Durch die Hügel nach Semarang
Heute Morgen klingelte mein Wecker bereits um 4:30 Uhr. Da ich am Vorabend schon gegen 20:00 Uhr ins Bett gegangen war, fühlte ich mich trotzdem ausgeschlafen. So früh zu starten hat einen großen Vorteil: Ich kann der größten Mittagshitze möglichst lange entgehen. Nachdem ich alle meine Taschen aus dem ersten Stock nach unten getragen und wieder am Fahrrad befestigt hatte, machte ich mich startklar. Um 6:00 Uhr rollte ich schließlich los.
Zunächst führte mich der Weg aus der Kleinstadt hinaus. Obwohl es noch so früh war, herrschte bereits reges Treiben. Auf dem Markt und in den Straßen waren schon viele Menschen unterwegs. Mein Ziel war es, den hügeligen Abschnitt zwischen der Ost- und Westküste zu durchqueren, um anschließend weiter in Richtung Semarang zu fahren.
Die direkte Hauptstraße hätte mich über zwei sehr steile Berge geführt – mit meinem Singlespeed-Rad praktisch unmöglich zu bewältigen. Deshalb hatte ich bereits am Vorabend eine alternative Route herausgesucht. Sie war zwar rund acht Kilometer länger, führte dafür aber über deutlich flachere Hügel und hielt mich außerdem etwas vom dichten Verkehr fern.
Die kleineren Straßen waren zwar in einem deutlich schlechteren Zustand, mit Schlaglöchern und unebenem Asphalt, doch insgesamt ließ sich die Strecke wesentlich angenehmer fahren. So arbeitete ich mich Stück für Stück durch die Hügellandschaft. Das kühle Morgenwetter machte das Radfahren zusätzlich angenehm.
Ich kam durch zahlreiche kleine Dörfer, vorbei an weiten Reisfeldern, Getreidefeldern und kleinen Farmen. Nachdem ich die Hügel hinter mir gelassen hatte, wurde das Gelände wieder deutlich flacher. Das war eine große Erleichterung. Mit einem Singlespeed bedeutet bereits jede kleine Steigung enorme Kraftanstrengung, weil ich keine Möglichkeit habe, herunterzuschalten. Am Ende eines Tages spüre ich das deutlich in meinen Beinen.
Je näher ich Semarang kam, desto dichter wurde der Verkehr. Plötzlich hielt ein Auto, das mich kurz zuvor überholt hatte, am Straßenrand an. Ein freundlicher Indonesier stieg aus und fragte, ob er ein Foto mit mir machen dürfe. Natürlich sagte ich zu. Wir unterhielten uns noch kurz über meine Reise, und er verabschiedete sich mit den besten Wünschen für eine sichere Weiterfahrt.
Mit jedem Kilometer nahm der Verkehr weiter zu. Immer mehr Lastwagen, Reisebusse, Autos und unzählige Roller drängten sich auf den Straßen. Manchmal fühlte ich mich, als würde ich in einem riesigen Strom aus Fahrzeugen mitschwimmen – nur eben deutlich langsamer als alle anderen. Entsprechend aufmerksam musste ich ständig sein, wenn die großen Fahrzeuge dicht an mir vorbeizogen.
Nach rund 100 Kilometern legte ich eine Mittagspause ein. Für gerade einmal 0,75 Euro bekam ich ein leckeres Essen. Dort lernte ich zwei Indonesier kennen, mit denen ich mich länger unterhielt. Einer von ihnen gab mir einen hilfreichen Rat: Ich solle vor dem Essen immer nach dem Preis fragen, da manche Händler versuchen würden, Ausländer deutlich mehr bezahlen zu lassen.
Diese Erfahrung hatte ich tatsächlich schon mehrfach gemacht. Normalerweise kostet eine Mahlzeit hier etwa einen Euro. Wenn plötzlich zwei Euro verlangt werden, geht es mir dabei weniger um den zusätzlichen Euro, sondern vielmehr um die Fairness. Ich habe kein Problem damit, angemessene Preise zu bezahlen – aber ich möchte nicht allein aufgrund meines Aussehens mehr bezahlen müssen.
Nachdem ich Semarang hinter mir gelassen hatte, setzte sich der Verkehr in Richtung Jakarta unvermindert fort. Gefühlt wurden es mit jedem Kilometer noch mehr Lastwagen und Fahrzeuge. Ich bin gespannt, wie sich das auf den kommenden Etappen in Richtung der Millionenmetropole entwickeln wird.
Am Abend erreichte ich schließlich meine Unterkunft. Nach dem Abendessen schrieb ich meinen Tagebucheintrag, schnitt wie gewohnt mein tägliches Kurzvideo und lud es hoch. Nach meiner Stretching-Routine ließ ich den Tag zufrieden ausklingen und fiel müde ins Bett.





