Zwischen Großstadt, Gravel und Flussquerung
Am Morgen stand ich früh auf, packte meine Taschen und frühstückte noch etwas, bevor ich mich von meinen äußerst herzlichen Warmshowers-Gastgebern verabschiedete. Ein kurzer Eintrag in ihr Gästebuch durfte natürlich nicht fehlen, bevor ich mich wieder auf den Weg machte – hinaus aus Canberra und zurück ins Abenteuer.
Die Fahrradinfrastruktur ließ zunächst zu wünschen übrig, doch ich kam einigermaßen voran. Noch innerhalb der Stadt wurde ich von einer Radfahrerin eingeholt, die neugierig auf mich zukam. Wir unterhielten uns eine Weile, und sie war sichtlich beeindruckt von meiner Reise.
Je weiter ich mich von der Stadt entfernte, desto mehr spürte ich, wie die Landschaft wieder bergiger wurde. Die Höhenmeter nahmen deutlich zu, und es ging stetig auf und ab. Besonders herausfordernd war zu Beginn die Bundesstraße Richtung Alpen: schmal, viel Verkehr und kaum ein brauchbarer Seitenstreifen. Vor allem die vielen LKWs sorgten für einige brenzlige Situationen. Ich musste ständig aufmerksam in den Rückspiegel schauen und bei Bedarf so weit wie möglich ausweichen.
Umso erleichterter war ich, als ich diese Straße hinter mir lassen konnte und auf eine abgelegene Gravel-Strecke wechselte. Anfangs war sie noch in schlechtem Zustand – mit ausgefahrenen Passagen und starkem Wellblech – doch je weiter ich fuhr, desto besser wurde der Untergrund. Die Natur entschädigte für alle Mühen: Kängurus, Kakadus und andere Papageien begleiteten meinen Weg, während ich durch ruhige Wälder und Alleen voller Eukalyptusbäume fuhr. Diese urigen Bäume verleihen der Landschaft eine ganz besondere Atmosphäre.
Ein echtes Highlight – und gleichzeitig eine kleine Herausforderung – wartete am Shoalhaven River: das sogenannte Stuart Crossing. Hier führt die Straße direkt durch das Flussbett. Je nach Wasserstand ist die Passage mehr oder weniger überflutet. Die breite, sandige Umgebung erinnerte fast an einen Strand und ließ erahnen, wie mächtig der Fluss bei höherem Wasserstand werden kann.
Danach ging es weiter durch die Natur, zunächst noch über Gravel, bis ich schließlich wieder auf Asphalt traf. Diese Abwechslung zwischen befestigten und unbefestigten Straßen empfand ich als angenehm. Wenig später erreichte ich eine große Baustelle, die sich über mehrere Kilometer zog. Dort konnte ich immerhin meine Wasservorräte leicht auffüllen – auch wenn es nur die letzten 300 ml waren, die ein Bauarbeiter noch übrig hatte.
Am Abend, nach vielen weiteren Höhenmetern, erreichte ich schließlich den Corang River. Unter einer Brücke fand ich einen geschützten Schlafplatz. Mit der tief stehenden Sonne ging ich noch kurz in den Fluss – ein erfrischendes Bad, das nach diesem anstrengenden Tag besonders gut tat.
Mit den letzten Sonnenstrahlen kochte ich mein Abendessen, ließ den Tag beim Schreiben meines Blogs Revue passieren und kroch schließlich zufrieden in mein Zelt.








