Durch Regen, Tunnel und über 2.000 Höhenmeter
Am heutigen Morgen klingelte mein Wecker bereits um 4:00 Uhr. Nach einem kurzen Frühstück mit Toast und Erdnussbutter packte ich mein Zelt zusammen, verstaute alles wieder in meinen Fahrradtaschen und machte mich früh auf den Weg.
Schon kurz nach dem Start begann der erste lange Anstieg. Die Reisfelder wurden zunehmend weniger und machten immer mehr Wäldern Platz. Komoot führte mich dabei häufig über kleine Nebenstraßen, die wunderschön durch die Natur verliefen. Allerdings waren diese Routen teilweise ziemlich kurvenreich und führten mich immer wieder hin und her, sodass ich mich irgendwann doch über die vermeintlichen Abkürzungen ärgerte. Letztendlich landete ich trotzdem wieder auf den größeren Hauptstraßen – und dort gab es leider weder einen Fahrradweg noch einen Seitenstreifen.
Nach einiger Zeit erreichte ich den ersten Tunnel auf über 1.100 Metern Höhe. Ich hatte gehofft, dass es danach endlich bergab gehen würde. Doch weit gefehlt: Auch im Tunnel musste ich weiter bergauf fahren. Der Verkehr war dadurch noch unangenehmer, und ohne Seitenstreifen fühlte sich das Ganze für mich nicht gerade sicher an. Tunnel sind für Radfahrer ohnehin keine angenehme Angelegenheit, und wenn man darin auch noch bergauf fahren muss, wird es zusätzlich anstrengend und stressig.
Nachdem ich mehrere Tunnel hinter mir gelassen hatte, ging es endlich wieder ins Tal. Dort legte ich bei einem Seven Eleven meine Mittagspause ein und füllte meine Kräfte wieder auf.
Anschließend führte mich die Strecke erneut durch Reisfelder in Richtung des zweiten großen Berges des Tages. Schon im Tal begann es plötzlich zu regnen. Ich zog meine Regenkleidung an und fuhr weiter. Wieder ging es durch schmale Tunnel und anschließend bei Regen kontinuierlich bergauf. Die Bedingungen waren zunehmend herausfordernd. Je höher ich kam, desto kälter wurde es draußen – gleichzeitig schwitzte ich unter meiner Regenkleidung. Dadurch war mir gleichzeitig warm und kalt, was das Ganze nicht gerade angenehmer machte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte ich schließlich erneut eine Höhe von über 1.000 Metern und stand vor dem Tunnel des Passes. Was mich dort erwartete, hatte ich allerdings nicht vorhergesehen.
Dieser Tunnel war einer der engsten, die ich auf meiner Reise bisher erlebt hatte. Gerade einmal zwei Fahrspuren passten hinein, und für ein Fahrrad gab es praktisch überhaupt keinen Platz. Zusätzlich ging es auch im Tunnel noch leicht bergauf. Der Tunnel war knapp zwei Kilometer lang und relativ dunkel.
Die meisten Autofahrer verhielten sich zum Glück sehr rücksichtsvoll. Sie hielten Abstand und überholten mich vorsichtig. Im letzten Drittel des Tunnels gab es allerdings eine Situation, die mich richtig aufregte. Ein LKW-Fahrer schien sich durch meine Anwesenheit gestört zu fühlen und ließ extra neben mir den Motor laut aufheulen. Die Situation war ohnehin schon gefährlich genug, und dann noch zusätzlichen Stress zu verursachen, fand ich einfach nur rücksichtslos. In diesem Moment konnte ich mir einen Stinkefinger in seine Richtung nicht verkneifen.
Als ich den Tunnel endlich hinter mir hatte, begann die Abfahrt vom Pass. Der leichte Regen machte die Strecke zwar etwas rutschiger, doch gleichzeitig war es schön, endlich wieder bergab fahren zu können. Ich musste lediglich besonders aufmerksam sein und auf nasse Stellen achten.
Da meine Vorräte langsam knapp wurden, fuhr ich noch etwas weiter als ursprünglich geplant, bis ich einen Supermarkt erreichte. Dort fragte ich einen Mitarbeiter, ob es im Ort vielleicht eine Möglichkeit gäbe, mein Zelt für die Nacht aufzubauen.
Der Mitarbeiter von Seven Eleven war unglaublich hilfsbereit. Er erklärte mir, dass ich hinter dem Supermarkt, etwas geschützt zwischen dem Gebäude und einer Buschreihe, mein Zelt aufbauen könne. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen.
So hatte ich schließlich einen überraschend guten Schlafplatz gefunden. Ich konnte mein Abendessen direkt aus dem Supermarkt holen, dort die Toilette benutzen und anschließend auch meinen Müll entsorgen. Öffentliche Mülleimer gibt es in Japan nämlich kaum – meistens findet man sie nur an Supermärkten oder größeren Sammelstellen.
Nach diesem extrem langen und anstrengenden Tag machte ich noch meine Abendroutine und kroch schließlich erschöpft in mein Zelt.
154 Kilometer, knapp 2.000 Höhenmeter, mehrere lange Anstiege, unzählige Tunnel und dazu Regen – dieser Tag hatte wirklich alles von mir gefordert. Umso besser fühlte es sich an, endlich im Schlafsack zu liegen und zu wissen: Für heute ist es geschafft.
















