Durch die letzten Berge Javas
Am heutigen Morgen ging es für mich wieder früh los. Ich packte meine Sachen zusammen, verließ meine Unterkunft und tauchte direkt wieder in den dichten Verkehr aus LKWs, Autos und unzähligen Motorrollern ein. Gleich zu Beginn musste ich an einem Bahnübergang einige Minuten warten. Vor mir sammelten sich Hunderte Motorroller, die nach dem Öffnen der Schranken wie ein Schwarm gleichzeitig losfuhren.
Kurz darauf warteten die letzten größeren Berge Indonesiens auf mich. Mit meinem Singlespeed-Antrieb war das natürlich eine besondere Herausforderung. Zudem merkte ich die Anstrengungen der vergangenen Tage deutlich in den Beinen und musste darauf achten, die Belastung nicht zu hoch werden zu lassen. Den ersten Anstieg mit über 100 Höhenmetern auf rund anderthalb Kilometern musste ich deshalb komplett schieben – mit nur einem Gang war er einfach nicht fahrbar.
Auch die folgenden Hügel verlangten mir alles ab. Immer wieder brannten die Beine, während ich mich Meter für Meter nach oben kämpfte. Doch schließlich ließ ich die bergige Region hinter mir und erreichte wieder flacheres Gelände. Das war eine große Erleichterung, denn von nun an würde es bis nach Jakarta weitgehend eben bleiben. Wäre das Problem mit den Lagern meiner Rohloff-Nabe nur einen Tag früher aufgetreten, hätte ich selbst mit dem Singlespeed viele dieser Anstiege kaum bewältigen können. Manchmal hat man eben auch Glück im Unglück.
Nach einer ersten Pause in einem klimatisierten Supermarkt konnte ich mich etwas abkühlen, bevor es wieder hinaus auf die Straße ging. Im dichten Verkehrsfluss arbeitete ich mich weiter voran, bis nach 100 Kilometern die Mittagszeit erreicht war. Ich suchte mir eine kleine Garküche, aß etwas und buchte gleichzeitig online meine Unterkunft für den Abend. Die einstündige Pause tat meinen Beinen nach den vielen Höhenmetern spürbar gut.
Anschließend ging es durch die Mittagshitze weiter. Die nächsten 40 Kilometer führten überraschend durch eine offene und deutlich grünere Landschaft. Statt dichter Bebauung erstreckten sich links und rechts der Straße zahlreiche künstlich angelegte Teiche. Dort züchteten die Menschen Algen, die sie anschließend am Straßenrand zum Trocknen auslegten. Die getrockneten Algenteppiche wurden später in Säcke verpackt und abtransportiert. Daneben wurde in vielen Becken auch Fisch gezüchtet, der auf den umliegenden Märkten verkauft wird.
Diese offene Landschaft gefiel mir besonders gut. Nach vielen Tagen zwischen Häuserreihen, dichtem Verkehr und ständigem Lärm konnte mein Blick endlich wieder in die Ferne schweifen. Solche Momente in der Natur fühlen sich für mich deutlich freier an als das Fahren durch endlose Ortschaften.
Nach insgesamt 140 Kilometern legte ich noch einmal eine kurze Pause an einem Supermarkt ein und füllte mit einem Softdrink meine Energiereserven auf. Anschließend standen nur noch die letzten 20 Kilometer bis zu meiner Unterkunft an.
Unterwegs fuhr ich erneut an mehreren Böschungsbränden vorbei. Dichter Rauch zog über die Straße und erinnerte daran, wie häufig hier Vegetation abgebrannt wird. Außerdem passierte ich wieder zahlreiche Moscheen, die das Landschaftsbild auf Java nahezu überall prägen.
An meiner Unterkunft angekommen, die gerade einmal fünf Euro kostete, duschte ich mich auf die in Indonesien übliche Art mit einer Schöpfkelle. Anschließend ging ich noch einmal zum Supermarkt und in eine kleine Garküche, um zu Abend zu essen. Danach erledigte ich meine Abendroutine und fiel nach diesem anstrengenden Tag früh ins Bett.











