Auf den höchsten Berg Atauros und zurück nach Dili
Heute Morgen klingelte mein Wecker bereits um 4:30 Uhr. Um 5:00 Uhr stand ich vollständig ausgerüstet vor meinem Bungalow. Draußen war es noch stockdunkel. Der Bruder der Besitzerin brachte mich mit dem Motorroller nach Vila, einem Ort in der Nähe von Beloi. Dort wartete bereits mein Guide auf mich – beziehungsweise überholte ich ihn unterwegs, als er noch joggend zu seiner Unterkunft zurückkehrte.
Wenig später machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Mein Ziel war es, rechtzeitig zum Sonnenaufgang den höchsten Berg der Insel zu erreichen. Die Chancen auf eine freie Sicht waren allerdings nicht besonders groß, da der Gipfel morgens oft in Wolken gehüllt ist.
Mit Taschenlampen kämpften wir uns durch die Dunkelheit. Der Weg war steil, anspruchsvoll und teilweise kaum erkennbar. Schnell verstand ich, warum für diese Tour ein Guide empfohlen wird. Immer wieder zweigten kleine Pfade zu Bergdörfern oder abgelegenen Häusern ab. Häufig liefen wir durch dichtes Gestrüpp, und die zahlreichen Spinnweben im Gesicht machten die Wanderung nicht angenehmer. Bereits nach kurzer Zeit war mein T-Shirt komplett durchgeschwitzt.
Je höher wir kamen, desto angenehmer wurden die Temperaturen. Manche Passagen waren jedoch durchaus gefährlich. Ein falscher Schritt hätte an einigen Stellen einen tiefen Absturz bedeuten können. Auf etwa 700 Metern Höhe erreichten wir die Wolken. Von dort an wurde der Weg zusätzlich nass und rutschig. Wurzeln, Steine und feuchter Boden erforderten höchste Konzentration.
Pünktlich um 7:30 Uhr standen wir schließlich auf dem höchsten Punkt der Insel auf 955 Metern Höhe. Zu unserer Enttäuschung befanden wir uns mitten in den Wolken. Von der erhofften Aussicht war nichts zu sehen.
Trotzdem wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben. Wir warteten eine Stunde auf dem Gipfel und hofften, dass sich die Wolken noch auflösen würden. Doch die Sicht blieb unverändert. Mein Guide begann bereits zu frieren, und so beschlossen wir schließlich den Abstieg.
Bereits nach etwa 250 Höhenmetern unterhalb des Gipfels verließen wir die Wolkendecke wieder. Dort bot sich uns eine wunderschöne Aussicht: das Meer am Horizont, grüne Hügel, dichter Dschungel, Palmen und Zitrusbäume – ein beeindruckendes tropisches Panorama.
Der Abstieg erwies sich als deutlich anspruchsvoller als der Aufstieg. Lose Steine, dichtes Gestrüpp und steile Passagen verlangten den Beinen einiges ab. Beim Aufstieg hatte ich zumindest konstant Druck auf den Untergrund gehabt, was deutlich mehr Sicherheit vermittelte.
Auf halber Strecke machten wir eine Pause. Mein Guide hatte weder Essen noch Wasser dabei. Glücklicherweise hatte ich etwas mehr Wasser eingepackt und konnte ihm etwas abgeben. Er erklärte mir jedoch lachend, dass er bei Durst einfach eine Kokosnuss von einer Palme hole.
Wenig später zeigte er mir genau das. Mit beeindruckender Routine kletterte er eine hohe Kokospalme hinauf. Es sah für mich ziemlich gefährlich aus, doch er erzählte, dass er dies bereits seit seiner Kindheit mache. Da er keine Machete dabeihatte, öffnete er die Kokosnüsse anschließend mit einem Stein. Gemeinsam tranken wir das mineralreiche Kokoswasser und aßen etwas vom frischen Kokosfleisch. Anschließend pflückte er noch einige Orangen für uns.
Mit Orangen und einer weiteren Kokosnuss im Gepäck ging es die letzten 500 Höhenmeter durch den tropischen Dschungel zurück hinunter. Vorbei an Palmen, dichtem Grün und kleinen Lichtungen erreichten wir schließlich wieder seine Unterkunft.
Dort bedankte ich mich herzlich für seine Unterstützung und bezahlte ihm die vereinbarten rund 13 Euro für die etwa fünfstündige Tour. Anschließend brachte mich ein Motorroller zurück zu meinem Bungalow am Strand.
Dort angekommen, musste ich erst einmal duschen, denn ich war komplett verschwitzt. Nach einer kurzen Pause lieh ich mir erneut die Taucherbrille der Besitzerin aus und machte mich auf den Weg ins Meer. Direkt vom Strand schwamm ich etwa 500 Meter bis zum äußeren Korallenriff.
Das sogenannte Outer Reef beeindruckte mich sofort. Unzählige Korallenarten, farbenfrohe Fische und eine faszinierende Unterwasserwelt machten das Schnorcheln zu einem besonderen Erlebnis. Etwa eine Stunde lang erkundete ich das Riff und genoss es, mitten in dieser maritimen Welt unterwegs zu sein.
Neben all der Schönheit zeigte sich jedoch auch die andere Seite. Einige Korallen waren bereits weiß und abgestorben. Zudem bemerkte ich außerhalb des Riffs zahlreiche kleine Partikel im Wasser, die vermutlich größtenteils aus Mikroplastik bestanden. Das Schwimmen durch diese Partikel war unangenehm, und gelegentlich spürte ich sogar leichte Hautreizungen.
Zurück am Bungalow duschte ich mich erneut. Wie vielerorts auf Atauro gab es keine klassische Dusche, sondern lediglich große Wasserbehälter und Schöpfkellen. Anschließend besorgte ich mir ein Ticket für die Fähre zurück nach Dili.
Die dreistündige Überfahrt verlief ruhig. In Dili angekommen, besuchte ich noch zwei Souvenirläden, denn von diesem besonderen Land wollte ich unbedingt einige Erinnerungsstücke mit nach Hause nehmen.
Auf dem Weg zu meiner Unterkunft, in der noch mein Fahrrad und meine restlichen Taschen standen, gönnte ich mir ein Abendessen in einem Restaurant und kaufte anschließend noch einige Kleinigkeiten für den nächsten Tag im Supermarkt ein.
Müde lief ich schließlich durch die lebhaften Straßen von Dili zurück zu meiner Unterkunft. Damit ging ein weiterer erlebnisreicher Tag zwischen Berggipfel, Dschungel und Korallenriffen zu Ende.












