Tag
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Zwischen zwei Welten – ein Tag an der DMZ

Am heutigen Morgen schlief ich zunächst einmal aus, denn nach den vergangenen Tagen merkte ich, dass mein Körper den Schlaf dringend gebraucht hatte. Danach machte ich mich zu Fuß auf den Weg zu einer Bushaltestelle. Heute stand nämlich ein ganz besonderes Erlebnis auf dem Programm: Ich hatte mir eine geführte Tour zur Demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Süd- und Nordkorea gebucht.

Von der DMZ hatte ich natürlich schon unzählige Male gehört und Bilder gesehen. Sie dann selbst zu erleben, ist jedoch noch einmal etwas völlig anderes. Gleichzeitig war mir bewusst, dass ich hier einen Ort besuchte, an dem die Geschichte Koreas bis heute unmittelbar spürbar ist.

Unser erster Halt war die Friedensbrücke. Über diese Brücke liefen während des Koreakrieges zehntausende Soldaten zwischen den Fronten. Dort konnte ich außerdem eine alte Dampflok sehen, die früher zwischen den heute getrennten Ländern verkehrte. Es war ein eindrucksvoller Moment, vor einem Relikt aus einer Zeit zu stehen, in der die koreanische Halbinsel noch nicht so geteilt war, wie wir sie heute kennen.

Anschließend ging es über eine weitere wichtige Brücke weiter zum Dritten Tunnel. Dieser wurde ursprünglich von Nordkorea aus gegraben, offenbar mit dem Ziel, im Falle eines erneuten Konflikts bis nach Seoul vorzudringen. Der Tunnel wurde jedoch entdeckt, bevor er seinen Zweck erfüllen konnte, und endet wenige Kilometer hinter der heutigen Grenze auf südkoreanischer Seite. Besonders interessant fand ich die Geschichte, dass der verantwortliche nordkoreanische Tunnelbauer später selbst durch diesen Tunnel nach Südkorea geflohen sein soll.

Wir gingen den Tunnel zunächst tief unter die Erde hinunter, bis wir an einen Schutzwall kamen. Weiter durften wir aus Sicherheitsgründen nicht. Dieser Ort machte die politische Situation noch einmal besonders greifbar. Gleichzeitig fand ich es befremdlich, immer wieder militärische Fahrzeuge und Panzer zu sehen, die dort heute als Denkmäler stehen.

Danach ging es weiter zu einer Aussichtsplattform auf einem Berg, nur ungefähr einen Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt. Von hier konnte ich tatsächlich nach Nordkorea hinüberschauen. Mit einem Fernglas waren sogar ein Auto und einige Menschen auf der anderen Seite zu erkennen.

Dieser Moment fühlte sich allerdings etwas seltsam an. Ich stand dort und versuchte, Menschen in einem Land zu beobachten, über dessen Alltag ich eigentlich kaum etwas weiß. Es hatte beinahe etwas von einem Zoo – nur dass sich auf der anderen Seite keine Tiere, sondern Menschen befanden, die unter völlig anderen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen leben.

Nach diesem eindrucksvollen Stopp ging es zunächst zum Mittagessen. Anschließend wartete für mich eines der Highlights des Tages: ein Gespräch mit einer aus Nordkorea geflüchteten Frau.

Sie erzählte uns von ihrem Leben in Nordkorea und beantwortete anschließend verschiedene Fragen. Besonders bewegend fand ich ihre Schilderungen darüber, wie stark der Alltag der Menschen durch das politische System kontrolliert wird. Sie berichtete von fehlender Freiheit, eingeschränkten Reisemöglichkeiten und einer fehlenden Zukunftsperspektive. Freies Internet gibt es nicht, die Medien sind staatlich kontrolliert und die Bevölkerung wird von klein auf mit staatlicher Propaganda geprägt.

Dabei wurde mir noch einmal besonders bewusst, wie unglaublich unterschiedlich zwei Gesellschaften sein können, die geografisch nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. Auf der einen Seite Südkorea mit seiner modernen, offenen und technologisch hochentwickelten Gesellschaft – auf der anderen Seite Nordkorea, von dem die meisten Menschen außerhalb des Landes kaum verlässliche Informationen erhalten.

Nach diesem sehr intensiven Tag ging es für mich mit dem Zug weiter nach Incheon. Dort hatte ich noch eine ganz andere Mission: Ich wollte meinen Fahrradpass abholen.

Dieser Pass ist eine Art Reisepass für das südkoreanische Fahrradwegenetz. Auf verschiedenen Routen kann man unterwegs Stempel sammeln und sich damit spielerisch durch das Land bewegen. Andere Radreisende hatten mir davon erzählt und mir empfohlen, diese Möglichkeit unbedingt mitzunehmen. Für mich klang das natürlich perfekt.

Also holte ich meinen Fahrradpass ab, setzte direkt den ersten Stempel hinein und machte mich anschließend wieder auf den Rückweg nach Seoul.

Da ich am Vortag an einem anderen Flughafen angekommen war und mein Fahrrad erst noch im Hostel aufgebaut hatte, konnte ich den Fahrradpass nicht direkt nach meiner Ankunft abholen. Nun bedeutete das erneut über eine Stunde Zugfahrt zurück zu meinem Hostel.

Dort angekommen, aß ich noch etwas zu Abend, packte meine Fahrradtaschen für den nächsten Tag und bereitete alles für den Start meiner nächsten Etappe vor.

Nach einem Tag voller Geschichte, Politik und bewegender Begegnungen mit zwei völlig unterschiedlichen Welten war ich nun bereit, Südkorea am nächsten Tag endlich mit meinem Fahrrad zu entdecken.