Durch den dichten Verkehr Richtung Jakarta
Am heutigen Morgen wollte ich eigentlich sehr früh starten. Allerdings verschlief ich um eine Stunde und kam dadurch erst um 7:00 Uhr los. Wenn ich den Wecker an meinem Handgelenk weder höre noch das Vibrieren bemerke, ist das für mich immer ein Zeichen, dass mein Körper den zusätzlichen Schlaf dringend gebraucht hat. Also machte ich mich nach einem etwas hektischeren Morgen trotzdem gut ausgeruht auf den Weg.
Einer der Gründe, warum ich in Indonesien möglichst früh starte, ist die Hitze. Je früher ich losfahre, desto mehr Kilometer kann ich in den etwas kühleren Morgenstunden zurücklegen. Außerdem bleibt mir am Abend mehr Tageslicht.
So ging es weiter in Richtung Jakarta. Der Verkehr nahm spürbar zu und auch die Temperaturen stiegen weiter an. Die Sonne brannte heute noch stärker als an den vergangenen Tagen. Da die Strecke nahezu komplett flach verlief, merkte ich zunehmend meine Handballen und mein Gesäß. Auf bergigen Etappen ist der Körper ständig in Bewegung, wodurch diese Belastungen deutlich weniger auffallen.
Nach rund 60 Kilometern legte ich eine kurze Trinkpause ein. Diese Pausen sind für mich wichtig, um ausreichend Flüssigkeit und Zucker aufzunehmen und leistungsfähig zu bleiben. Anschließend setzte ich meinen Weg auf den immer voller werdenden Straßen fort. Je näher ich Jakarta kam, desto deutlicher wurde mir, wie dicht besiedelt Java tatsächlich ist. Auf einer Insel mit über 150 Millionen Einwohnern und einer Metropolregion wie Jakarta mit mehr als 40 Millionen Menschen ist das kaum verwunderlich.
Plötzlich stand der Verkehr komplett still. Auf Google Maps sah ich bereits, dass sich weiter vorne ein Unfall ereignet haben musste. Da es hier kaum Ausweichstraßen gibt, staut sich der Verkehr innerhalb kürzester Zeit kilometerweit zurück. Gemeinsam mit Hunderten Motorrollern schlängelte ich mich vorsichtig zwischen Lastwagen und Autos hindurch oder nutzte den schmalen Grünstreifen neben der Fahrbahn. Dabei musste ich ständig aufpassen, weder mein Fahrrad zu beschädigen noch mich selbst in gefährliche Situationen zu bringen.
Als ich schließlich die Unfallstelle erreichte, bot sich ein bedrückendes Bild. Ein größeres Tuk-Tuk war frontal mit einem Lkw zusammengestoßen. Mehrere Krankenwagen waren vor Ort, die Polizei versuchte den Verkehr zu regeln und wirkte dabei völlig überfordert. Es sah nach einem schweren Unfall aus, bei dem vermutlich mehrere Menschen verletzt worden waren.
Hinter der Unfallstelle floss der Verkehr zunächst wieder normal. Doch keine 20 Kilometer später stand erneut alles still. Diesmal war glücklicherweise kein Unfall die Ursache, sondern eine traditionelle Festlichkeit. Eine Fahrspur war gesperrt, während Menschen in farbenfrohen Gewändern, mit riesigen Masken und begleitet von ohrenbetäubend lauter Musik feierten. Da heute Sonntag war, fanden offenbar vielerorts solche Veranstaltungen statt.
Der Verkehr war insgesamt einer der gefährlichsten, den ich bisher erlebt hatte. Lastwagen überholten äußerst aggressiv, Motorroller drängelten sich von allen Seiten vorbei und unzählige Motorräder waren derart laut, dass ich mir mehrfach die Ohren zuhielt, weil ich Angst hatte, mein Gehör zu schädigen. Die permanente Geräuschkulisse, der dichte Smog und die ständige Aufmerksamkeit, die ich dem Verkehr widmen musste, waren mental äußerst anstrengend. Ich kontrollierte ununterbrochen meinen Rückspiegel und war froh, als ich schließlich meine Unterkunft erreichte.
Nach 160 Kilometern war ich ohnehin erschöpft. Doch die Kombination aus chaotischem Verkehr, extremer Lautstärke und schlechter Luft machte diesen Tag besonders kräftezehrend. Nach einem leckeren Abendessen fiel ich deshalb früh ins Bett, denn ich merkte deutlich, wie wichtig ausreichend Schlaf für die kommenden Etappen sein würde.










