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Von Timor-Leste nach Indonesien – Ein heißer Start auf Westtimor

Am heutigen Morgen saß ich zum ersten Mal seit meiner Rückkehr nach Asien wieder auf dem Fahrrad. Zunächst führte mich der Weg durch den morgendlichen Trubel von Dili entlang der Küste. Dabei hörte ich ständig dieselben zwei Worte: „Mister“ und „Bon Dia“. Kinder und Erwachsene riefen sie mir im Vorbeifahren oder von der Straßenseite aus zu. Nach den vergangenen Monaten, in denen mich vielleicht zehn Menschen am Tag grüßten, war ich regelrecht überfordert. Innerhalb weniger Minuten wurde ich hier häufiger angesprochen als sonst an einem ganzen Tag. Gleichzeitig musste sich mein Körper erst wieder an das warme und leicht feuchte Klima gewöhnen, sodass es gar nicht so einfach war, auf jede Begrüßung zu reagieren.

Zunächst führte die Strecke durch flache Landschaften mit Reis- und Getreidefeldern. Schon bald folgten jedoch die ersten größeren Anstiege, die mich ordentlich ins Schwitzen brachten. Hier merkte ich sofort wieder, wie steil die Straßen in Südostasien oft sind. Die Anstiege waren kurz, aber äußerst knackig und verlangten mir einiges ab.

Unterwegs fielen mir zahlreiche Flaggen auf: portugiesische, argentinische, brasilianische und sogar einige deutsche. Die Menschen hier verfolgen die Fußball-Weltmeisterschaft mit großer Begeisterung. Besonders Portugal genießt viel Sympathie, was nicht überrascht, da Timor-Leste über viele Jahre eine portugiesische Kolonie war und diese Geschichte bis heute kulturell spürbar ist.

Außerdem stellte ich fest, dass die Preise deutlich höher waren, als ich sie aus Vietnam, Thailand oder Laos in Erinnerung hatte. Der Grund dafür liegt unter anderem darin, dass Timor-Leste den US-Dollar als Währung verwendet und dadurch viele Dinge teurer sind als beispielsweise im benachbarten Indonesien.

Nach rund 110 Kilometern erreichte ich schließlich die indonesische Grenze. Glücklicherweise hatte ich bereits zwei Wochen zuvor ein 60-Tage-E-Visum beantragt, das erst wenige Tage zuvor genehmigt worden war. Nach einer kurzen Kontrolle meines Visums und einer eher oberflächlichen Gepäckkontrolle durfte ich bereits wenige Minuten später einreisen.

Damit war ich offiziell in Westtimor angekommen.

Ein Blick auf meine Navigation ließ mich zunächst glauben, dass nun ein entspannter Abschnitt bis zur nächsten Stadt folgen würde. Doch ich hatte mich geirrt. Direkt hinter der Grenze begann ein langer und vor allem steiler Anstieg auf ein Hochplateau. Von etwa 25 Höhenmetern ging es über zahlreiche Serpentinen auf mehr als 400 Meter hinauf. Als ich oben ankam, war ich komplett durchgeschwitzt. Ein freundlicher Rollerfahrer schenkte mir sogar eine 1,5-Liter-Wasserflasche, die ich dankbar entgegennahm und nahezu sofort austrank.

Viele Motorradfahrer schauten mich ungläubig an, wenn sie mein voll beladenes Fahrrad sahen. Einige feuerten mich an, andere zeigten mir den Daumen nach oben oder riefen mir motivierende Worte zu.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichte ich schließlich die Vororte von Atambua. Bereits im Vorfeld hatte ich Kontakt zu einem Homestay aufgenommen und die Zusage für eine Übernachtung erhalten. So kam ich kurz nach Sonnenuntergang dort an.

Nun musste ich jedoch erst einmal einige organisatorische Dinge erledigen. Weder Bargeld noch Internet hatte ich nach meiner Einreise nach Indonesien zur Verfügung. Da der lokale SIM-Karten-Shop bereits geschlossen hatte und erst am nächsten Mittag wieder öffnen würde, entschied ich mich zunächst für eine eSIM. Diese war zwar deutlich teurer, funktionierte aber sofort.

Danach stand die Bargeldbeschaffung auf dem Programm. Ohne Bargeld läuft hier nur sehr wenig. Der Besitzer des Homestays brachte mich freundlicherweise zu einem Geldautomaten. Dort funktionierte jedoch überraschenderweise keine meiner ersten Kreditkarten. Ein Passant bemerkte meine Schwierigkeiten und bot sofort seine Hilfe an. Er stellte sich als Dio vor, ein lokaler Tourguide, der genau wusste, wie man Reisenden helfen kann.

Gemeinsam fuhren wir zu einem größeren Geldautomaten in der Stadt. Doch auch dort verweigerten mehrere Karten ihren Dienst. In diesem Moment war ich froh, dass ich zu Beginn meiner Weltreise gleich sechs verschiedene Kreditkarten eingepackt hatte. Tatsächlich funktionierte erst die fünfte Karte. Warum ausgerechnet meine sonst immer zuverlässige DKB-Karte nicht akzeptiert wurde, bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Dio zeigte mir anschließend noch ein Restaurant, in dem ich mir Reis, Eier und Gemüse bestellte. Nach diesem späten Abendessen nahm ich für gerade einmal 49 Cent ein Grab-Taxi zurück zu meiner Unterkunft.

Dort plante ich noch die nächsten Etappen bis Kupang, bevor ich schließlich müde ins Bett fiel. Ein ereignisreicher erster Tag in Indonesien ging damit zu Ende.