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Maria Island – Einsamkeit, Abenteuer und tierische Begegnungen

Heute Morgen ging es für mich relativ früh aus dem Bett. Ich packte meine wichtigsten Sachen für den kleinen Kurztrip nach Maria Island und verstaute alles in zwei große Packtaschen. Nach einem kleinen Frühstück ging es gemeinsam mit Eric zum Fähranleger.

Dort checkte ich ein, verlud meine Packtaschen auf einen Container und wurde noch kurz angemeckert, da mein Fahrrad eigentlich zu schwer war – erlaubt waren nur 15 kg. Da ich jedoch alle Wasserflaschen voll aufgefüllt hatte, weil es auf der Insel kaum Trinkwasser gibt, war das Gewicht schnell erklärt. Am Ende klappte trotzdem alles, und nach einer 35-minütigen Überfahrt erreichte ich die Insel.

Zuerst fuhr ich mit dem Fahrrad zum Startpunkt der Wanderung auf den Bishop & Clerk. Vom Fahrradstellplatz aus begann eine etwa siebeneinhalb Kilometer lange Wanderung. Anfangs führte der Weg durch wunderschöne Wälder mit urigen Bäumen, in denen zutrauliche Wallabies unterwegs waren. Es ging stetig bergauf, bis der klassische Wanderweg endete und ein großes Geröllfeld begann.

Je höher ich kam, desto anspruchsvoller wurde es. Die letzten 30 Höhenmeter über Basaltfelsen hatten es in sich – hier musste ich meine Kletter-Skills aus früheren Zeiten auspacken. Oben angekommen, stand ich in schwindelerregender Höhe: Steil abfallende Felsen, etwa 650 Meter bis zum Meer, leichter Wind und Wolken, die durch die Felsen zogen – eine unglaublich magische Atmosphäre.

Zunächst sah ich gar nichts, da alles in Wolken gehüllt war. Doch nach etwa 30 Minuten klarte es auf, und ich hatte eine atemberaubende Aussicht über die gesamte Insel.

Anschließend ging es über die gleichen anspruchsvollen Passagen wieder zurück zum Fahrrad. Dort machte ich ein kleines Picknick, bevor ich mich auf den Inland Track begab – ein Weg durch den dichten „Dschungel“ der Insel. Dieser war eher für Mountainbikes gemacht als für mein schwer bepacktes Rad. Zwei kleinere Flussdurchquerungen meisterte ich glücklicherweise ohne nasse Füße.

Je näher ich der schmalen Landenge zwischen zwei Buchten kam, desto sandiger wurde es – und damit auch deutlich anstrengender. Ohne den Reifendruck zu reduzieren, um keinen Platten zu riskieren, kämpfte ich mich mühsam voran. Zwischendurch stellte ich das Rad immer wieder ab, um die traumhaften Strände auf beiden Seiten zu genießen – feiner Sand, klares Wasser, einfach wunderschön.

Weiter ging es bergauf Richtung Haunted Bay, der nördlichsten Bucht der Insel. Nach etwa fünf Kilometern Anstieg stellte ich mein Fahrrad im Busch ab und wanderte die letzten Höhenmeter zu Fuß. Die Bucht selbst hatte keinen klassischen Strand, dafür beeindruckende Felsformationen und eine raue, wunderschöne Küstenlandschaft.

Nach einer kurzen Pause ging es zurück zum Rad und anschließend zur Weggabelung. Von dort nahm ich noch einen weiteren Abzweig Richtung Nordosten bis zur Robeys Farm. Dort steht ein altes Haus, das noch original eingerichtet ist – vermutlich aus der Zeit, als die Insel als Gefängnis genutzt wurde. Maria Island diente früher als Strafkolonie, was man an vielen Gebäuden bis heute erkennen kann.

Auf dem Rückweg fuhr ich diesmal nicht durch den tiefen Sand der Landenge, sondern entlang der inneren Bucht. Unterwegs begegnete ich mehreren Wombats – erstaunlich zutraulich und definitiv eines der Highlights der Insel. Neben ihnen gibt es hier auch viele Wallabies und sogar größere Kängurus.

Am Abend schlug ich mein Zelt an der Encampment Cove auf. Dort traf ich eine Australierin aus Hobart, mit der ich sofort ins Gespräch kam. Sie verbrachte ein paar Tage ihres Osterurlaubs auf der Insel und gab mir wertvolle Tipps für meine weitere Route.

Bevor es dunkel wurde, sprang ich noch kurz ins Meer, wusch mich und kochte meine Nudeln. Währenddessen hatte ich dann ein echtes Highlight: Ich sah einen Tasmanischen Teufel – das Wappentier Tasmaniens, mittlerweile selten und streng geschützt.

Die Tierwelt auf der Insel hat mich generell beeindruckt: unzählige Vögel, Papageien und diese besondere Ruhe der Natur. Ich hatte mir vorgenommen, möglichst viele Wege auf der Insel zu erkunden – zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Nach einem langen, intensiven Tag und vielen Gesprächen fiel ich schließlich müde, aber glücklich in mein Zelt.