Ein langer Radtag und ein Sturz über eine Katze
Heute Morgen wachte ich vom Prasseln des Regens auf. Zum Glück lag ich im Trockenen und Warmen und musste mir deshalb keine großen Gedanken machen. Ein Blick auf die Wettervorhersage zeigte mir, dass der Regen gegen 9:00 Uhr nachlassen sollte. Also ließ ich mir etwas Zeit, frühstückte in Ruhe und machte mein Fahrrad anschließend startklar. Gegen 9:30 Uhr konnte ich schließlich losfahren.
Anfangs war der Himmel noch stark bewölkt, doch nach und nach wurde es immer sonniger. Ich hatte einen langen Tag vor mir. Zunächst kämpfte ich noch gegen den Gegenwind an, der im Laufe des Tages jedoch immer mehr zu einem Seitenwind und schließlich sogar zu einem leichten Rückenwind wurde. So kam ich stetig voran und fuhr durch eine hügelige, wunderschön herbstliche Landschaft.
Unterwegs begegneten mir erneut zwei Schwarzbären. Vor allem am Abend scheinen sie hier besonders aktiv zu sein. Zu dieser Jahreszeit sind sie außerdem damit beschäftigt, möglichst viel Nahrung aufzunehmen, bevor der Winter einsetzt. Der Winter kommt hier schon bald, weshalb auch für mich die Zeit drängt, weiter nach Süden zu kommen.
Nach etwa 60 Kilometern machte ich am Straßenrand eine kurze Pause und gönnte mir ein paar Schokokekse. Danach ging es wieder Kilometer für Kilometer weiter. Schließlich hatte ich nach rund 150 Kilometern endlich Kitwanga erreicht. Nur noch etwa 500 Meter trennten mich von einem kostenlosen Campingplatz in einem kleinen Park mitten im Ort.
Doch genau auf diesen letzten Metern passierte das, womit ich nun wirklich nicht gerechnet hatte.
Plötzlich rannte eine schwarze Katze aus dem Nichts über die Straße. Offenbar konnte sie mein Fahrrad nicht richtig einschätzen. Als sie mich bemerkte, änderte sie plötzlich ihre Richtung und rannte wieder zurück. Dafür war es allerdings bereits zu spät. Ich konnte nicht mehr schnell genug reagieren, fuhr mit meinem Fahrrad direkt auf die Katze auf, verlor das Gleichgewicht und stürzte quer mit dem Fahrrad auf die Straße.
Ich stand zunächst völlig unter Schock. Mein erster Gedanke war, ob ich mir etwas gebrochen hatte – und natürlich, ob mein Fahrrad noch heil war. Besonders meine Hände schmerzten stark, da ich mich beim Sturz mit ihnen abgefangen hatte. Das Adrenalin ließ mich beinahe wie gelähmt auf der Straße sitzen. Ich versuchte erst einmal, ruhig zu werden und meinen Körper zu überprüfen.
Nach wenigen Minuten kam ein Auto vorbei. Ein Holländer, der gerade in Kanada arbeitete, bemerkte meine Situation, hielt an und stieg aus. Er fragte mich, ob er mir irgendwie helfen könne. Als ich ihn fragte, was er denn für mich tun könne, meinte er kurzerhand, dass er mir die Hälfte seiner Pizza und ein Getränk geben könne.
Ich nahm das Angebot dankbar an. Er blieb noch eine Weile bei mir, unterhielt sich mit mir und vergewisserte sich, dass es mir einigermaßen gut ging. Danach verabschiedeten wir uns.
Nun konnte ich mich in Ruhe um mein Fahrrad kümmern. Glücklicherweise war daran nicht allzu viel kaputtgegangen. Lediglich eine meiner Flaschen, der dazugehörige Flaschenhalter und das Außennetz einer hinteren Fahrradtasche hatten den Sturz nicht überstanden.
Bei mir selbst sah es etwas anders aus. Mein Knie schmerzte relativ stark und auch mein linkes Handgelenk tat weh. Jetzt hieß es erst einmal abwarten und beobachten, wie sich die Beschwerden entwickeln würden. Besonders ärgerlich war der Sturz, weil ich bereits neun Tage am Stück auf dem Fahrrad unterwegs gewesen war und mein Körper ohnehin einiges leisten musste. Einen Sturz und eine zusätzliche Belastung für das Knie konnte ich gerade eigentlich überhaupt nicht gebrauchen.
Trotzdem wollte ich noch die letzten paar hundert Meter bis zum Campingplatz schaffen. Dort angekommen, baute ich noch immer etwas unter Schock mein Zelt auf. Wenig später kamen zwei weitere Holländer mit einem Campervan auf den Campingplatz. Wir unterhielten uns ein wenig, und als sie erfuhren, was mir gerade passiert war, zeigte sich auch hier wieder diese unglaubliche Hilfsbereitschaft. Einer von ihnen gab mir noch ein Bier und interessierte sich dafür, was ich auf meiner Reise eigentlich mache.
So saß ich schließlich vor meinem Zelt, aß die Pizza, die mir der andere Holländer geschenkt hatte, trank dazu das Softdrink und versuchte, den Tag langsam ausklingen zu lassen. Selbst meine Abendroutine war heute wegen der Schmerzen etwas unangenehmer als sonst.
Ich hätte wirklich mit vielem gerechnet – aber nicht damit, dass ich ausgerechnet in British Columbia, in einem kleinen Dorf, auf den letzten 500 Metern des Tages über eine Katze fahre und dadurch stürze.
Müde, etwas geschockt und mit einem schmerzenden Knie und Handgelenk kroch ich schließlich in mein Zelt und hoffte, dass mein Körper sich über Nacht wieder etwas erholen würde.




