Zu Fuß durch Taipeh – Tempel, Wolkenkratzer und Sonnenuntergang
Heute Morgen wachte ich ausgeschlafen in meinem Hostel auf. Da sich direkt nebenan ein gut sortierter Supermarkt befand, konnte ich mir endlich wieder ein richtig leckeres Frühstück zusammenstellen. Es gab Müsli mit frischem Obst und Joghurt – nach den vergangenen Wochen auf der Reise ein echter Genuss.
Eigentlich hatte ich geplant, an einer Free Walking Tour teilzunehmen. Da diese jedoch bereits um 9:30 Uhr begann und ich erst gegen 9:00 Uhr aufgewacht war, entschied ich mich kurzerhand dafür, Taipeh auf eigene Faust zu erkunden.
Vor dem Aufbruch fragte ich an der Rezeption nach Tipps und wie das Bus- und U-Bahn-System funktioniert. Die Mitarbeiterin war unglaublich freundlich und fand meine Reise so spannend, dass sie mir kurzerhand ihre persönliche Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr auslieh. Dadurch konnte ich den ganzen Tag Bus und Bahn nutzen, ohne mich um Tickets kümmern zu müssen. Eine wirklich herzliche Geste.
Mein erstes Ziel war die Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle. Die riesige Anlage mit ihren beeindruckenden Tempeln und Plätzen wirkte sehr imposant. Im Museum informierte ich mich über die Geschichte Taiwans. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung des Landes und seiner Unabhängigkeit gegenüber China. Angesichts der aktuellen politischen Spannungen wurde dort eindrucksvoll erklärt, warum die eigene Identität und Selbstbestimmung für die Menschen in Taiwan eine so große Bedeutung haben.
Anschließend spazierte ich über die weitläufigen Plätze und bewunderte die monumentalen Gebäude, bevor ich wieder mit der U-Bahn weiterfuhr – diesmal zum berühmten Taipei 101.
Mit dem damals schnellsten Aufzug der Welt ging es in nur 35 Sekunden auf die Aussichtsplattform in rund 509 Metern Höhe. Mit über 60 km/h schoss der Aufzug nach oben. Von dort bot sich eine spektakuläre Aussicht über die unzähligen Hochhäuser Taipehs bis hin zu den umliegenden Bergen. Zwar war es erwartungsgemäß sehr touristisch und die Aussichtsplattform vollständig verglast, dennoch war der Besuch für mich ein echtes Highlight.
Nach diesem beeindruckenden Ausblick fuhr ich weiter zum Yongle-Markt und in die Dihua Street. Dort gönnte ich mir ein spätes Mittagessen und schlenderte anschließend durch die historischen Straßen. Besonders auffällig waren die vielen kleinen Geschäfte mit getrockneten Früchten, Gewürzen, Tee und Souvenirs.
Am Nachmittag machte ich mich schließlich auf den Weg zum Elephant Mountain. Von dort wollte ich den Sonnenuntergang mit Blick auf den Taipei 101 erleben. Während ich die zahlreichen Treppen hinaufstieg, begann es plötzlich zu regnen. Das störte mich jedoch kaum – bei der hohen Luftfeuchtigkeit war ich durch den schweißtreibenden Aufstieg ohnehin schon nass.
Der Regen sorgte sogar für eine besonders dramatische Stimmung. Als die Wolken langsam aufrissen und die untergehende Sonne den Himmel in immer neue Farben tauchte, bot sich ein wunderschönes Panorama über die Stadt. Minute für Minute veränderte sich die Atmosphäre.
Oben traf ich außerdem einen deutschen Rucksackreisenden, der in den vergangenen Monaten ebenfalls durch Neuseeland, Australien und Südostasien gereist war. Wir unterhielten uns eine ganze Weile über unsere Erlebnisse, bevor sich unsere Wege wieder trennten und jeder mit einem anderen Bus zurück zu seiner Unterkunft fuhr.
Zurück im Hostel gab ich der netten Mitarbeiterin ihre Fahrkarte wieder zurück und bedankte mich herzlich für ihr Vertrauen. Nach einem einfachen Abendessen in einer kleinen Garküche um die Ecke fiel ich müde ins Bett. Es war ein abwechslungsreicher Tag, an dem ich Taipeh auf ganz unterschiedliche Weise kennenlernen durfte.
















