Entlang der Berge bis zum südlichsten Punkt Taiwans
Auch heute klingelte mein Wecker wieder sehr früh. Noch in der Morgendämmerung genoss ich den Sonnenaufgang neben dem Tempel, an dem ich übernachtet hatte. Zum Frühstück gab es wie so oft Instant-Nudeln, bevor ich meine Sachen zusammenpackte und mich wieder auf den Weg machte.
Zunächst verlief die Strecke relativ flach entlang der Bergkette. Die sattgrünen Berge waren ein wunderschöner Anblick und machten das Radfahren zu einem besonderen Erlebnis. Genau diese Natur genieße ich an Taiwan besonders. Immer wieder tauchen kleine Tempel, Schreine oder andere versteckte Besonderheiten am Wegesrand auf – viel reizvoller als die großen Städte, Industriegebiete und Betonlandschaften an der Westküste.
So fuhr ich Kilometer für Kilometer weiter Richtung Süden. Zur Mittagszeit machte ich wie so oft Pause in einem 7-Eleven. Diesmal entdeckte ich ein Tofu-Reis-Gericht, das überraschend lecker war und mir neue Energie gab. Ein weiterer Grund, warum ich die Supermärkte gerne ansteuere, ist die Klimaanlage. Bei Temperaturen von über 30 Grad und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit fühlt sich jede Minute in der kühlen Luft wie eine kleine Erholung für den Körper an.
Anschließend setzte ich meinen Weg fort. Irgendwann führte nur noch eine einzige Straße Richtung Süden. Trotz des zunehmenden Verkehrs blieb die Fahrradinfrastruktur hervorragend ausgebaut, sodass sich die Strecke angenehm fahren ließ.
Nach einigen Kilometern begegnete ich schließlich den ersten anderen Radreisenden des Tages. Zwei Taiwaner waren unterwegs und wollten von Taichung über die Ostküste zurück nach Taipeh fahren. Wir tauschten uns kurz über unsere Routen aus, bevor jeder seinen Weg fortsetzte.
Wenig später erreichte ich den südlichsten Punkt Taiwans. Vor mir lag nur noch das Meer – und viele hundert Kilometer weiter südlich die Philippinen. Dort kam ich mit einem Taiwaner ins Gespräch, den ich auf dem Weg zum Aussichtspunkt traf. Er erzählte mir, dass chinesische Staatsbürger aufgrund der politischen Spannungen normalerweise nicht nach Taiwan einreisen dürfen. Da er jedoch zusätzlich die neuseeländische Staatsbürgerschaft besitzt, weil seine Eltern in Neuseeland leben, kann er problemlos nach Taiwan reisen. Es war ein interessantes Gespräch, das mir noch einmal einen Einblick in die komplexe politische Situation der Region gab.
Nach dieser Pause begann für mich der nächste Abschnitt: die Ostküste. Um dorthin zu gelangen, musste ich jedoch zunächst einige kräftige Anstiege durch die Berge Taiwans bewältigen. Die Auffahrten waren schweißtreibend, doch gleichzeitig wunderschön. Ich war wieder auf kleinen Straßen unterwegs, umgeben von dichter Natur, Vogelstimmen und dem Rauschen des Waldes – genau die Art von Radfahren, die ich liebe.
Am Abend erreichte ich schließlich den kleinen Ort Mudan in den Bergen. Dort gönnte ich mir zunächst ein kräftigendes Abendessen. Anschließend fragte ich, ob ich mein Zelt unter einem Pavillon aufbauen dürfe. Zu meiner Freude war das überhaupt kein Problem.
Bevor es dunkel wurde, spielte ich noch eine Runde Fußball mit einigen Kindern aus dem Ort. Solche spontanen Begegnungen machen eine Reise oft besonders. Danach erledigte ich meine Abendroutine und kroch müde, aber zufrieden in meinen Schlafsack.













