Zweiter Anlauf aus Taipeh
Am heutigen Morgen startete ich meinen zweiten Versuch, Taipeh zu verlassen. Bereits um 5:00 Uhr saß ich wieder auf dem Fahrrad. So rollte ich erneut durch die am frühen Sonntagmorgen nahezu menschenleere Millionenstadt. Trotzdem waren schon einige Läufer und Radfahrer unterwegs, denn bei den kühleren Temperaturen am Morgen lässt es sich deutlich angenehmer Sport treiben. Den Sonnenaufgang konnte ich wieder am Fluss genießen – ein wunderschöner Start in den Tag.
Die ersten 45 Kilometer verliefen auf derselben Strecke wie am Vortag. Diesmal funktionierte jedoch alles einwandfrei. Das Tretlager war wieder richtig montiert und festgezogen, sodass ich ohne technische Probleme fahren konnte.
Nach und nach wurde die Landschaft immer bergiger. Ich freute mich richtig darauf, endlich wieder in der Natur unterwegs zu sein. Die dicht besiedelten Küstenregionen mit ihren Industriegebieten hatten mich nicht besonders begeistert. Statt idyllischer Strände dominierten dort Beton, Fabriken und Häfen das Bild.
Zur Mittagszeit machte ich in einem kleinen Restaurant Pause und gönnte mir chinesische Nudeln mit zwei Eiern. Direkt neben meinem Tisch stand eine große, alte Karaoke-Maschine – ein für mich ungewöhnlicher und irgendwie faszinierender Anblick.
Gut gestärkt setzte ich meinen Weg fort. Die Sonne brannte inzwischen erbarmungslos vom Himmel, und die Anstiege forderten ihren Tribut. Schweißtreibend arbeitete ich mich Höhenmeter um Höhenmeter nach oben. Unterwegs kam ich an mehreren wunderschön verzierten Tempeln vorbei, die sich harmonisch in die grüne Berglandschaft einfügten und mich immer wieder zum Staunen brachten.
Als ich schließlich den letzten Anstieg des Tages in Angriff nahm, bemerkte ich bereits eine dunkle Regenfront, die sich schnell näherte. Kaum hatte ich die Passhöhe erreicht, setzte auch schon der Regen ein. Die letzten vier Kilometer bis zu einem möglichen Unterstand hätte ich nicht mehr trocken geschafft.
Deshalb fragte ich kurzerhand bei einem Haus in der Nachbarschaft nach, ob ich mein Zelt unter dem Vordach aufbauen dürfte. Die Bewohner stimmten sofort freundlich zu. So konnte ich mein Lager ganz entspannt im Trockenen errichten, ohne erst den Regen abwarten und anschließend in der Dämmerung alles aufbauen zu müssen.
Zum Abendessen war ich bereits vor dem letzten Anstieg in einem kleinen Restaurant eingekehrt. So konnte ich den Tag ruhig ausklingen lassen, die besondere Stimmung des einsetzenden Regens genießen und schließlich müde, aber zufrieden in meinem Zelt einschlafen.











