Nachtlager zwischen Ankerseilen auf dem Weg nach Flores
Heute Morgen fuhr ich wieder früh los, da ich rechtzeitig am Fähranleger sein wollte. Zuvor wollte ich jedoch in Kupang endlich eine lokale SIM-Karte besorgen, da die Nutzung einer eSIM auf Dauer recht teuer wird.
Bis nach Kupang verlief die Strecke größtenteils flach und ich kam gut voran. In der Stadt selbst wurde es jedoch wieder deutlich hügeliger, und auch der Weg zum Mobilfunkanbieter führte noch einmal steil bergauf. Als ich schließlich vor dem Geschäft stand, erlebte ich die Enttäuschung: Es war geschlossen. Laut Google Maps hätte es eigentlich geöffnet sein sollen. Stattdessen schickte man mich zu einem Einkaufszentrum, in dem sich angeblich ein weiterer Anbieter befand. Doch auch dort waren die Türen verschlossen. So hatte ich die zusätzlichen Höhenmeter und den Umweg umsonst gemacht.
Zur Frustbewältigung gönnte ich mir erst einmal ein Eis und fuhr anschließend die letzten 16 Kilometer zum Fähranleger.
Dort angekommen hatte ich noch etwa 15 Minuten Zeit, bis das Boarding für Roller, Autos und Motorräder begann. Diese nutzte ich sinnvoll: Ich zog mich schnell um, schlüpfte in meine Badehose und sprang noch kurz ins Meer. Nach den letzten Tagen auf dem Fahrrad wollte ich wenigstens einigermaßen frisch auf das Schiff gehen. Danach war ich zwar salzig statt verschwitzt, aber das erschien mir trotzdem als Verbesserung.
Kurz darauf begann der Check-in. Mein Fahrrad musste ich vor Ort noch als eigenes Fahrzeug registrieren, da dies online nicht möglich gewesen war. Anschließend startete die lange Überfahrt.
Wie so oft traf ich auch auf dieser Reise wieder viele freundliche Menschen. Mehrere Indonesier kamen mit mir ins Gespräch und boten mir ihre Hilfe an, falls ich unterwegs irgendetwas benötigen sollte. Diese Hilfsbereitschaft beeindruckte mich immer wieder.
Einen Anfängerfehler machte ich allerdings dennoch: Auf solchen Fähren sollte man sich möglichst direkt nach dem Betreten einen Schlafplatz sichern. Da ich das nicht tat und zudem gerade die indonesischen Ferien begonnen hatten, war das Schiff mit über 2.000 Menschen völlig überfüllt. Am Abend lagen die Passagiere überall – auf den Betten, in den Gängen, auf dem Boden und sogar auf freien Flächen an Deck. Einen geeigneten Platz zu finden wurde zunehmend schwieriger.
Zum Sonnenuntergang saß ich noch auf dem Oberdeck und genoss die Aussicht auf das Meer. Dort kam ich erneut mit einigen Jungs in meinem Alter ins Gespräch. Sie waren neugierig, stellten viele Fragen zu meiner Reise und boten mir ebenfalls ihre Unterstützung an.
Als es schließlich dunkel wurde und die meisten bereits ihre Schlafplätze gefunden hatten, begann auch ich mit der Suche. Nach einiger Zeit entdeckte ich schließlich eine freie Ecke zwischen den dicken Ankerseilen und einigen Befestigungen des Schiffes. Für viele vermutlich kein besonders attraktiver Ort – für mich an diesem Abend jedoch ein echter Glücksgriff.
Ich breitete meine Isomatte aus, legte mein Kopfkissen bereit, schlüpfte in meinen Seiden-Inlett, setzte Ohrstöpsel und Schlafmaske auf und richtete mich für die Nacht ein. Trotz des ungewöhnlichen Schlafplatzes schlief ich erstaunlich gut ein. So endete ein weiterer ereignisreicher Tag meiner Reise – diesmal auf hoher See zwischen Ankerseilen und tausenden Mitreisenden.









