Tag
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Regen, Mücken und Begegnungen unter der Brücke

Am Morgen wurde ich vom Regen auf dem Zelt geweckt. Ein Blick auf die Wetter-App zeigte, dass sich daran in den kommenden Tagen wenig ändern sollte. Also frühstückte ich im Nieselregen, baute mein Zelt dennoch trocken ab und verstaute alles routiniert am Fahrrad.

Ich setzte meine Fahrt Richtung Norden fort und passierte Grafton, wo ich meine Vorräte im Supermarkt auffüllte. Um möglichst dem Verkehr zu entgehen, wählte ich überwiegend kleinere Landstraßen, auf denen deutlich weniger Autos unterwegs waren.

In Lawrence nahm ich eine kleine Seilfähre über den Fluss und setzte meine Route anschließend durch weite Felder fort. Später führte mich der Weg jedoch wieder zurück auf den Highway – manchmal gibt es einfach keine ruhigeren Alternativen.

Kurz vor Ballina wurde der Regen plötzlich sehr stark. Ich zog meine komplette Regenausrüstung an – genau die richtige Entscheidung, denn der Schauer hielt noch eine Weile an. Für die Nacht suchte ich mir schließlich einen Platz unter einer Autobahnbrücke. Nicht schön, aber trocken und versteckt.

Der einzige Nachteil waren die extrem aggressiven Stechmücken. Selbst ein kurzer Gang zum nahegelegenen Fluss wurde zur Herausforderung. Das Baden dauerte nur wenige Sekunden – schnell rein, schnell sauber, schnell wieder raus. Danach zog ich mich vollständig lang an, inklusive dünner Handschuhe und Mückennetz. So ließ sich der Abend etwas erträglicher gestalten.

Als es dunkel wurde und ich gerade meine Abendroutine beendet hatte, sah ich plötzlich ein Licht auf dem Zufahrtsweg. Unter der Brücke war bereits ein weiteres Zelt, und nun kam offenbar dessen Bewohner zurück. In solchen Momenten ist unklar, was einen erwartet.

Glücklicherweise stellte sich schnell heraus, dass es ein anderer Reisender war, der dort ebenfalls günstig übernachten wollte. Aus der möglichen Unsicherheit wurde eine sehr gute Begegnung. Wir kamen sofort ins Gespräch und verbrachten schließlich mehrere Stunden miteinander unter der Brücke.

Der Mann war Anfang 50 und hatte selbst eine außergewöhnliche Reise hinter sich: Ende 20 war er dreieinhalb Jahre zu Fuß und per Anhalter von Papua-Neuguinea bis nach Spanien unterwegs gewesen. Seine Geschichten waren unglaublich inspirierend und hatten viele Parallelen zu meinen eigenen Erfahrungen.

Bis nach Mitternacht saßen wir dort, tauschten Erlebnisse aus und sprachen über das Reisen, das Unterwegssein und die Menschen, die man auf solchen Wegen trifft. Danach verabschiedeten wir uns, tauschten Kontakte aus – und ich legte mich schließlich schlafen.