Tag
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Über verschneite Bergpässe und durch buntes Herbstlaub

Am heutigen Morgen wachte ich nach einer etwas kürzeren Nacht auf und gönnte mir erst einmal ein großes Müsli zum Frühstück. Anschließend machte ich mich fahrbereit und verabschiedete mich herzlich von Caroline und ihrem Mann. Ich war ihnen sehr dankbar, dass sie mir ihr Vertrauen geschenkt und mich für zwei Nächte bei sich aufgenommen hatten. Solche Begegnungen sind es, die das Radreisen für mich so besonders machen.

Danach ging es auch schon aus dem Ort hinaus, und der lange Anstieg begann. Ganze 64 Kilometer sollte es für mich nun bergauf in die Berge gehen. Die Gipfel waren mit einer dünnen Schicht aus Schnee überzogen, die sie wie mit Puderzucker bestäubt aussehen ließ. Am Vortag hatte es im Tal noch geregnet, während es in den höheren Lagen geschneit hatte. Zusammen mit den tief hängenden Wolken entstand dadurch eine dramatische und zugleich faszinierende Stimmung.

Stück für Stück arbeitete ich mich die kurvigen Straßen hinauf. Mit zunehmender Höhe veränderte sich auch die Landschaft. Das bunte Herbstlaub leuchtete in den verschiedensten Farben, während hinter jeder Kurve ein weiterer gewaltiger, schneebedeckter Berg zum Vorschein kam. Es war ein unglaubliches Zusammenspiel aus herbstlichen Farben, weißen Gipfeln und tief hängenden Wolken.

Nach 50 Kilometern erreichte ich den Duffey Lake, an dem ich eine Mittagspause einlegte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mehr als 1.400 Höhenmeter hinter mir und befand mich auf über 1.100 Metern Höhe. Der Anblick des großen Sees mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund war sensationell. Allerdings war es auch ziemlich kalt. Ein leichter Wind wehte, und die Sonne versteckte sich hinter den Wolken. Deshalb hielt ich meine Pause eher kurz und machte mich bald wieder auf den Weg.

Weiter ging es durch die beeindruckende Bergwelt, vorbei an verschiedenen Gletschern und immer näher an die Passhöhe heran. Unterwegs erlebte ich auch einige lustige Begegnungen mit Autofahrern. Manche jubelten mir zu, während andere mich mit ungläubigen Blicken anschauten, als könnten sie kaum verstehen, warum jemand freiwillig mit dem Fahrrad solche Strapazen auf sich nimmt. Für mich war es hingegen genau das, was diese Reise ausmacht: die Landschaft hautnah zu erleben, die eigenen Grenzen zu spüren und sich jeden einzelnen Kilometer aus eigener Kraft zu erarbeiten.

Schließlich erreichte ich die Passhöhe. Was ich mir über Stunden mühsam erkämpft hatte, ging nun innerhalb kürzester Zeit wieder bergab. Auf einer Strecke von ungefähr zwölf Kilometern verlor ich rund 1.000 Höhenmeter. Die Abfahrt war rasant und wild, gleichzeitig aber auch landschaftlich wunderschön. Immer wieder eröffneten sich neue Ausblicke auf die gewaltigen Berge und das farbenfrohe Herbstlaub. Es war faszinierend, wie schnell sich die Landschaft und die Temperaturen mit jedem Höhenmeter veränderten.

Unten in Pemberton angekommen, füllte ich zunächst meine Benzinflasche für mein Kochsystem auf und gönnte mir ein Softdrink. Anschließend setzte ich meine Fahrt in Richtung Whistler fort.

Da ich bereits einen langen und anstrengenden Tag hinter mir hatte, beschloss ich, nur noch einen Teil des nächsten Anstiegs zu bewältigen. So konnte ich am folgenden Morgen mit frischer Energie weiterfahren, den restlichen Weg nach Whistler zurücklegen und anschließend meine Reise fortsetzen.

Auf halber Höhe fand ich schließlich einen versteckten, wunderschönen Platz an einem Fluss, der direkt neben der Straße verlief. Dort baute ich mein Zelt auf und bereitete mir wie so oft meine Nudeln zum Abendessen zu. Nach meiner Abendroutine war ich vollkommen erschöpft und fiel regelrecht in meinen Schlafsack.

Ein weiterer Tag voller Höhenmeter, beeindruckender Berglandschaften und wechselnder Jahreszeiten ging zu Ende. Und während ich in meinem Zelt lag, freute ich mich schon darauf, am nächsten Morgen wieder aufs Fahrrad zu steigen und zu entdecken, was mich hinter den nächsten Kurven erwarten würde.