Tag
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Durch die Höhen der Alpen bis an den Snowy River

Am heutigen Morgen war mein Zelt überraschenderweise einmal nicht komplett mit Tau bedeckt. Alles war trocken, weshalb die Nacht auch deutlich angenehmer gewesen war – obwohl ich auf über 500 Metern Höhe geschlafen hatte. Vermutlich kommt die starke Feuchtigkeit sonst oft vom Meer oder von den großen Seen in den tieferen Ebenen.

Nach einem sehr leckeren Frühstück mit Rosinenbrot, Erdnussbutter, Apfel, Banane und Wasser genoss ich den Sonnenaufgang. Die ersten Sonnenstrahlen schienen mir direkt ins Gesicht und wärmten sofort Körper und Gemüt. Danach packte ich mein Zelt zusammen und setzte meine Fahrt bergauf fort. Am Vortag hatte ich nur etwa die Hälfte des Anstiegs geschafft – die restlichen Höhenmeter bis auf über 950 Meter standen nun noch bevor.

Oben angekommen begann ein anspruchsvoller Abschnitt: Für die nächsten vier Stunden und rund 40 Kilometer ging es ständig auf und ab – von etwa 820 Höhenmetern auf über 940 Meter, wieder hinunter und direkt wieder hinauf. Flache Abschnitte gab es kaum. Einerseits bedeutete das höchste Konzentration und viel Kraftaufwand, andererseits war die Landschaft unglaublich abwechslungsreich und genau das liebe ich am Reisen.

Nach etwa 20 Kilometern entdeckte ich plötzlich ein Toilettenhäuschen im Nationalpark – mit Wasserhahn. Für meine fast leeren Flaschen war das die perfekte Gelegenheit. Zwar hätte ich auch Bäche nutzen können, doch ein Wasserhahn ist natürlich die einfachste Lösung. Mit frischem Wasser und noch ausreichend Essen im Gepäck ging es weiter hinein in die abgelegenen Gebiete der australischen Alpen.

Die Strecke wechselte ständig zwischen Asphalt und langen Gravel-Abschnitten – pures Abenteuer. Ich genoss es sehr, durch diese wilde Natur zu fahren, immer wieder Vögel zu beobachten und zwischendurch Kängurus zu sehen. Diese Ruhe, diese Weite und Entschleunigung fühlten sich unglaublich gut an. Gleichzeitig forderten die vielen Anstiege meine ganze Aufmerksamkeit. Gerade das macht den Unterschied: Diese Landschaft wirklich zu spüren gelingt nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad – nicht im Geländewagen.

Die Aussicht auf die Berge war immer wieder beeindruckend. Über mir spannte sich ein tiefblauer Himmel, die Sonne stand hoch am Himmel. In der Ferne lag über manchen Gipfeln ein leicht bläulicher Schimmer, fast wie Nebel – ein faszinierender Anblick. Gleichzeitig merkte ich deutlich, wie intensiv die Sonne hier oben in Australien ist. Sonnencreme hat hier höchste Priorität.

Zum Ende des Tages führte die Route von rund 950 Metern Höhe wieder hinunter auf etwa 250 Meter. Der Weg bestand aus Gravel und war teilweise in sehr schlechtem Zustand – viele tiefe Rillen, loses Material und starke Unebenheiten machten die Abfahrt anspruchsvoll.

An der Kreuzung von Snowy River und Jacobs River erreichte ich schließlich einen öffentlichen Campingplatz und schlug dort mein Zelt auf. Direkt nebenan floss ein Fluss – perfekt, um Wasser aufzufüllen und mich endlich gründlich zu waschen. Das Wasser kam direkt aus den Bergen und war entsprechend eiskalt. Trotzdem ging ich hinein und wusch mich Stück für Stück mit biologisch abbaubarer Seife. Am schwierigsten waren die Haare – den Kopf länger unter Wasser zu halten, ohne Hirnfrost zu bekommen, war eine kleine Herausforderung. Irgendwie schaffte ich es dennoch und fühlte mich danach herrlich frisch.

Anschließend zog ich sofort warme Kleidung an, um nicht auszukühlen. Unter einer überdachten Sitzgruppe kochte ich mir Nudeln, aß Nüsse und Obst und ließ den Abend entspannt ausklingen. Zusätzlich machte ich mir noch heißen Tee, da ich mir in den letzten Tagen eine leichte Erkältung eingefangen hatte. Besonders morgens und abends, wenn es kalt wurde, merkte ich laufende Nase und Schleim im Hals. Beim Radfahren in der Sonne war es jedoch kaum spürbar.

Als es dunkel wurde, tauchten plötzlich mehrere Opossums um mich herum auf. Sofort stellte ich mein Zelt möglichst weit weg von Bäumen und Sträuchern auf, damit die Tiere gar nicht erst in Versuchung kamen, an meine Taschen zu gehen. Durch meine Erfahrungen aus Tasmanien wusste ich inzwischen, wie man mit diesen neugierigen Besuchern umgeht.

Später schrieb ich noch mein Tagebuch, kroch in den Schlafsack und lauschte, wie die Nacht langsam kälter wurde.