Eis, Schnee und unerwartete Hilfsbereitschaft
Am heutigen Morgen wachte ich auf und bemerkte, dass mein Zelt komisch nach unten hing. Das war sehr seltsam. Ich versuchte, mein Zelt aufzumachen, um mir das Ganze genauer anzuschauen.
Als ich das Zelt öffnete, bemerkte ich direkt, dass es sehr stark geschneit hatte. Am Vortag hatte es noch geregnet. Anscheinend war der Regen erst gefroren und danach hatte es noch geschneit. Durch diese Kombination hatte sich auf meinem Zelt und auch auf meinem gesamten Fahrrad eine große Eisschicht gebildet, auf der zusätzlich Schnee lag.
Als Erstes befreite ich mein Zelt von dieser Last. Danach war es plötzlich wieder so, wie es sein sollte, und hing nicht mehr so stark durch.
Mein Fahrrad war ebenfalls komplett vereist und ich konnte zunächst überhaupt nichts bewegen. Ich musste erst meine Kette und meine Bremse frei bekommen. Wenn ich dafür jedoch Wasser benutzte, gefror das Wasser direkt wieder. Also musste ich zunächst alles trocken bekommen, bevor ich das Fahrrad bewegen konnte. Durch die nassen Straßen würde sich der restliche Schnee und das Eis beim Fahren sowieso langsam auftauen.
Die Sonne kam hinter den Bergen auch schon langsam hervor, sodass spätestens durch die Sonne alles auftauen würde.
So aß ich erst einmal ein bisschen Frühstück, was ich eben so dabei hatte, und fing langsam an, alles abzubauen und zu enteisen.
Durch die Kälte – es waren am Morgen noch -6 °C – war alles deutlich langsamer. Ich traute mich auch erst, meine Klamotten zu wechseln und in meine leicht feuchten Sachen vom Vortag zu schlüpfen, als die Sonne hinter dem Berg aufgegangen war.
Dann musste es allerdings schnell gehen. Ich packte alles wieder zusammen, verstaute es in meinen Fahrradtaschen und stieg auf mein Fahrrad, um wieder warm zu werden.
So ging es für mich weiter entlang der Wälder und Flüsse. Nach ein paar Kilometern hielt dann ein Auto an. Ein Inder, der anscheinend in England lebt und gerade hier als Tourist unterwegs war, fragte mich, ob ich etwas brauche. Er bot mir direkt Snacks und Wasser an.
Als wir uns unterhielten und ich nebenbei erwähnte, dass ich meine Sachen wegen der Kälte erst einmal wieder aufladen müsse, schenkte er mir sogar einfach noch eine Powerbank.
So konnte ich meine Sachen erst einmal wieder aufladen, denn durch die Kälte und den Wind waren die Akkus meiner Kameras plötzlich alle leer.
Durch die Sonne war es dann sehr schön, weiter entlang der Wege zu fahren. So ging es für mich Stück für Stück entlang der Berge in tiefere Ebenen, wobei sich Tundra und Wälder immer wieder abwechselten.
Nach 75 Kilometern kam ich dann in Coldfoot an. Dort kaufte ich mir ein Sandwich, einen Burger und auch noch Pancakes, die für die nächsten Tage mein Mittagessen sein sollten. Meine Nudeln hatte ich ja noch für den Abend. Damit sollte ich erst einmal wieder ein bisschen versorgt sein.
Immer wieder fuhren Leute mit ihren Pick-ups an mir vorbei und jubelten mir zu, zeigten mir einen Daumen nach oben oder gaben mir Wasser. Diese Nettigkeit und Hilfsbereitschaft hätte ich überhaupt nicht erwartet. Ich hatte vorher einfach kein richtiges Bild von der Landschaft und den Menschen hier.
Nach Coldfoot fuhr ich noch etwa drei Stunden weiter, bis ich nach vielen Hügeln und ordentlich Gegenwind wieder an einem größeren Fluss ankam. Geregnet hatte es heute immerhin nicht.
Am Fluss angekommen, baute ich mein Zelt in einem Flussbett auf und kochte meine Nudeln.
Währenddessen kam dann auch ein Jäger mit einem Schlauchboot an. Er würde hier für die nächsten Wochen seine Basis haben und in dieser Region jagen gehen. Er war sehr nett und gab mir am Abend sogar noch ein bisschen Benzin für meinen Kocher.
Wir unterhielten uns noch sehr nett miteinander. Als es schließlich dunkler wurde, machte ich meine Abendroutine und ging danach auch ins Bett.









