Tag
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Die letzte Nacht im Zelt in Australien

Heute Morgen wurde ich bereits um 5:00 Uhr von einem Mitarbeiter der Stadtreinigung geweckt. Er säuberte die Toilettenanlage, mähte schon früh den Rasen und sorgte dabei für ordentlich Lärm. Dazu kam, dass die Nacht ungewöhnlich warm gewesen war, weshalb ich ohnehin nicht besonders gut geschlafen hatte.

Um 6:00 Uhr kroch ich schließlich aus dem Zelt und machte mir mein mittlerweile typisches Lieblingsfrühstück während des Radreisens: Rosinenbrot mit Erdnussbutter, dazu ein Apfel und eine Banane. Frisch gestärkt baute ich mein Lager ab, verstaute alles in den Fahrradtaschen und machte mich wieder auf den Weg Richtung Norden.

Mit dem Sonnenaufgang über den Zuckerrohrfeldern begann der Tag wunderschön. Kurz darauf wurde die Landschaft etwas bergiger, und plötzlich erhob sich vor mir eine riesige Nebelwand über einem See am Fuß der Berge. Diese Stimmung hatte etwas unglaublich Magisches. Nach den vielen heißen und sonnigen Wochen war der Nebel eine besondere Abwechslung, die mich sofort faszinierte.

Nachdem ich den Nebel hinter mir gelassen und einen kleinen Anstieg überwunden hatte, führte mich der Highway weiter vorbei an endlosen Zuckerrohr- und Bananenplantagen sowie großen Getreidefeldern. Immer wieder gab es Baustellen, bei denen nur eine Fahrspur freigegeben war. Das bedeutete meist längere Wartezeiten für den Verkehr – und leider auch einige unangenehme Situationen für mich auf dem Fahrrad.

Je weiter ich nach Norden kam, desto schmaler wurden die Seitenstreifen. Besonders die riesigen Roadtrains und viele LKW-Fahrer überholten teilweise erschreckend knapp. Einige Situationen waren wirklich gefährlich und vollkommen unnötig, denn auf der Gegenfahrbahn wäre genügend Platz gewesen, um sicher auszuweichen. In solchen Momenten spürt man sehr deutlich, wie verletzlich man auf dem Fahrrad eigentlich ist.

Immerhin wurde die Landschaft im Laufe des Tages abwechslungsreicher. Neben den Plantagen gab es nun auch wieder mehr Waldstücke und sanfte Hügel, wodurch die Strecke deutlich angenehmer wirkte.

Meine Mittagspause machte ich schließlich in Cardwell. Dort gibt es eine größere Population von Salzwasserkrokodilen, und sogar in den Flüssen konnte ich am Ufer einige Tiere erahnen. Baden ist hier sowohl im Meer als auch in vielen Flüssen lebensgefährlich. Trotzdem hatte ich einen wunderschönen Platz direkt am Strand mit tropischen Palmen und Blick aufs Meer. Zum Glück wurde ich diesmal auch nicht von Moskitos attackiert, sodass ich die Pause richtig genießen konnte.

Am Nachmittag kämpfte ich mich mit leichtem Gegenwind weiter Richtung Norden. Nach insgesamt 152 Kilometern erreichte ich eine Tankstelle, an der ich meine Wasservorräte auffüllen konnte. Gleichzeitig fragte ich nach einer Möglichkeit, mein Zelt für die Nacht aufzustellen. Direkt gegenüber befand sich ein verlassenes, verwildertes Grundstück mit großen Bäumen als Sichtschutz zur Straße. Als mir die Stelle gezeigt wurde, wusste ich sofort: Das ist perfekt.

So schlug ich dort mein Lager auf – für meine letzte Nacht im Zelt in Australien.

Am Abend schnitt ich noch meine Kurzvideos, schrieb mein Tagebuch und blickte schließlich in den klaren Sternenhimmel. Mit diesem besonderen Gefühl ging ein weiteres Kapitel meiner Reise langsam zu Ende.