Pannenserie zum Abschluss – mit Hindernissen zurück nach Taipeh
Am heutigen Morgen stand ich wieder früh auf und wollte meinen letzten Fahrradtag in Taiwan in Angriff nehmen. Wie fast jeden Morgen kochte ich mir zunächst Nudeln zum Frühstück. Als ich anschließend meine Sachen packen und das Fahrrad startklar machen wollte, erwartete mich jedoch direkt die nächste Überraschung: Der Hinterreifen war schon wieder platt.
Ich konnte es kaum glauben. Am Vortag hatte ich den Reifen doch gründlich kontrolliert und war mir sicher gewesen, dass sich kein Fremdkörper mehr darin befand. Da nun bereits mein letzter Ersatzschlauch montiert war, blieb mir nur noch mein Flickzeug. Also baute ich das Hinterrad erneut aus und begann, nach der Ursache zu suchen.
Schließlich entdeckte ich das Problem: Das Felgenband war an einer Stelle beschädigt worden – vermutlich beim Einbau der neuen Speiche am Vortag. Dadurch drückte sich der Schlauch an einer scharfen Kante durch und wurde beschädigt. Glücklicherweise hatte ich noch ein Stück Felgenband aus Australien dabei, wo ich bereits einmal ähnliche Probleme mit einer scharfen Felge gehabt hatte. Dieses klebte ich als zweite Schicht über die beschädigte Stelle.
Danach flickte ich das Loch, baute alles wieder zusammen und pumpte den Reifen auf. Doch kaum war genügend Luft im Schlauch, entwich sie auch schon wieder. Also baute ich das Rad ein weiteres Mal aus und entdeckte ein zweites Loch. Auch dieses wurde geflickt. Erst danach funktionierte endlich alles wie gewünscht.
Diese Aktion kostete mich nicht nur fast zwei Stunden, sondern auch eine Menge Energie und Nerven. Bereits der vorherige Tag hatte mich mit einer gebrochenen Speiche und einem Platten stark gefordert – und nun ging es genauso weiter.
Schließlich konnte ich doch noch losfahren und meine Fahrt entlang der Ostküste fortsetzen. Die Strecke entschädigte für vieles: kristallklares Wasser, wunderschöne Küstenlandschaften und hervorragend ausgebaute Radwege begleiteten mich. Vom nördlichsten Zipfel der Ostküste führte die Route noch einmal über einen größeren Pass durch dichten Dschungel und zurück in Richtung Taipeh.
Etwa 20 Kilometer vor meinem Ziel tauchte jedoch das nächste Problem auf. Der Drehgriff meiner Rohloff-Schaltung ließ sich plötzlich immer schwerer bewegen. Mit jedem Kilometer wurde es schlimmer, bis ich schließlich überhaupt nicht mehr schalten konnte.
Langsam lagen meine Nerven blank. Innerhalb von nur zwei Tagen hatte ich eine gebrochene Speiche, zwei platte Reifen, zwei geflickte Löcher und nun auch noch eine defekte Schaltung. Immerhin befand sich die Schaltung gerade in einem relativ hohen Gang, sodass ich auf den flachen Straßen zumindest noch bis nach Taipeh weiterfahren konnte.
Im Hostel angekommen, wo bereits mein Fahrradkarton für den Weiterflug auf mich wartete, gönnte ich mir zunächst eine Dusche. Anschließend fuhr ich direkt in einen Fahrradladen, um einige reguläre Wartungsarbeiten durchzuführen. Ich baute das Tretlager aus und fettete es neu, optimierte das Steuerlager und reinigte sowie schmierte die Pedallager. Damit war mein Fahrrad technisch wieder in einem sehr guten Zustand.
Für die Schaltung musste ich allerdings zu einem offiziellen Rohloff-Händler fahren. Nach einer kleinen Irrfahrt durch Taipeh – mein Navigationsgerät hatte mich zunächst zu einem falschen Fahrradladen geschickt – erreichte ich schließlich den richtigen Laden, Pineworks.
Dort hörte ich wieder einen Satz, den ich auf meiner Weltreise schon häufiger gehört hatte:
„Das dürfte eigentlich nicht passieren.“
Doch genau solche Dinge passieren eben doch – besonders auf einer Weltreise, auf der Material Tag für Tag bis an seine Grenzen beansprucht wird.
Die Ursache war schnell gefunden: Der Schaltzug hatte sich im Inneren aufgelöst. Einzelne feine Drähte hatten sich in der Drehmechanik verkeilt und blockierten dadurch den gesamten Schaltgriff. Der komplette Schaltzug wurde ersetzt und die Schaltung funktionierte anschließend wieder einwandfrei.
Zusätzlich nahm ich noch zwei neue Ersatzschläuche mit. Nach einem längeren, sehr netten Gespräch mit dem Ladenbesitzer und seiner Frau machte ich mich schließlich am späten Abend auf den Rückweg. Da mein ursprüngliches Hostel für diese Nacht bereits ausgebucht war, musste ich noch etwa zwei Kilometer zu einer anderen Unterkunft laufen. Dort angekommen, fiel ich nach diesem ereignisreichen und nervenaufreibenden Tag einfach nur noch erschöpft ins Bett.







