Tag
1

Durch Regen und Berge bis zum Tempel

Am heutigen Morgen verließ ich mein Hostel wieder gut ausgeruht – natürlich sehr früh, denn langsam hatte ich mich an meinen neuen Tagesrhythmus gewöhnt. Zum Frühstück gab es erst einmal Instant-Nudeln, die mir die nötige Energie für den bevorstehenden Tag lieferten. Nachdem alle Taschen wieder am Fahrrad befestigt waren, konnte es losgehen.

Schon am Morgen sah ich dunkle Regenwolken aus dem Süden aufziehen. Da ich ebenfalls nach Süden fuhr, steuerte ich direkt auf sie zu. Keine Stunde später setzte auch schon der Regen ein. Ich zog sofort meine Regenjacke und Regenhose an, denn es war schnell klar, dass dieser Schauer nicht so bald vorbeiziehen würde.

So fuhr ich die ersten vier Stunden des Tages im leichten Dauerregen. Die Strecke führte vorbei an Reisfeldern, Getreidefeldern, Flüssen und hervorragend ausgebauten Fahrradwegen. Trotz des Wetters hatte die Landschaft ihren ganz eigenen Charme.

Irgendwann ließ der Regen endlich nach. Ich legte eine kurze Pause ein, wrang meine durchnässten Socken aus und ließ Kleidung und Schuhe in der Sonne trocknen. Danach begann der anstrengendste Teil der Etappe: Es ging wieder hinein in die Berge.

Durch den Regen war die ohnehin hohe Luftfeuchtigkeit noch einmal deutlich gestiegen. Die Hitze fühlte sich drückend an und jede Steigung wurde zu einer schweißtreibenden Herausforderung. Dafür entschädigte die Landschaft umso mehr. Die Straßen waren hervorragend ausgebaut, fast menschenleer und führten mitten durch die grüne Bergwelt Taiwans. Begleitet wurde ich nur vom Zirpen der Insekten und dem Gesang der Vögel. Immer wieder suchte ich für ein paar Minuten den Schatten auf, um mich vor der intensiven Sonne zu schützen. Jeder kleine Windstoß fühlte sich wie eine willkommene Erfrischung an.

Mein Mittagessen nahm ich – wie schon am Vortag – in einem 7-Eleven zu mir. Dort kaufte ich mir ein Fertiggericht. Da ich morgens bereits gegen 4 Uhr starte, esse ich oft schon gegen 9 Uhr zu Mittag. Zu dieser Zeit haben viele Restaurants allerdings noch geschlossen und öffnen erst gegen 11 Uhr. Deshalb sind die kleinen Convenience Stores für mich häufig die beste Lösung. Mein Abendessen esse ich meist schon zwischen 15 und 16 Uhr, wenn die ersten Restaurants langsam wieder geöffnet haben.

Am späten Nachmittag ließ ich mir noch Reis mit Gemüse und Eiern zum Mitnehmen einpacken und machte mich anschließend auf die Suche nach einem Schlafplatz. Schließlich entschied ich mich, es an einem Tempel zu versuchen. Von anderen Radreisenden hatte ich schon oft gehört, dass man in buddhistisch geprägten Ländern an Tempeln häufig herzlich aufgenommen wird. Bisher hatte ich das jedoch noch nie selbst ausprobiert.

Heute bot sich die Gelegenheit – und tatsächlich bestätigte sich dieser Eindruck sofort. Eine zuständige Person zeigte mir einen überdachten Platz, unter dem ich mein Zelt aufbauen durfte, und brachte mir sogar noch Kekse und Wasser. Diese Gastfreundschaft berührte mich sehr.

Mit Blick auf die Berge und die untergehende Sonne genoss ich diesen besonderen Ort. Ich machte meine Abendroutine, aß mein Abendessen und ließ den Tag in aller Ruhe ausklingen. Als die Dunkelheit hereinbrach, wurden auch die Temperaturen endlich etwas angenehmer, sodass ich zufrieden in meinem Zelt einschlief.