ich in den nächsten Tagen an keinen größeren Supermärkten vorbeikommen würde, wollte ich ausreichend Vorräte dabeihaben. Irgendwie schaffte ich es schließlich, alles unterzubringen – allerdings waren meine Fahrradtaschen jetzt wirklich bis zum letzten Zentimeter gefüllt.

Nach einem guten Frühstück verabschiedete ich mich von meinem äußerst netten Warmshowers-Host und machte mich mit dem voll beladenen Fahrrad auf den Weg. Schon in der Wettervorhersage hatte ich gesehen, dass starker Gegenwind angekündigt war. Und tatsächlich ließ dieser nicht lange auf sich warten.

Der Wind blies mir mit voller Kraft entgegen, bremste mich permanent aus und verlangte mir unglaublich viel Energie ab. So kämpfte ich mich Kilometer für Kilometer von einem Hügel zum nächsten und von einer Kurve zur nächsten. Immer wieder musste ich kurze Pausen einlegen, weil das Fahren gegen diesen starken Wind einfach enorm anstrengend war.

Während meiner Mittagspause entdeckte ich dann völlig unerwartet einen kanadischen Eisvogel. Ein kleines, aber wunderschönes Highlight mitten in diesem anstrengenden Tag. Ich legte mich für eine Weile hin, um mich etwas zu erholen, bevor ich mich wieder auf den Sattel schwang.

Einige Kilometer später kam dann jedoch ein Erlebnis, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte. In der ersten Baumreihe direkt neben der Straße bewegte sich plötzlich etwas. Als ich genauer hinsah, stand dort tatsächlich ein ausgewachsener Schwarzbär. Für einen kurzen Moment sahen wir uns direkt in die Augen.

Die Begegnung war gleichzeitig faszinierend und ziemlich beängstigend. Der Bär wirkte glücklicherweise vollkommen gelassen und zeigte keinerlei Interesse an mir. Trotzdem war mein Respekt vor diesem Tier riesig. Es war schließlich nicht nur meine erste Begegnung mit einem Schwarzbären, sondern überhaupt meine erste Begegnung mit einem Bären in freier Wildbahn.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl aus Faszination und Respekt fuhr ich anschließend weiter. Der starke Gegenwind machte mir weiterhin zu schaffen. Wäre die Landschaft nicht so beeindruckend gewesen, wäre diese Etappe wahrscheinlich noch deutlich härter für mich gewesen.

Irgendwann machte die Straße schließlich einen Knick und führte zwischen hohen Bergen durch ein langgezogenes Tal. Plötzlich änderte sich auch der Wind. Aus dem erbarmungslosen Gegenwind wurde zunächst Seitenwind und später teilweise sogar leichter Rückenwind. Was für eine Erleichterung! Nach den vielen Stunden des Kampfes fühlte sich das fast wie eine kleine Belohnung an.

So konnte ich die letzten Kilometer deutlich entspannter zurücklegen. Schließlich erreichte ich meinen Schlafplatz am Teslin River. Nach meiner Abendroutine und einer stärkenden Portion Pasta kroch ich müde, aber zufrieden in mein Zelt.

Ein Tag voller Gegenwind, kleiner Naturbeobachtungen und einer ganz besonderen Begegnung mit meinem ersten Bären ging damit zu Ende.