Durch die Wildnis nach Corinna – Höhenmeter, Fähre und ein einsamer Zeltplatz
Heute Morgen stellte ich mir früh den Wecker, um genügend Zeit zu haben, die anspruchsvolle Schotterpiste der Western Explorer Road hinter mir zu lassen. Nach einem einfachen Frühstück aus Rosinen-Toastbrot mit Erdnussbutter begann ich, mein Lager abzubauen und alles sorgfältig zu verstauen.
Auch die beiden Niederländer wurden langsam wach, und ich konnte mir freundlicherweise noch etwas Wasser bei ihnen auffüllen – das ersparte mir zusätzliche Zeit beim Filtern. Danach verabschiedeten wir uns, und für mich ging es direkt wieder hinein in das kräftezehrende Auf und Ab der Strecke.
Die Beschreibung „hügelig“ wird dieser Route kaum gerecht: Kaum hatte ich einen Anstieg bewältigt, ging es direkt wieder steil bergab, nur um anschließend aus einer Senke – meist mit einem kleinen Bach und einer Brücke – wieder ebenso steil hinaufzufahren. In Kombination mit losem Untergrund und meinem schwer beladenen Fahrrad wurde jede Steigung zu einem echten Kraftakt.
Doch die Mühen rückten immer wieder in den Hintergrund, denn die Landschaft war schlicht beeindruckend: sattgrüne Hügel, urige Bäume und eine fast savannenartige Weite, wie ich sie so noch nie gesehen hatte.
Nach vielen Kilometern erreichte ich schließlich Corinna – ein kleines, idyllisch gelegenes Dorf an einem Fluss. Um weiterzukommen, musste ich mit einer kleinen Fähre den etwa 20 Meter breiten Pieman River überqueren. Die Überfahrt dauerte nur wenige Minuten, doch sie hatte ihren eigenen Charme.
Der Fährmann war äußerst freundlich und ließ mich sogar kostenlos übersetzen, obwohl die Fahrt normalerweise etwa 15 Dollar kostet. Da ohnehin ein Fahrzeug auf die andere Seite musste, nahm er mich kurzerhand mit – eine Geste, die ich sehr zu schätzen wusste.
Nach einer kurzen Pause mit Keksen und Getränken machte ich mich auf den nächsten großen Anstieg gefasst: Rund 300 Höhenmeter warteten direkt hinter dem Fluss. Glücklicherweise waren die steilsten Passagen hier asphaltiert – auf Schotter wären sie vermutlich kaum fahrbar gewesen.
Nach etwa 12 Kilometern erreichte ich wieder eine durchgehend asphaltierte Straße und setzte meine Fahrt Richtung Süden fort. Der Verkehr war minimal, was ich an dieser abgelegenen Westküste besonders genoss.
Mein erstes Ziel war Zeehan – der erste Ort mit Supermarkt seit Smithton, rund 220 Kilometer und über 3000 Höhenmeter entfernt. Dort gönnte ich mir eine wohlverdiente Pause mit einer Powerade und einem Eis – ein kleines Highlight nach dieser intensiven Etappe.
Gleichzeitig deckte ich mich erneut mit Vorräten ein, da auch der nächste Abschnitt wieder sehr abgelegen sein würde. Trotz der bereits zurückgelegten Strecke entschied ich mich, noch weiter bis nach Strahan zu fahren.
Nach einigen weiteren Hügeln folgte ein etwa 25 Kilometer langer, relativ flacher Abschnitt entlang der Küste – diesmal mit Rückenwind, was die Fahrt deutlich angenehmer machte. In Strahan angekommen, begann ich nach einem geeigneten Schlafplatz zu suchen.
Da das Zelten an den offiziellen Strandparkplätzen verboten war, entschied ich mich für eine alternative Route: Ein schmaler Wander- und Mountainbikepfad führte mich etwa zwei Kilometer vom Startpunkt entfernt zu einem abgelegenen Strandabschnitt. Da dieser Weg nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist, war ich dort völlig allein.
Ich schlug mein Zelt auf einer kleinen Wiese direkt oberhalb des Strandes auf – ein traumhafter Ort mit Blick aufs Meer.
Warum sich genau dieser Platz in der Nacht als weniger idyllisch herausstellte und ich kaum schlafen konnte, erzähle ich im nächsten Bericht.











