Vom Fehlstart zurück nach Taipeh – Ein festsitzendes Pedal sorgt für den nächsten Rückschlag
Am heutigen Morgen stellte ich meinen Wecker bereits auf 4:00 Uhr. Ich wollte so früh wie möglich losfahren, um noch einige Stunden vor der drückenden Hitze mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Nach einem kleinen Frühstück konnte ich tatsächlich schon um 5:00 Uhr starten.
Zunächst führte mich der Weg durch das noch relativ ruhige Taipeh. Was mich jedoch direkt störte, waren die langen Ampelschaltungen. Gefühlt musste ich jeden Kilometer rund 90 Sekunden warten, bis ich weiterfahren durfte. Dieses ständige Stop-and-go brachte mich immer wieder aus meinem Rhythmus. Als ich schließlich den Fluss erreichte und auf die hervorragend ausgebauten Radwege wechselte, konnte ich endlich rollen lassen.
Ich spürte allerdings noch deutlich die Belastung aus meiner Zeit mit dem Singlespeed auf Java. Meine Beine waren von den vergangenen Tagen noch müde und mussten sich erst wieder daran gewöhnen, dass ich nun endlich wieder eine funktionierende Schaltung hatte. Die Atmosphäre am Morgen mit dem Sonnenaufgang war wunderschön. Auch viele andere Sportler waren bereits unterwegs, um die kühlen Stunden vor der Hitze zu nutzen. Je weiter ich aus der Stadt herauskam, desto ruhiger wurde es. Die Radwege führten durch immer mehr Natur, und schließlich entschied ich mich, Richtung Berge abzubiegen, da die Küstenstrecke mit ihren großen Städten wenig reizvoll sein sollte.
Nach einigen Kilometern bemerkte ich jedoch, dass mein rechtes Pedal nicht mehr sauber rund lief. Zunächst vermutete ich, dass es vielleicht zu fest angezogen worden war, denn der Mechaniker hatte es vor zwei Tagen mit neuer Montagepaste wieder eingesetzt. Als ich versuchte, das Pedal selbst zu lösen, stellte ich jedoch fest, dass es bombenfest saß. Das war kein gutes Zeichen.
Ich fuhr zunächst weiter und beobachtete, ob sich das Problem vielleicht wieder legen würde. Stattdessen wurde es immer schlimmer. Frustriert versuchte ich erneut, das Pedal mit aller Kraft zu lösen. Dabei brach plötzlich mein Bit ab, und das abgebrochene Stück rutschte mir direkt in den Finger. Sofort begann die Wunde zu bluten. Ich war in diesem Moment extrem genervt. Das Pedal saß weiterhin fest, der abgebrochene Bit steckte zunächst noch in der Kurbel, ich hatte mich verletzt und zusätzlich plagten mich starke Blähungen, sodass ich mich insgesamt überhaupt nicht wohlfühlte.
Zum ersten Mal seit Beginn meiner Weltreise holte ich mein Erste-Hilfe-Set hervor, klebte ein kleines Pflaster auf den Finger und konnte den abgebrochenen Bit glücklicherweise wieder aus der Kurbel entfernen. Mir war nun klar, dass ich eine Werkstatt brauchte – in dieser ländlichen Gegend vermutlich eher eine Autowerkstatt als einen Fahrradladen.
Nach einem weiteren steilen Anstieg erreichte ich schließlich eine Werkstatt. Ich erklärte den Mechanikern mein Problem, und sie versuchten zunächst mit normalem Werkzeug, das Pedal zu lösen. Als das nicht funktionierte, griffen sie zu immer größeren Hebeln. Danach kamen sogar leistungsstarke Schlagschrauber für Autos und schließlich Druckluftwerkzeuge für LKWs zum Einsatz. Doch nichts half – das Pedal schien regelrecht mit der Kurbel verschmolzen zu sein.
Ich überprüfte sicherheitshalber sogar noch einmal im Internet und mit ChatGPT, ob wir tatsächlich in die richtige Richtung drehten. Alles bestätigte mein Wissen. Doch selbst beim letzten Versuch mit einem besonders langen Hebel brach schließlich auch noch Werkzeug der Werkstatt. Verständlicherweise wollten die Mechaniker danach nicht weitermachen.
Also fuhr ich weiter zu einem kleinen Fahrradladen. Große Hoffnungen hatte ich ohnehin nicht. Der Besitzer schaute sich das Problem kurz an, legte nicht einmal Werkzeug an und bedeutete mir lediglich mit einer abweisenden Handbewegung, dass ich wieder gehen solle. Das empfand ich als äußerst unfreundlich.
Damit blieb mir nur noch eine Möglichkeit: Ich musste zurück zu dem Mechaniker in Taipeh, der das Pedal zuletzt montiert hatte. Also bestellte ich schweren Herzens für rund 50 Euro ein Uber XL und ließ mich samt Fahrrad und Gepäck die 45 Kilometer zurück in die Hauptstadt fahren.
Im Fahrradladen angekommen, schilderte ich dem Mechaniker sofort die ganze Geschichte – die Verletzung, den Stress und die zusätzlichen Kosten. Er setzte seinen Pedalschlüssel an und löste das Pedal innerhalb weniger Sekunden. Ich konnte kaum glauben, wie einfach es bei ihm funktionierte. Bis heute kann ich mir nur vorstellen, dass wir trotz aller Kontrolle in den anderen Werkstätten doch in die falsche Richtung gedreht hatten. Einen anderen Unterschied gab es eigentlich nicht.
Anschließend überprüfte er auch den Widerstand im Pedal und stellte fest, dass mein Tretlager deutlich zu locker war. Er zog das Tretlager sowie die Kurbeln nach und ließ mich eine Probefahrt machen. Nun lief alles wieder sauber und ohne Widerstand.
Mein aufgeblähter Bauch machte mir zwar weiterhin zu schaffen, doch glücklicherweise konnte ich die Toilette der Werkstatt benutzen. Danach war das Problem praktisch verschwunden. Vermutlich hatte ich am Vortag einfach etwas Verdorbenes gegessen.
Ich fuhr anschließend zurück zu meinem Hostel, verlängerte dort noch einmal um eine Nacht und beschloss, den Neustart auf den nächsten Morgen zu verschieben. So konnte ich mich nach diesem chaotischen Tag wenigstens mit etwas mehr Schlaf erholen. Am Abend fühlte sich auch mein Bauch wieder deutlich besser an. Ich aß noch eine Kleinigkeit und ging anschließend früh ins Bett.





