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Letzte Höhenmeter und Abschied von Tasmanien

Heute Morgen startete ich von meinem Schlafplatz nach einem kräftigen Frühstück mit Brot, Erdnussbutter, Obst und Nüssen direkt zurück in die Natur. Da ich am Fuß des letzten wirklich großen Berges Tasmaniens gezeltet hatte, ließ die erste Herausforderung nicht lange auf sich warten.

Auf einer Gravelstraße ging es zunächst wellig dahin, bis plötzlich ein harter Anstieg vor mir lag: über 250 Höhenmeter mit nahezu konstanten 15 % Steigung. Auf losem Untergrund ist das noch einmal deutlich anspruchsvoller. Stück für Stück kämpfte ich mich den Berg hinauf – langsam, aber stetig. Oben angekommen gab es zwar keine spektakuläre Aussicht, dafür aber die Gewissheit, auch diese letzte große Hürde gemeistert zu haben. Anschließend rollte ich durch den Wald wieder hinunter.

Nach einigen Kilometern verließ ich den Nationalpark und kam zurück in offene, hügelige Landschaften mit Feldern, Kühen, Schafen und vereinzelten Baumreihen. Und sofort war er wieder da: der Gegenwind. Im Wald war ich noch gut geschützt gewesen, doch hier traf er mich mit voller Wucht.

Da mein Wasser langsam knapp wurde, machte ich einen kleinen Umweg nach Shearwater, wo es einen größeren Supermarkt gab. Während meiner Pause dort kam ein älterer Herr auf mich zu, und wir kamen sofort ins Gespräch – als würden wir uns schon lange kennen. Diese Offenheit und Herzlichkeit der Menschen beeindruckt mich immer wieder.

Mit aufgefüllten Vorräten ging es weiter durch den Wind, über die letzten Hügel zurück nach Devonport – genau an den Strand, an dem meine Zeit in Tasmanien begonnen hatte. Dort machte ich es mir zwischen den Steinen in einer windgeschützten Ecke gemütlich, stellte meinen Campingstuhl auf und aß erst einmal ein ganzes Rosinenbrot. Der Gegenwind der letzten Tage hatte enorm viel Energie gekostet – umso schöner war es, diesen Moment bewusst zu genießen.

Trotz Ebbe fand ich noch eine Stelle, um ins Wasser zu gehen und mich symbolisch zum Abschluss im Meer zu waschen. Danach saß ich einfach in der Sonne und ließ alles auf mich wirken. Ich wollte noch meine Videos hochladen, doch das Internet machte mir einen Strich durch die Rechnung.

Als es langsam dunkel wurde, packte ich meine Sachen und fuhr in die Stadt zu Domino’s Pizza. Nach vielen Tagen mit Nudeln gönnte ich mir zur Abwechslung eine Pizza und Pommes – genau das Richtige nach dieser Etappe.

Anschließend ging es weiter zum Fährhafen. Dort traf ich Nathan, einen anderen Radfahrer, der die letzten sechs Monate als Tourguide für Wanderungen in Tasmanien gearbeitet hatte und nun weiter zur Gold Coast reisen wollte. Unsere Unterhaltung war inspirierend – genau diese zufälligen Begegnungen machen das Reisen so besonders.

Da ich noch etwas Zeit hatte, setzte ich mich an meinen Blog und arbeitete die letzten Tage auf – so gut es das WLAN zuließ. Kurz vor Abfahrt checkte ich schließlich mein Fahrrad und Gepäck ein und machte mich auf die Suche nach einem Schlafplatz an Bord.

Ich fand eine kleine Nische neben den Schlafsesseln – perfekt für meine Isomatte. Vermutlich ist dieser Bereich tagsüber für Kinder gedacht, doch nachts war er leer. Ich baute mein kleines Lager auf, kroch in den Schlafsack und stellte schnell fest: viel zu warm. Also nutzte ich ihn einfach als Decke.

So konnte ich während der achtstündigen Überfahrt überraschend gut schlafen – ein ruhiger Abschluss meiner intensiven Zeit in Tasmanien.