Durch Regen, Vulkandörfer und eine besondere Sprachschule
Am heutigen Morgen ging es für mich weiter über das Hochplateau, auf dem ich mich seit einigen Tagen bewegte. Bereits gegen Mittag geriet ich in einen kräftigen Regenschauer. Anfangs fuhr ich noch weiter, doch der Regen wurde immer stärker, sodass ich schließlich Schutz suchen musste. Erst als das Schlimmste vorbei war, konnte ich meine Fahrt fortsetzen.
Gerade hier in den Bergen scheint es deutlich häufiger zu regnen, da sich die Regenwolken an den Vulkanen stauen und dort abregnen. Trotzdem habe ich die kleinen Bergdörfer auf Flores inzwischen sehr ins Herz geschlossen. Die Menschen sind unglaublich freundlich und offen. Immer wieder hallt Musik oder Karaoke durch die Täler zwischen den Vulkanen und sorgt für eine herzliche, einladende Atmosphäre.
Nach vielen weiteren Höhenmetern erreichte ich schließlich Bajawa. Von dort führte eine lange und extrem kurvenreiche Abfahrt hinunter nach Aimere. Dort legte ich erst einmal eine Mittagspause ein.
Anschließend ging es wieder ein Stück an der Küste entlang. Das glasklare, tiefblaue Wasser Indonesiens ist wirklich beeindruckend. Gleichzeitig wird hier aber auch ein großes Problem sichtbar: Entlang vieler Küstenabschnitte liegt sehr viel Müll. Eine funktionierende Abfallentsorgung gibt es vielerorts kaum, was die wunderschöne Natur leider stark beeinträchtigt.
Nach einem weiteren Anstieg entlang der Küste erreichte ich schließlich Kampoeng Mborong, wo ich erneut in einem kleinen Homestay übernachtete.
Auf dem Weg von meiner Unterkunft in den Ort, um etwas zu essen und anschließend im Supermarkt einzukaufen, hielt plötzlich ein Mann mit seinem Motorroller neben mir. Er stellte sich als Marsel vor und fragte, wohin ich wolle. Außerdem lud er mich ein, seine Sprachschule zu besuchen. Ich erklärte ihm, dass ich zuerst noch etwas essen und einkaufen müsse. Also brachte er mich zunächst zu einem kleinen Supermarkt und anschließend zu einem Restaurant, wo ich mir ein kräftiges Essen gönnte, um meine Kalorien- und Proteinreserven wieder aufzufüllen.
Danach fuhren wir gemeinsam zu seiner Sprachschule. Marsel erzählte mir, dass er eigentlich Lehrer sei, vor einigen Jahren jedoch zusätzlich diese Schule gegründet habe. Sein Ziel ist es nicht, Geld zu verdienen, sondern Menschen jeden Alters bessere Zukunftschancen zu ermöglichen. Dort lernen die Schüler Englisch, Italienisch, Spanisch oder Französisch – gleichzeitig unterstützt er viele auch dabei, ihre Indonesischkenntnisse zu verbessern.
Für seine Arbeit erhält er zwar kein Geld, wird jedoch von der Regierung unterstützt und bekommt regelmäßig gespendete Bücher, vor allem auf Englisch. Mit diesen Büchern unterrichtet er Kinder, Jugendliche und Erwachsene und hilft ihnen dabei, ihre Sprachkenntnisse zu erweitern.
Es war unglaublich interessant, einen so persönlichen Einblick in sein Leben und sein Engagement zu bekommen. Solche Begegnungen machen für mich den besonderen Reiz des Radreisens aus.
Anschließend brachte mich Marsel wieder zurück zu meiner Unterkunft. Nach meiner Abendroutine ließ ich den Tag entspannt ausklingen und fiel zufrieden ins Bett.









