Ein Tag voller Begegnungen auf Timor
Am heutigen Morgen wachte ich wieder früh auf. Gemeinsam mit Thomas und seinem Nachbarn bekam ich zunächst eine kleine Führung durch das Dorf. Die Umgebung war wunderschön und hatte viel zu bieten. Wir liefen an Bananenstauden, Kokospalmen und zahlreichen tropischen Pflanzen vorbei. Besonders beeindruckend waren die großen Nester wilder Bienen, die an einigen Bäumen hingen. Die kunstvollen Waben sahen fast wie kleine Naturkunstwerke aus und faszinierten mich sehr.
Nach der Dorfrunde ging es zurück zu Thomas’ Haus. Dort wartete bereits das Frühstück auf mich: indonesische Nudeln, Reis, zwei Eier und die leckeren Bananenchips, die ich schon am Vortag genießen durfte. Während des Essens unterhielten wir uns noch eine Weile, bevor es für mich Zeit wurde, zu meinem nächsten Fahrradabenteuer aufzubrechen.
Als ich meine Sachen anzog, standen draußen bereits zahlreiche Dorfbewohner um mein Fahrrad herum und bestaunten die Ausrüstung. Bevor ich mich verabschiedete, durfte ich noch einige Porträtfotos von ihnen machen. Als kleines Dankeschön gab ich Thomas einen Betrag, der ungefähr seinem Lohn von drei Arbeitstagen entsprach. Für mich waren es lediglich 4,90 Euro, für ihn jedoch umgerechnet rund 80 Euro. Nach all seiner Gastfreundschaft, dem leckeren Essen und der herzlichen Aufnahme hatte er sich das mehr als verdient.
Anschließend ging es zunächst sieben Kilometer und rund 200 Höhenmeter zurück hinauf zur Hauptstraße. Von dort führte mich die Route wieder durch die hügelige Landschaft Timors. Überall wurde ich von freundlichen Menschen gegrüßt, während mich die tropische Dschungelatmosphäre begleitete.
Zur Mittagszeit machte ich an einem kleinen Restaurant Halt und aß eine Portion Reis. Als ich später die Stadt Soe erreichte und den vorletzten größeren Anstieg des Tages hinter mir hatte, befand ich mich bereits auf etwa 900 Metern Höhe.
Während der Fahrt durch die Stadt fiel mir plötzlich ein Rollerfahrer auf, der mir immer wieder folgte. Er fuhr an mir vorbei, hielt an, feuerte mich an und wartete anschließend wieder auf mich. Zunächst dachte ich, dass er nur für einige Hundert Meter in dieselbe Richtung fahren würde. Doch auch nach einem langen Anstieg und einer anschließenden Abfahrt war er immer noch da.
Je länger die Situation dauerte, desto merkwürdiger kam sie mir vor. Nach etwa 25 Kilometern wurde ich langsam skeptisch und fragte mich, warum er mich so hartnäckig begleitete. Unten im Tal auf etwa 120 Metern Höhe machte ich schließlich eine Pause und sprach ihn direkt an. Ich wollte wissen, wo er eigentlich hinmusste und warum er mich die ganze Zeit begleitete.
Zu meiner Überraschung erklärte er mir, dass er lediglich meine Kontaktdaten in sein kleines Notizbuch eintragen lassen wollte. Das tat ich natürlich gerne. Anschließend erzählte er mir, dass er nun wieder zurück nach Soe fahren würde. Damit wurde mir klar, dass er die gesamten 25 Kilometer bergab nur mit mir gefahren war, weil ihn meine Reise so faszinierte – und nun dieselbe Strecke wieder bergauf zurückfahren musste. Eine solche Begegnung hatte ich bisher noch nie erlebt.
Nach der Pause und etwas Zucker ging es für mich an den letzten Anstieg des Tages. Die Sonne stand bereits tief, und die Aussicht von oben war noch einmal wunderschön. Während der anschließenden Abfahrt wurde es jedoch schnell dunkel. Ich schaltete mein Licht ein und versuchte möglichst zügig meine geplante Unterkunft zu erreichen.
Allerdings war ich mir gar nicht sicher, ob die Unterkunft auf Google Maps tatsächlich existierte. Offiziell gab es in diesem Ort weder ein Homestay noch ein Hotel. Als ich schließlich den etwas verlassen wirkenden Gebäudekomplex erreichte, begrüßten mich zunächst nur zwei laut bellende Hunde. Nach einigem Rufen erschien schließlich ein Mann aus einer der Türen. Ich fragte vorsichtig nach einem Zimmer, er nickte, und mir fiel ein Stein vom Herzen.
Für lediglich 4,90 Euro bekam ich ein einfaches Zimmer mit Ventilator, Strom sowie einem Wasserbottich und einer Schöpfkelle zum Waschen. Mehr brauchte ich nicht – und der Preis war unschlagbar.
Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, lief ich etwa einen Kilometer die Straße hinunter zu einem kleinen Supermarkt und einem Restaurant. Dort kam ich zunächst mit dem Betreiber ins Gespräch. Später gesellte sich seine Tochter dazu, die ungefähr in meinem Alter war und Englisch sprach. Während meines Abendessens unterhielten wir uns lange über das Leben auf Timor, die Kultur und die Unterschiede zwischen unseren Ländern. Genau solche Gespräche machen für mich den besonderen Reiz des Reisens aus, weil sie einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen vor Ort ermöglichen.
Als ich später zurück zur Unterkunft wollte, brachte mich die Tochter des Restaurantbesitzers netterweise mit ihrem Motorroller zurück.
Nach über 2.000 Höhenmetern an diesem Tag war ich schließlich ziemlich erschöpft. Doch bevor ich schlafen konnte, musste ich noch mein Fährticket für den nächsten Tag organisieren. Die Fähre von Kupang nach Larantuka auf Flores sollte am folgenden Tag fahren, doch selbst am Abend zuvor war die genaue Abfahrtszeit noch unklar. Für mich war es schwer nachvollziehbar, warum man einen Tag vor der Abfahrt noch keinen festen Fahrplan kannte – doch in Indonesien scheint das nicht ungewöhnlich zu sein.
Bereits mittags hatte ich einen Reiseagenten der Fährgesellschaft kontaktiert, allerdings ohne endgültige Informationen zu erhalten. Schließlich schrieb ich Dio an, den ich einige Tage zuvor in Atambua kennengelernt hatte. Er half mir dabei, ein Ticket zu organisieren. Eine offizielle Buchungswebsite gab es nicht. Stattdessen musste ich das Geld per Wise auf ein indonesisches Bankkonto überweisen.
Kurz nach Mitternacht war schließlich alles erledigt. Das Geld war angekommen, das Ticket bestätigt und ich konnte beruhigt ins Bett gehen. Nach diesem langen, ereignisreichen Tag fiel ich zufrieden in den Schlaf.










