Stockbrot, Glück und ein neues Tretlager
Heute Morgen wachte ich unter meinem geschützten Zeltplatz trocken auf. In der Nacht war es deutlich kühler geworden, da die Wolken weitergezogen waren und nun wieder klarere, schöne Tage bevorstanden. Während die Sonne langsam am Horizont aufging, frühstückte ich entspannt. Danach packte ich alles zusammen und fuhr direkt in den ersten Sonnenstrahlen los.
Es ging Richtung Bundaberg, diesmal bewusst nicht über den Highway, sondern über kleinere Straßen, um mehr von der Landschaft zu sehen. Zunächst fuhr ich durch Zuckerrohrplantagen, später wieder durch Wälder und offene Flächen.
Plötzlich stand ich vor einer Baustelle: Eine Brücke wurde erneuert, und offiziell war die Strecke gesperrt. Der Umweg wäre sehr lang gewesen, also versuchte ich mein Glück. Nach kurzer Diskussion ließ mich der Bauleiter schließlich über die fast fertige, nur etwa 10 Meter lange Brücke passieren. Manchmal ist das Fahrrad eben doch das flexibelste Verkehrsmittel.
Weiter ging es auf der einzigen Nebenstraße parallel zum Highway Richtung Norden. Der Verkehr aus Bundaberg war entsprechend stark, und viele LKWs nutzten dieselbe Route. Oft gab es kaum Seitenstreifen, was die Fahrt wieder recht angespannt machte. Trotzdem kam ich gut voran, auch wenn es hügelig blieb.
Am Abend, bei 147 km auf dem Tacho, suchte ich mir einen Schlafplatz mit Internet. Auf einem Hügel wurde ich fündig – allerdings auf einem Grundstück hinter einem offenen Tor, vermutlich Privatgelände. Ich stellte mein Zelt ganz am Rand auf, um niemanden zu stören, und begann zu kochen.
Während ich Nudeln, Tomaten und Nüsse aß, kam plötzlich ein Auto. Ein Pärchen stieg aus und fragte freundlich, ob alles in Ordnung sei. Ich erklärte meine Situation, und statt Ärger gab es nur Offenheit und Interesse. Sie luden mich schließlich spontan zu ihnen ein.
Nach dem Abendessen lernte ich dort eine typische australische Teeroutine kennen: Ein Schokokeks wird diagonal angebissen und dann in heißen Tee getunkt, sodass der Tee durch den Keks gezogen wird. Eine einfache, aber überraschend unterhaltsame Tradition.
Später saßen wir noch am Feuer und machten Stockbrot – etwas, das sofort Kindheitserinnerungen weckte. Nebenbei kümmerte ich mich noch um mein Fahrrad: Das Tretlager hatte nach rund 8000 km deutliche Verschleißgeräusche entwickelt und musste dringend gewartet werden. Mit Hilfe und Werkzeug von meinen Gastgebern konnte ich es ausbauen, schmieren und wieder sauber montieren.
Auch meine Radklamotten wurden noch gewaschen und getrocknet. Aus einem eigentlich „versteckten“ Zeltplatz wurde so eine unglaublich herzliche Begegnung.
Nach der Reparatur verabschiedete ich mich von Kathryn und ihrem Mann, fuhr zurück zu meinem Zelt und fiel nach meiner Abendroutine schließlich müde ins Bett.














