Tag
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Zwischen Küstenwäldern und dramatischen Klippenlandschaften

Am heutigen Morgen kroch ich aus meinem kleinen Versteck im Wald, direkt oberhalb der steilen Küstenklippen, aus meinem Zelt. Zum Frühstück gab es wie gewohnt Brot mit Erdnussbutter, um mich für den bevorstehenden Tag zu stärken. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen und machte mich startklar. Um 8:00 Uhr saß ich schließlich auf dem Fahrrad – gut so, denn heute hatte ich eine lange Etappe vor mir.

Zunächst führte mich der Weg durch kleine Kiefernwälder zurück zur Straße. Die bewaldeten Küstenstreifen bieten eigentlich perfekte Möglichkeiten zum Zelten, sofern man nicht gerade auf einem Privatgrundstück landet. Anschließend ging es wieder auf die State Route 1, auf der an diesem Samstag und Halloween etwas mehr Verkehr herrschte als gewöhnlich. Das war allerdings noch gut auszuhalten, denn im Vergleich zur weiter im Landesinneren verlaufenden Highway 101 war hier deutlich weniger los.

Die Strecke entlang der Küste war geprägt von einem ständigen Auf und Ab. Immer wieder musste ich kleinere und größere Anstiege überwinden, was zwar anstrengend war, die Fahrt aber auch unglaublich abwechslungsreich machte. Genau diese Vielfalt liebe ich am Radreisen: Noch vor wenigen Tagen war ich in den gewaltigen Mammutbaumwäldern unterwegs, und nun befand ich mich mitten in der typischen kalifornischen Küstenlandschaft mit ihren niedrigen Büschen, weitläufigen Grasflächen und bewachsenen Klippen.

Unterwegs entdeckte ich immer wieder Rehe und Rehböcke, die zwischen der Vegetation auf den Klippen grasten. Über mir zogen regelmäßig Gruppen von Pelikanen vorbei, die sich scheinbar mühelos vom seitlichen Wind tragen ließen und in Richtung Norden flogen.

Die Straße schlängelte sich in zahlreichen Kurven entlang der Küste. Seitenstreifen gab es nur selten, weshalb sowohl ich als auch die Autofahrer besonders aufmerksam sein mussten. Mal führte die Route ein Stück ins Landesinnere, bevor sie kurze Zeit später wieder direkt an der Küste entlang verlief. Dabei kam ich auch an beeindruckenden Anwesen vorbei, die teilweise direkt auf den Klippen über dem Meer errichtet waren. Was diese luxuriösen Häuser wohl kosten? Vermutlich handelt es sich um Wochenendhäuser wohlhabender Menschen aus San Francisco, die hier ihre Zeit am Meer verbringen.

Weiter ging es zwischen Pinien und Kiefern immer weiter Richtung Süden. Am Nachmittag legte ich bei einem kleinen Supermarkt einen Zwischenstopp ein, um meine Vorräte aufzufüllen. Dabei wurde mir wieder bewusst, wie teuer das Einkaufen in den kleinen Küstenorten sein kann. Für nur wenige Lebensmittel bezahlte ich rund 20 €. In einem großen Walmart hätte ich dafür vermutlich deutlich mehr bekommen. Allerdings gibt es diese großen Supermärkte entlang der abgelegenen Küstenabschnitte nur selten. Gleichzeitig nutzte ich die Gelegenheit, meine Wasserflaschen noch einmal vollständig aufzufüllen.

Danach warteten weitere Anstiege auf mich. Während ich mich die Küstenstraße entlangarbeitete, zogen am Horizont immer dunklere Wolken auf. Die Sonne stand bereits tief und sorgte für ein zunehmend dramatisches Licht. Als ich gerade den zweiten größeren Anstieg entlang der Klippen bewältigte, brach die Sonne noch einmal unter den dunklen Wolken hervor und tauchte die gesamte Landschaft in eine ganz besondere Stimmung.

Ich beschloss schließlich, an einem Rastplatz auf der zweiten Klippe mein Zelt aufzubauen. Noch während des Aufbaus begann es leicht zu regnen. Zum Glück blieb es bei einem schwachen Nieselregen, sodass ich mein Abendessen noch relativ entspannt zubereiten konnte. Nach etwa einer Stunde ließ der Regen wieder nach und ich konnte meine Abendroutine erledigen.

Eine weitere Stunde später lag ich bereits in meinem Schlafsack, als der Regen erneut einsetzte und mich bis tief in die Nacht begleiten sollte. Das störte mich allerdings wenig. Solange ich tagsüber beim Fahrradfahren gutes Wetter habe, darf es nachts von mir aus gerne regnen.

So ging ein wirklich anstrengender, aber landschaftlich wunderschöner Tag zu Ende: knapp 140 Kilometer und fast 2.000 Höhenmeter lagen hinter mir. Erschöpft, aber zufrieden kuschelte ich mich in meinen Schlafsack und ließ den Tag ausklingen.