Tag
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Mitten in der Hitze bis nach Hiroshima

Am heutigen Morgen klingelte mein Wecker bereits um 4:30 Uhr. Ich hatte eine längere Etappe vor mir und wollte die größten Stunden der extremen Hitze möglichst vermeiden. Nach einem schnellen Frühstück mit Toastbrot und Erdnussbutter saß ich deshalb bereits um 5:30 Uhr auf dem Fahrrad. Noch vor Sonnenaufgang war ich unterwegs und konnte die angenehm kühlen Temperaturen zunächst richtig genießen.

Nach wenigen Kilometern machte ich bei einem 7-Eleven einen kurzen Stopp, füllte meine Wasservorräte auf und fuhr anschließend weiter. Zunächst führte die Strecke über größere Straßen, die teilweise überhaupt keine Fahrradinfrastruktur hatten. Plötzlich wurde aus der Straße ein Express Highway und meine Navigation spielte völlig verrückt. Kurz darauf tauchte ein Polizeiauto auf, wenig später noch ein zweites. Die Polizisten eskortierten mich schließlich bei der nächsten Ausfahrt von der Schnellstraße. Genau an dieser Stelle war die Straße zu einer Autobahn geworden, auf der Fahrräder nicht erlaubt sind. Mir wurde der Sachverhalt kurz erklärt und damit war die Sache auch schon erledigt. Ich konnte meine Fahrt auf normalen Straßen fortsetzen. Eine ähnliche Situation hatte ich bereits einmal in Vietnam erlebt.

Danach führte mich meine Route über kleinere Straßen, vorbei an Reisfeldern, entlang der Küste und immer wieder über kleinere Berge. Die Sonne wurde dabei zunehmend erbarmungslos. Heute gab es kaum Wolken, sodass sie direkt auf meinen Kopf und meinen Körper brannte. Kilometer für Kilometer arbeitete ich mich dennoch weiter voran und genoss trotz der Hitze die abwechslungsreiche Landschaft.

Meine Mittagspause machte ich erneut bei einem 7-Eleven. Diese kleinen Läden waren bei den Temperaturen wirklich Gold wert, denn dort konnte ich mich kurz abkühlen, meine Wasservorräte auffüllen und neue Energie tanken. Nach weiteren 20 Kilometern machte ich noch einmal einen kurzen Stopp in einem kleinen Supermarkt und gönnte mir ein kaltes Softgetränk. Danach ging es weiter in Richtung Hiroshima.

Kurz vor den Toren der Stadt warteten noch einige unangenehme Brücken auf mich. Auch die vielen Ampeln bremsten meinen Rhythmus immer wieder aus. Während der Fahrt war wenigstens der Fahrtwind angenehm, doch sobald ich an einer roten Ampel stand, knallte mir die Sonne wieder ungebremst auf den Kopf.

Als ich schließlich an meinem Hostel ankam, bekam ich erst einmal kaltes Wasser und schleppte meine Fahrradtaschen in mein Gemeinschaftszimmer. Eine Dusche war nach dieser langen und heißen Etappe dringend nötig. Auch die vergangene Nacht bei etwa 28 °C hatte nicht gerade für erholsamen Schlaf gesorgt.

Doch heute war für mich nicht irgendein Tag in Hiroshima. Es war der 6. August, der 81. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. In der Stadt fanden deshalb zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt.

Am Abend ging ich zu einem Fluss, an dessen Ufer sich bereits sehr viele Menschen versammelt hatten. Gemeinsam beobachteten sie die zahlreichen beschrifteten Laternen, die auf das Wasser gesetzt wurden und langsam flussabwärts trieben. Mit zunehmender Dunkelheit veränderte sich die Atmosphäre immer mehr. Die vielen kleinen Lichter auf dem Wasser erzeugten eine unglaublich besondere und gleichzeitig nachdenkliche Stimmung.

Neben mir kam ich mit einer japanischen Familie ins Gespräch. Besonders die Tochter interessierte sich sehr dafür, was ich auf meiner Fahrradweltreise mache und wie mein Alltag unterwegs aussieht. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, während es immer dunkler wurde.

Anschließend lief ich noch ein Stück am Fluss entlang und ließ die vielen bunten Lichter und die besondere Atmosphäre auf mich wirken. Ich hatte großes Glück, genau an diesem Tag in Hiroshima angekommen zu sein, denn dieses besondere Spektakel findet nur einmal im Jahr statt.

Nach diesem bewegenden Abend gönnte ich mir zur Feier des Tages noch eine Pizza. Danach ging es zurück ins Hostel und müde ins Bett. Nach einem langen Tag voller Hitze, Kilometer, Begegnungen und ganz besonderer Eindrücke konnte ich schließlich zur Ruhe kommen.