Durch Reisfelder, Ananasplantagen und herzliche Begegnungen
Heute Morgen klingelte mein Wecker bereits um 4:00 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück mit Toastbrot und Erdnussbutter, das ich noch aus Taipeh mitgenommen hatte, baute ich mein Zelt ab, verstaute alles in den Fahrradtaschen und machte mich in der Morgendämmerung wieder auf den Weg.
Mein Schlafplatz lag auf etwa 300 Metern Höhe, wodurch die Temperaturen etwas angenehmer waren als im Flachland. Trotzdem war die Luft extrem feucht. Tagsüber kletterte das Thermometer auf rund 34 °C bei über 90 % Luftfeuchtigkeit, und selbst nachts kühlte es nur auf etwa 28 °C ab. Unter solchen Bedingungen ist selbst das Schlafen eine kleine Herausforderung.
Zunächst rollte ich den Berg hinunter, überquerte einen großen Fluss und arbeitete mich anschließend den nächsten Anstieg hinauf. Danach führte mich meine Route am Rand der Millionenstadt Taichung entlang. Ich hatte meine Strecke bewusst so geplant, dass ich möglichst nah an den Bergen blieb. Zwar bedeutete das deutlich mehr Höhenmeter, dafür konnte ich dem dichten Verkehr der Großstädte entgehen und viel mehr Zeit in der Natur verbringen.
So führte mich der Weg immer wieder über kleine, gut ausgebaute Straßen durch Reisfelder, Ananasplantagen und sogar Kakteenfarmen. Genau diese kleinen Nebenstraßen liebe ich besonders, denn dort taucht man direkt in das Leben der Einheimischen ein. Die überraschten Blicke der Menschen, die mich dort mit meinem voll beladenen Fahrrad überhaupt nicht erwarten, bringen mich jedes Mal zum Schmunzeln.
Plötzlich hielt ein Auto neben mir an. Ein Ehepaar wollte mir offenbar etwas Gutes tun. Schnell stellte sich heraus, dass der Mann Imker war. Er nahm eine Wasserflasche und füllte etwas Honig hinein. Dieses Honigwasser sei besonders gesund, erklärte er mir. Während ich das ungewöhnliche Getränk probierte, unterhielten wir uns noch eine ganze Weile über meine Reise. Es war wieder einmal eine dieser herzlichen Begegnungen, die das Radreisen so besonders machen.
Mit neuer Energie setzte ich meinen Weg in Richtung Chiayi fort. Kurz vor der Stadt tauchte plötzlich ein Mann auf einem Motorroller neben mir auf. Er hielt an, lächelte und schenkte mir einfach zwei Energy-Drinks, bevor er weiterfuhr. Bereits zum zweiten Mal an diesem Tag hatte ich völlig unerwartet etwas von freundlichen Taiwanern geschenkt bekommen – Gesten, die mich immer wieder beeindrucken.
Am Nachmittag erreichte ich schließlich Chiayi. Dort checkte ich in einem Hostel ein, denn meine Radkleidung musste dringend gewaschen werden. Da ich bereits gegen 15:00 Uhr angekommen war, konnte ich alles ganz in Ruhe erledigen.
Zum frühen Abend gönnte ich mir zur Abwechslung einmal eine Pizza. Europäisches Essen ist hier zwar deutlich teurer als die einheimischen Gerichte mit Reis und Gemüse, aber hin und wieder darf man sich auch etwas Besonderes gönnen.
Zurück im Hostel schnitt ich noch mein Kurzvideo des Tages, schrieb meinen Tagesbericht und telefonierte anschließend mit meiner Familie. Nach dem Familien-Call freute ich mich besonders auf das angenehm klimatisierte Zimmer. So ging ein heißer, aber wunderschöner Tag voller kleiner Begegnungen und herzlicher Gastfreundschaft zu Ende.













