Tag
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Von Moscheen, Affen und einer langen Zimmersuche

Heute Morgen ging es wieder früh für mich aufs Fahrrad. Zwar war die Strecke nicht ganz so bergig wie am Vortag, dennoch standen zahlreiche kleinere Hügel auf dem Programm, die sich im Laufe des Tages ordentlich summierten. In Kombination mit der prallen Sonne kosteten mich die vielen kurzen, steilen Anstiege einiges an Kraft.

Trotzdem kam ich Stück für Stück gut voran und fuhr durch viele kleine Dörfer mit unglaublich freundlichen Menschen. Wie fast überall hier in Indonesien begrüßen mich sowohl Kinder als auch Erwachsene mit einem breiten Lächeln. Viele lachen oder winken, weil sie es so außergewöhnlich finden, einen Touristen zu sehen – und dann noch jemanden, der mit einem voll bepackten Fahrrad unterwegs ist. Oft komme ich mir dabei selbst wie ein exotischer Abenteurer vor.

Auch heute sah ich wieder Affen, die in der Nähe der Dörfer im Müll nach Nahrung suchten. Was mich dagegen jedes Mal schockiert, ist die Art, wie Hühner transportiert werden. Häufig werden sie lebend kopfüber an Autos oder Motorroller gehängt, um sie zu den Märkten zu bringen. Sich als Tier kopfüber an einem laut knatternden Fahrzeug hängend transportieren zu lassen, stelle ich mir schrecklich vor. Für die Menschen hier gehört das jedoch ganz selbstverständlich zum Alltag.

So ging es von Dorf zu Dorf und von einer bunt verzierten Moschee zur nächsten. Da die Region stark muslimisch geprägt ist, besitzt nahezu jedes Dorf eine Moschee, und die regelmäßigen Gebetsrufe des Imams begleiten mich den ganzen Tag. Diese Klänge erinnern mich immer wieder an meine Zeit in der Türkei und in Zentralasien.

Am Ende des Tages erreichte ich schließlich die Stadt Sumbawa Besar. Es war inzwischen Samstagabend und ich hatte – wie so oft – im Voraus keine Unterkunft gebucht, weil ich morgens noch nicht wusste, ob ich die Stadt überhaupt erreichen würde. Schließlich standen am Ende rund 170 Kilometer auf meinem Tacho – eine Distanz, die ich normalerweise eher selten fahre.

Doch dann begann die nächste Herausforderung: Die erste Unterkunft war ausgebucht, die zweite ebenfalls und auch im dritten Hotel gab es kein freies Zimmer mehr. Langsam stellte ich mich schon darauf ein, die Nacht irgendwie anders verbringen zu müssen. Schließlich nahmen sich jedoch zwei sehr hilfsbereite Hotelangestellte Zeit, um gemeinsam mit mir nach einer bezahlbaren Unterkunft zu suchen. Nach längerem Hin und Her fanden sie schließlich doch noch ein Hotel für umgerechnet etwa 14 Euro. Das war zwar deutlich teurer als mein übliches Budget von rund neun Euro pro Nacht, aber in dieser Situation war ich einfach froh, überhaupt noch ein Zimmer zu bekommen.

Im Hotel angekommen, ging es zuerst unter die Dusche. Nach einem ganzen Tag in der Hitze hatten sich Schweiß, Sonnencreme, Staub, Ruß und Schmutz auf meiner Haut gesammelt – am Ende eines solchen Tages fühlt sich das manchmal an, als hätte ich mehrere Erdschichten auf mir.

Anschließend ging ich noch in eine kleine Garküche, um mir mein Abendessen zu holen. Dort telefonierte ich außerdem mit Max vom Radelmal in Darmstadt, um das weitere Vorgehen wegen meiner Rohloff AG-Nabe zu besprechen, die immer mehr Spiel bekam. Glücklicherweise unterstützt mich Rohloff bei diesem Problem. Sie hatten mir sogar noch am selben Tag per Express eine komplett neue Nabe nach Darmstadt geschickt. Dort wird Max sie in den nächsten Tagen einspeichen, bevor meine Eltern den Weitertransport zu mir organisieren.

Solche organisatorischen Dinge gehören eben ebenfalls zu einer langen Fahrradweltreise dazu. Nicht nur das Fahren selbst, sondern auch das Planen, Reparieren und Organisieren nimmt immer wieder viel Zeit in Anspruch.

Nach diesem extrem langen, aber insgesamt sehr erfolgreichen Tag fiel ich schließlich völlig erschöpft ins Bett.