Begegnungen am Fluss und ein heißer Tag Richtung Busan
Am heutigen Morgen ging es wieder früh für mich los. Bereits um 5:00 Uhr stand ich auf und um 6:30 Uhr saß ich auf dem Fahrrad. Die Sonne stand allerdings schon früh wolkenlos am Himmel. Da meine Haut von der intensiven Sonne der vergangenen Tage bereits gereizt war, zog ich mir diesmal lange Ärmel und eine lange Hose an.
Nach den ersten größeren Hügeln musste ich außerdem schon mein Mückennetz hervorholen, da mich die kleinen Plagegeister ordentlich nervten und immer wieder um mich herumschwirrten. Anschließend ging es weiter entlang des großen Flusses.
Nach einigen Stunden kam mir plötzlich ein anderer Radfahrer entgegen. Er fuhr zunächst an mir vorbei, rief mir dann aber hinterher. Ich dachte schon, ich hätte vielleicht etwas verloren, und hielt an. Er kam zurück, legte sein Fahrrad etwas umständlich auf dem Radweg ab und holte einen kleinen Propeller hervor. Diesen hatte er selbst mit einem 3D-Drucker hergestellt und wollte ihn mir unbedingt schenken. Ich fand das unglaublich süß und vor allem sehr nett, dass er extra noch einmal zu mir zurückgefahren war, nur um mir dieses kleine Geschenk zu geben. Da er kein Englisch sprach, verständigten wir uns hauptsächlich mit Händen und Gesten. Nach einer kurzen Unterhaltung bedankte ich mich herzlich und verabschiedete mich wieder.
Genau solche kleinen Begegnungen machen für mich das Radreisen aus.
Keine 30 Minuten später traf ich schon den nächsten interessanten Menschen. Ein anderer Radfahrer überholte mich und schien neugierig darauf zu sein, was ich hier mache. Er fragte mich zunächst höflich, ob er mich ansprechen und mir ein paar Fragen stellen dürfe. Natürlich stimmte ich zu, und so lernte ich Min-Jun kennen.
Er war ebenfalls am frühen Morgen zu einer Radtour aufgebrochen und hatte an diesem Tag eigentlich frei. Wie sich herausstellte, arbeitet er als Zivilpolizist und ist unter anderem gegen Betrugsdelikte tätig, teilweise auch in Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden. Für einige Kilometer begleitete er mich entlang des Flusses und wurde damit quasi zu meinem persönlichen Polizei-Eskort.
Nach einer Weile machten wir Halt an einem kleinen Supermarkt. Min-Jun lud mich dort auf ein Getränk und einen Snickers ein – eine unglaublich nette Geste. Anschließend fuhren wir noch einige Kilometer gemeinsam weiter. Er erzählte mir viel über seinen Alltag, die südkoreanische Gesellschaft und seine persönlichen Erfahrungen.
Er meinte, dass er diese Strecke sehr häufig fährt und dabei immer wieder ausländische Radreisende sieht. Mit den meisten komme er allerdings nicht länger als zehn Minuten ins Gespräch. Umso schöner fand ich es, dass wir insgesamt mehr als eine Stunde gemeinsam unterwegs waren.
Irgendwann erreichten wir seine Heimatstadt und unsere Wege trennten sich. Min-Jun gab mir noch einen Tipp für einen guten Platz für meine Mittagspause, und so fuhr ich anschließend allein weiter am Fluss entlang.
Nach weiteren rund 20 Kilometern erreichte ich den empfohlenen Ort. Mittlerweile war die Hitze jedoch schon brutal. In einem kleinen Supermarkt innerhalb eines Kulturzentrums kaufte ich mir Instantnudeln und einen Softdrink und suchte mir ein schattiges Plätzchen.
Dort traf ich einen Vater, der gemeinsam mit seinen beiden Söhnen ebenfalls einen Abschnitt der Cross-Country-Route fuhr. Wir unterhielten uns während unserer Mittagspause ein wenig. Am Ende freute er sich sehr über ein gemeinsames Foto, bevor sich unsere Wege wieder trennten.
Danach hieß es für mich erneut: ab aufs Fahrrad und hinein in die Hitze.
Die Sonne brannte inzwischen so stark, dass ich immer wieder anhalten und mich in den Schatten stellen musste, um meinen Körper etwas abzukühlen. Kilometer für Kilometer folgte ich weiter den Flüssen, passierte Schleusen und sammelte an den Stempelstellen meine nächsten Einträge für den südkoreanischen Fahrradpass.
Zwischendurch wurde es sogar schwierig, ausreichend Trinkwasser zu bekommen, da es teilweise über viele Kilometer weder Supermärkte noch kleine Kioske gab. Immer wieder musste ich deshalb bei Menschen entlang der Strecke nachfragen, ob sie mir meine Flaschen mit Wasser auffüllen konnten.
Am Ende des Tages fand ich schließlich wieder einen schönen Schlafplatz mit Blick auf eine faszinierende Schleuse. Da ich nach diesem heißen Tag dringend eine Abkühlung brauchte, entdeckte ich dort ein Seil, mit dem ich mich vorsichtig ein Stück ins Wasser lassen konnte. Ich wusste zwar, dass das wahrscheinlich nicht unbedingt erlaubt war, wollte mich aber nur kurz abkühlen und waschen.
Wenige Minuten später bemerkte ich, dass ein Security-Mitarbeiter mich dabei beobachtet hatte. Kurz darauf wurde ich freundlich, aber bestimmt aus dem Wasser gebeten. Damit hatte ich gerechnet – er machte schließlich nur seinen Job. Ich akzeptierte es natürlich sofort, bedankte mich und ging zurück zu meinem Zelt.
Dort kochte ich mir meine Nudeln und ließ den Abend langsam ausklingen. Doch selbst nach Sonnenuntergang wollte die Hitze nicht nachlassen. Um 22:00 Uhr waren es immer noch unglaubliche 30 Grad. An Schlaf war zunächst kaum zu denken – ich lag im Zelt und schwitzte einfach nur.
Erst nach Mitternacht gelang es mir schließlich einzuschlafen. Für den nächsten Morgen stellte ich mir deshalb wieder früh den Wecker. Je früher ich loskam, desto größer war die Chance, zumindest einen Teil der Strecke zu fahren, bevor die nächste Hitzewelle über mich hereinbrach.












