Beinahe ein Wolfsangriff auf dem Dalton Highway
Am heutigen Morgen wachte ich im Arbeitsfahrzeug auf und versuchte, irgendwie ein bisschen zu frühstücken. Ich brauchte auf jeden Fall viel Energie, da ich am Vortag einiges an Energie verloren hatte.
Dann kam der harte Teil, denn draußen regnete es immer noch. Ich musste irgendwie meine nassen Sachen und einen Teil meiner trockenen Sachen miteinander kombinieren, damit ich nicht direkt wieder frieren würde. So musste ich nun die nächsten 55 Kilometer und knapp 500 Höhenmeter überbrücken, bis ich zum Yukon River Camp kommen würde.
Dort wollte ich auf jeden Fall zwei Nächte bleiben und einen Pausentag machen, da es am nächsten Tag noch einmal komplett regnen sollte.
Irgendwie bekam ich es dann noch hin, mich im Fahrzeug umzuziehen. Plötzlich kam ein Arbeitsfahrzeug vorbei, dessen Fahrer mich im Truck sah und fragte, warum ich hier sei.
Ich erklärte ihm meine Situation, und er war zum Glück verständnisvoll. Er sagte mir jedoch auch, dass ich so etwas in Zukunft nicht mehr machen dürfte. Das verstand ich natürlich. Aber in einer Notsituation nimmt man eben alles, was man kriegen kann.
Als ich dann alles wieder im Fahrrad verstaut hatte und endlich losfahren konnte, ging es weiter die Berge hoch und runter. Der Regen war zwar nicht mehr so stark, aber es nieselte immer noch leicht und ich war mit meinen Klamotten weiterhin relativ nass.
Plötzlich tauchte dann ein Wolf vor mir auf.
Er kam immer näher. Am Anfang machte ich mit meinem Handy noch Videos und Fotos, weil ich einfach fasziniert war. Plötzlich bemerkte ich jedoch, dass er ungewöhnlich nah kam. Da bekam ich plötzlich großen Respekt und auch Angst.
Ich schrie den Wolf an, dass er irgendwie in die Büsche verschwinden sollte. Er war jedoch wenig interessiert.
Somit schoss direkt das Adrenalin durch meine Adern und ich musste irgendwie schauen, dass ich jetzt nicht von einem Wolf gefressen werde. Zudem wusste ich nicht, ob vielleicht noch andere Wölfe irgendwo im Wald warteten.
Als ein Truck vorbeikam, ging der Wolf zweimal kurz in den Wald. Da ich mich gerade wieder in einem Tal befand, fuhr ich schnell bergab. Plötzlich sah ich den Wolf hinter mir nicht mehr und hoffte, dass damit alles gut sei.
Dann fuhr ich wieder einen Berg hoch. Beim Hochfahren schaute ich immer wieder nach hinten und plötzlich stand er wieder da – aus dem Wald gekommen, direkt hinter mir.
Ich war extrem erschrocken und musste nun unbedingt Hilfe holen. Mit meinem Bärenspray konnte ich bei Regen und dann auch noch Wind in meine Richtung wahrscheinlich nicht viel ausrichten, außer mich selbst damit zu schädigen.
Also hielt ich den nächsten Pick-up an, der zum Glück sehr schnell kam. Einer der beiden Männer hatte auch eine Waffe dabei, was mich erst einmal beruhigte.
Sie sahen ebenfalls das ungewöhnliche Verhalten des Wolfes, der immer wieder so nah an die Straße kam. Wir unterhielten uns länger und beobachteten gemeinsam, was der Wolf im Unterholz machte.
Dann machten wir einen Plan: Die beiden würden mit ihrem Pick-up warten, während ich ein paar hundert Meter weiterfuhr und schaute, ob der Wolf mir folgen und wieder aus dem Unterholz auftauchen würde.
Wenn er das gemacht hätte, hätte ich wahrscheinlich trampen müssen, damit der Wolf nicht die ganze Zeit meiner Geruchsspur folgen und mich am Ende wirklich angreifen würde.
Da der Wolf mir dann doch nicht hinterherkam, hatte ich trotzdem noch ein ungutes Gefühl, fuhr aber weiter.
Ich drehte mich natürlich die ganze Zeit um und checkte meinen Rückspiegel, ob plötzlich wieder der Wolf hinter mir auftauchte. Dieses Gefühl ist extrem unschön.
So ging es für mich weiter die Hügel hoch und runter, bis ich irgendwann am Yukon River Camp ankam. Dort war ich dann erst einmal sicher.
Ich bekam gutes Essen und checkte für zwei Nächte ein. Ich war sehr am Überlegen und wollte es eigentlich erst nicht machen, sondern mein Zelt aufbauen, da das natürlich kostenlos gewesen wäre.
Da es aber trotzdem weiter regnen sollte, musste ich in den sauren Apfel beißen und für zwei Nächte 185 € bezahlen. Das ist schon heftig, aber hier im Nirgendwo ist es auch die einzige Möglichkeit für eine Unterkunft. Zudem kostet das Essen dort etwa 20 €.
So konnte ich den Nachmittag nun ein bisschen in einem warmen Zimmer genießen und entspannen. Außerdem wusch ich meine Sachen, trocknete sie und lud meine ganzen Powerbanks und meine Technik wieder auf.






