Auf dem Weg in die Australischen Alpen
Am Morgen wurde ich von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Auch diese Nacht war wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der kalten Temperaturen alles andere als angenehm gewesen. Bei etwa fünf Grad war mein Zelt außen komplett durchnässt. Also blieb ich zunächst noch gut eingepackt im Schlafsack liegen, denn dort war es deutlich wärmer als draußen.
Zum Frühstück gab es nur etwas Müsli, weil ich am Vortag kein Brot mehr kaufen konnte. Damit waren meine Essensvorräte endgültig aufgebraucht, und ich wusste: In der nächsten Stadt musste ich dringend groß einkaufen.
Nachdem ich alles zusammengepackt hatte und auch den unangenehmsten Teil des Morgens hinter mir brachte – die kalten, klammen Radklamotten wieder anzuziehen – setzte ich mich mit Daunenjacke und Sturmhaube aufs Fahrrad. Die ersten Kilometer im leichten Gegenwind waren zäh. Überall lag Tau auf den Wiesen, der durch die Sonne langsam aufstieg, und die Temperaturen machten das Losfahren nicht gerade leichter.
Nach einigen Kilometern erreichte ich Bairnsdale. Dort musste ich unbedingt einkaufen und meine Wasservorräte auffüllen. Zum Glück gab es einen Aldi, denn im Vergleich zu Woolworths sind die Preise dort fast halb so hoch. Da ich für zweieinhalb Tage vorsorgen musste, weil in den Bergen kein Supermarkt mehr kommen würde, landete einiges im Einkaufswagen: acht Bananen, sechs Äpfel, sechs Brötchen, Oreo-Kekse, drei Packungen Schokokekse, Nüsse, ein Kilo Nudeln, zweimal Pesto, ein Rosinenbrot, eine Powerade und eine große Fanta. Insgesamt kostete mich das rund 60 australische Dollar – umgerechnet etwa 37 Euro. Bei Woolworths wäre ich deutlich teurer weggekommen.
Mit vollen Taschen und reichlich Proviant ging es danach zum Wasserauffüllen in einen Park. In Australien gibt es oft hervorragend ausgestattete öffentliche Trinkwasserspender – etwas, das mir unterwegs sehr zugutekommt.
Anschließend startete ich auf einem alten Bahntrassen-Radweg, der angenehm zu fahren war. Später führte mich die Strecke weiter Richtung Bruthen. Dort begann für mich das eigentliche Abenteuer: die australischen Alpen.
Viele denken bei Australien zuerst an das Outback, Wüste und endlose Ebenen. Doch zwischen Melbourne und Sydney liegt eine beeindruckende Bergwelt – die Australian Alps. Da ich Berge liebe, wollte ich diese Region unbedingt erleben.
Zunächst war das Gelände noch hügelig, mit ständigem Auf und Ab. In dem kleinen Ort Buchan füllte ich ein letztes Mal meine Flaschen auf und nahm zusätzlich Wasser zum Kochen mit. Für die nächsten knapp 200 Kilometer sollte es kaum noch Infrastruktur geben.
Direkt hinter dem Ort begann es dann ernst zu werden. Von rund 200 Metern Höhe führte die Straße in einem langen Anstieg auf über 500 Meter hinauf. Damit war auch mein letzter großer Kraftakt des Tages geschafft.
Am Abend schlug ich mein Zelt auf einem kleinen Seitenweg neben der Straße auf – mit freiem Blick auf die umliegenden Berge. Auf dem Feld grasten einige Kängurus, während die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwand. Einen Fluss oder See gab es wie schon an den Tagen zuvor nicht, also musste ich mich sparsam mit etwas Wasser aus der Flasche waschen. Es ist erstaunlich, wie frisch man sich selbst mit nur 200 Millilitern Wasser fühlen kann. Manchmal geht es eben nicht anders – und es ist immer noch besser als gar nicht zu waschen.
Mit dieser besonderen Aussicht kochte ich mir noch meine Nudeln, erledigte meine Abendroutine und fiel anschließend müde ins Bett.











