Durch die Alpen in Richtung Tokio
Am heutigen Morgen klingelte mein Wecker bereits um 4:00 Uhr. In der Nacht hatte es geregnet, weshalb mein Zelt noch nass war. Immerhin hatte ich am Abend zuvor meine Kleidung provisorisch vor die warmen Lüfter eines Seven-Eleven gehängt. Dadurch konnte ich nun in trockene Sachen steigen – nach mehreren Tagen ohne richtige Waschmöglichkeit und entsprechend stark mit Salz vom Schweiß durchtränkter Kleidung war das eine echte Wohltat.
Kurz darauf ging es los. Schon nach wenigen Kilometern wartete der erste Anstieg auf mich, und meine Route führte mich weiter durch die japanischen Alpen. Am Vormittag war das Wetter noch angenehm, und auch die Temperaturen in den Bergen waren sehr gut zum Fahrradfahren. Trotzdem merkte ich heute deutlich die Belastung der vergangenen Tage. Die fünfeinhalb Stunden Schlaf waren einfach zu wenig gewesen. Deshalb machte ich bereits nach 40 Kilometern am ersten größeren Anstieg eine Pause – normalerweise wäre meine erste Pause erst nach etwa 60 Kilometern fällig gewesen.
Anschließend musste ich noch einen letzten Berg bewältigen. Danach wurde ich jedoch mit einer langen und wunderschönen Abfahrt belohnt. Immer weiter ging es durch die ersten Ausläufer und Vororte von Tokio, und plötzlich kam ich richtig gut voran. Die Landschaft veränderte sich dabei spürbar. Ich kam durch eine Apfelplantage und bemerkte, dass es hier bereits deutlich mediterraner wirkte und das Klima offenbar hervorragend für den Anbau geeignet war.
Weiter ging es vorbei an Reisfeldern, Plantagen und immer wieder mit beeindruckenden Ausblicken auf die Berge. Je näher ich Tokio kam, desto dichter wurde die Besiedlung. Trotzdem führte mich meine Navigation immer wieder auf kleinere Wege entlang von Flüssen und weg von den großen Straßen. Das war mir besonders wichtig, denn viele der größeren Straßen waren stark befahren und verfügten kaum über einen Seitenstreifen.
Am Abend näherten sich schließlich dunkle Regenwolken. Doch bevor der Regen einsetzte, bot sich mir noch ein ganz besonderes Naturschauspiel: Direkt vor mir erschien ein riesiger Regenbogen, der immer kräftiger wurde und sich über die Landschaft erstreckte. Ich fuhr ihm förmlich entgegen – ein unglaublich schönes Bild nach diesem langen Tag.
Wie so oft ließ der Regen allerdings nicht lange auf sich warten. Kurz darauf zog ich meine Regenjacke an und machte mich schnell auf den Weg zum nächsten Minimarkt, um mein Abendessen einzukaufen. Danach fuhr ich noch einige Kilometer weiter, bis ich schließlich einen kleinen überdachten Unterstand entdeckte, der vermutlich früher einmal zu einem Flugplatz gehört hatte.
Dort konnte ich mein Zelt trocken und geschützt aufbauen, mein Abendessen zubereiten und meine Abendroutine erledigen. Während draußen der Regen fiel, lag ich schließlich trocken in meinem Schlafsack.
Morgen steht der letzte Tag bis Tokio an. Nach all den Kilometern, Ländern, Kulturen, Bergen, Wüsten, Regenwäldern und unzähligen Begegnungen liegt das Ziel nun tatsächlich nur noch eine Etappe entfernt.








