Frostiger Morgen und harte Höhenmeter ins Hochland
Heute Morgen wachte ich bereits in der Morgendämmerung auf. Als ich mein Zelt öffnete, merkte ich sofort, dass es nicht nur wie an den vergangenen Tagen vom Tau bedeckt war – der Tau war gefroren. In der Nacht waren die Temperaturen auf etwa -2 °C gefallen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte es zwar im Schlaf bemerkt, als es zunehmend kälter wurde und ich mich tiefer in meinen Schlafsack einkuschelte, doch am Morgen zeigte sich das ganze Ausmaß.
Alles war steif, kalt und etwas mühsamer als sonst. Besonders der Moment, aus dem warmen Schlafsack zu steigen, gehört an solchen Tagen zu den härtesten des Tages. Zum Frühstück gab es Brot mit Erdnussbutter, etwas Obst und noch warmen Tee vom Vortag. Es war definitiv eine kluge Entscheidung gewesen, am Abend zuvor heißes Wasser in meine Thermoskanne zu füllen. So musste ich nicht das eiskalte Wasser aus dem Jacobs- und Snowy River trinken.
Stück für Stück baute ich mein Zelt ab. Bei solchen Temperaturen dauert alles etwas länger – die Hände werden schnell taub, und auch das Anziehen der Radkleidung kostet Überwindung. Doch irgendwann kommt immer der Moment, an dem man losfahren muss, weil einem auf dem Fahrrad ohnehin schnell wieder warm wird.
Und genau das passierte heute sofort. Direkt nach dem Start wartete ein langer Anstieg auf mich. Aus dem Tal, in dem ich übernachtet hatte, ging es von etwa 250 Höhenmetern auf 1250 Meter hinauf – und das auf einer Gravel-Strecke. Eine echte Ansage.
Als die Sonne schließlich über die Baumwipfel blinzelte, wurde es schlagartig angenehmer. Nach und nach zog ich wieder Kleidungsschichten aus und arbeitete mich Kurve für Kurve den Berg hinauf. Genau das liebe ich am Radreisen: Unten im Tal ist es wunderschön – und nur wenige Kilometer später, nach ehrlicher Anstrengung, eröffnet sich plötzlich eine völlig neue Welt mit grandiosen Ausblicken über Berge und Täler. Diese Vielfalt gibt es in flachen Regionen einfach nicht.
Unterwegs begegneten mir nur vereinzelt Motorradfahrer und Offroad-Fahrzeuge. Viele schauten mich ungläubig an, warum ich mir so etwas freiwillig antue. Und ehrlich gesagt: Man muss das auch nicht immer verstehen. Manche Tage sind hart, andere leicht. Aber gerade die harten Etappen bleiben oft am stärksten in Erinnerung.
Oben angekommen führte der Weg über ein Hochplateau weiter. Dort ging es ständig über kleine Hügel auf und ab – flache Abschnitte scheint es in diesen Alpen kaum zu geben. Schließlich erreichte ich Jindabyne, wo heute eine ausgelassene Stimmung herrschte. Es war Nationalfeiertag, viele Menschen hatten frei und trafen sich in den Pubs. Das scheint hier in Australien Tradition zu sein.
Für mich war vor allem wichtig, nach zweieinhalb Tagen ohne Einkaufsmöglichkeit endlich wieder Vorräte auffüllen zu können. Zum Glück haben die Supermärkte hier auch an Feiertagen geöffnet. Auf dem Fahrrad können mehrere geschlossene Tage schnell zu unnötigen Strapazen werden.
Nach einer Pause und dem Einkauf fuhr ich weiter entlang des Lake Jindabyne über das hügelige Hochland. Besonders faszinierend waren die Landschaften dort: Felder, die nicht glatt und geordnet wirkten, sondern voller Felsen, großen Steinansammlungen, abgestorbener Bäume und alter Äste waren. Alles wirkte wild, urig und naturbelassen.
Auf einer solchen Fläche schlug ich schließlich mein Zelt auf. Offiziell war das Gelände eingezäunt und das Tor verschlossen. Doch ich hatte keinen anderen Platz mehr gefunden, die Sonne ging bereits unter, und ich war sicher, dass mich dort niemand stören würde. Solange ich den Ort genauso verließ, wie ich ihn vorgefunden hatte, würde alles in Ordnung sein.
So machte ich meine Abendroutine, kochte mein Essen und genoss noch den sternenklaren Himmel. Über mir spannte sich die Milchstraße in voller Klarheit – ein beeindruckender Abschluss dieses intensiven Tages. Lange draußen sitzen konnte ich allerdings nicht, denn es wurde schnell wieder frostig. Also kroch ich zurück in meinen Schlafsack und schlief zufrieden ein.









