Tag
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Schnee am Cassiar Highway

Nach einer warmen und vor allem bärenfreien Nacht im Bungalow wachte ich am Morgen gut erholt auf. Zum Glück war das Frühstück bereits im Bungalow inbegriffen, sodass ich mich erst einmal in Ruhe stärken konnte. Anschließend verabschiedete ich mich von AJ und bedankte mich noch einmal dafür, dass er mir spontan die Möglichkeit gegeben hatte, die Nacht im Warmen zu verbringen. Wir hatten uns am Vorabend noch stundenlang unterhalten, und ich empfand ihn als einen unglaublich entspannten und sympathischen Menschen.

Für AJ ging es nun mit dem Auto weiter Richtung USA. Er hatte tatsächlich vor, innerhalb von nur zwei Tagen bis nach Washington, D.C. zu fahren. Bei solchen Distanzen wird mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich man unterwegs sein kann. Mit dem Auto lassen sich riesige Entfernungen in kürzester Zeit zurücklegen. Ich hingegen liebe es, mit dem Fahrrad deutlich langsamer unterwegs zu sein. Dadurch bekomme ich viel mehr von der Landschaft mit, nehme die Veränderungen bewusster wahr und erlebe viel häufiger kleine Begegnungen am Wegesrand.

Nach dem Frühstück zog ich meine inzwischen wieder trockene und warme Radkleidung an und machte mich auf den Weg. Da der Bungalow auf knapp 1.000 Metern Höhe lag, war es am Morgen entsprechend kalt. Die tief hängenden Wolken in den Bergen sorgten zusätzlich für eine feuchte und unangenehme Kälte. Auch von dem Deutschen aus Hannover, der dort arbeitet, verabschiedete ich mich noch, bevor ich mich wieder auf den Sattel schwang.

Direkt zu Beginn wartete bereits der erste Pass mit mehr als 1.000 Höhenmetern auf mich. Nachdem ich mich den langen Anstieg hinaufgearbeitet hatte, folgte eine ebenso lange Abfahrt. Wieder unten auf etwa 800 Metern Höhe angekommen, führte mich die Straße durch eine wunderschöne Herbstlandschaft. Ein Hügel folgte auf den nächsten, sodass es ständig bergauf und bergab ging.

Nach etwa 55 Kilometern machte ich eine kurze Pause. Ich gönnte mir meine Zuckerkekse und ein kleines Softdrink, das ich am Vortag geschenkt bekommen hatte. Viel Zeit wollte ich jedoch nicht verlieren, denn mein Tagesziel lag noch ein gutes Stück vor mir.

Weiter ging es Richtung Dease Lake. Der See erstreckte sich über viele Kilometer und auch entlang seiner Uferstraße musste ich immer wieder einige Höhenmeter überwinden. Schließlich erreichte ich den kleinen Ort gleichen Namens. Dort nutzte ich die Gelegenheit, im General Store meine Lebensmittel- und Getränkevorräte aufzufüllen.

In solchen abgelegenen Orten sind die Preise natürlich deutlich höher als in größeren Städten. Trotzdem kann ich nicht einfach für eine Woche Lebensmittel einkaufen. Mein Gepäck ist ohnehin schon schwer genug, und für mehrere Tage reicht der Platz in meinen Fahrradtaschen schlichtweg nicht aus. Also kaufe ich immer nur so viel ein, wie ich für die nächsten Etappen tatsächlich transportieren kann.

Von Dease Lake aus ging es anschließend auf den höchsten Punkt des Cassiar Highway. Noch einmal warteten rund 350 Höhenmeter auf mich, die ich kontinuierlich hinauffahren musste. Schon während des Anstiegs sah ich vor mir eine dunkle Wetterfront in den Bergen hängen.

Je höher ich kam, desto ungemütlicher wurde das Wetter. Zunächst begann es zu regnen, doch ab etwa 1.150 Metern Höhe gingen die Regentropfen schließlich in Schnee über. Die Temperatur fiel auf ungefähr -1 °C und ich fuhr mitten durch ein richtiges Schneegestöber weiter zur Passhöhe.

Auf 1.240 Metern angekommen, machte ich schnell ein Foto und begann anschließend wieder mit der Abfahrt. Schon nach rund 500 Höhenmetern entdeckte ich einen größeren Parkplatz. Da es inzwischen bereits spät geworden war, entschied ich mich, dort mein Zelt aufzubauen.

Die Aussicht war beeindruckend: Vor mir lagen schneebedeckte Berge, während hinter mir die Straße durch die winterliche Landschaft verschwand. Natürlich war es auf über 1.200 Metern Höhe sehr kalt, aber ich hatte einen warmen Schlafsack dabei. Außerdem wollte ich nicht noch weiter in die Dunkelheit hineinfahren.

Gerade hier oben wollte ich nicht unnötig spät unterwegs sein. In dieser abgelegenen Gegend muss ich schließlich auch immer die Bären im Hinterkopf behalten. Je länger ich in der Dunkelheit unterwegs wäre, desto unwohler würde ich mich fühlen. Außerdem hoffte ich, dass die Tiere bei den winterlichen Bedingungen eher in niedrigeren Regionen unterwegs waren, wo sie noch Nahrung finden konnten.

Während langsam der Vollmond über den verschneiten Bergen aufging, kochte ich mir mein Abendessen: Nudeln mit Nüssen, Banane und Apfel. Danach erledigte ich schnell meine Abendroutine, denn die Temperaturen fielen immer weiter und lagen schon bald bei etwa -3 bis -4 °C.

Bei solchen Temperaturen möchte man irgendwann einfach nur noch in den warmen Schlafsack. Trotzdem nahm ich mir noch die Zeit, mein Tagebuch zu schreiben und mein tägliches Kurzvideo zu schneiden.

So ging ein langer und anstrengender Tag zu Ende – mit mehr als 1.000 Höhenmetern, kaltem Regen, Schneegestöber und einer Übernachtung hoch oben am Cassiar Highway. Ein ziemlich extremes, aber auch besonderes Erlebnis.