Zufälliges Wiedersehen und eine Fahrt bis in die Nacht
Heute Morgen ging es wieder früh aus dem Bett. Von dem Dorf Moni, in dem ich die letzten beiden Nächte verbracht hatte, führte mich die Straße zunächst stetig bergauf bis zum höchsten Punkt der Strecke auf rund 1.300 Metern Höhe. Von dort begann eine lange Abfahrt in Richtung Ende.
Etwa auf halber Strecke erlebte ich eine große Überraschung: Ich traf völlig unerwartet Hugo, einen französischen Radreisenden, den ich im vergangenen Jahr bereits mehrmals in Tadschikistan kennengelernt hatte. Wir konnten beide kaum glauben, dass wir uns ausgerechnet hier auf Flores zufällig wieder begegneten. Manchmal ist die Welt doch erstaunlich klein – vor allem, wenn man dieselbe Leidenschaft fürs Radreisen teilt. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Bis zum nächsten Mal, Hugo!
In Ende angekommen, wurde es plötzlich wieder deutlich lebhafter. Das Verkehrschaos der Stadt war nach den ruhigen Bergstraßen erst einmal eine Umstellung. Ich hielt nur kurz bei einem kleinen Indomaret an, kaufte mir ein paar Softdrinks und Kekse und fuhr anschließend weiter zu einem etwas gehobeneren Restaurant am Blue Stone Beach, das mir Hugo empfohlen hatte.
Man könnte meinen, dass die Küstenstraße flach verläuft – doch das Gegenteil war der Fall. Immer wieder zwangen steile Klippen die Straße ins Landesinnere, wodurch ständig neue Anstiege auf mich warteten.
Nach rund 80 Kilometern erreichte ich schließlich das Restaurant. Ich gönnte mir eine große Portion Reis mit Gemüse und Ei sowie eine Portion Pommes mit Ketchup. Umgerechnet kostete das Essen etwa 3,50 Euro – für indonesische Verhältnisse ziemlich teuer, denn normalerweise zahle ich für eine Mahlzeit höchstens ein bis zwei Euro. Doch bei dieser traumhaften Aussicht auf das Meer war es jeden Cent wert.
Gestärkt setzte ich meine Fahrt entlang der Küste fort. Besonders weit kam ich jedoch nicht, denn plötzlich staute sich eine lange Schlange aus Autos und Motorrollern. Das bedeutete nichts Gutes. Vorne angekommen, entdeckte ich ein Baustellenschild: Ein Erdrutsch hatte die Straße verschüttet, und schwere Maschinen räumten die Erdmassen weg. Laut Plan sollte die Sperrung noch über eine Stunde dauern.
Ich verbrachte die Wartezeit am Strand, beobachtete das Meer und ließ meinen Blick über die Küste schweifen. Nach etwa 40 Minuten trafen mehrere Militärangehörige auf Motocross-Motorrädern ein. Offenbar hatten sie es eilig und fragten den Bauleiter, ob die Straße früher freigegeben werden könne. Zu meinem Glück wurde die Sperrung kurz darauf geöffnet, sodass ich insgesamt nur knapp eine Stunde warten musste.
Direkt hinter der Baustelle wartete jedoch die nächste Herausforderung: Ein langer Anstieg mit rund 600 Höhenmetern führte auf den nächsten Berg. In der Nachmittagshitze war das alles andere als einfach. Ich musste regelmäßig trinken und meine Kräfte gut einteilen.
Durch die Verzögerung an der Baustelle war mein Zeitplan jedoch durcheinandergeraten. Bis zur nächsten Unterkunft gab es keine weiteren Übernachtungsmöglichkeiten, und ich wollte unbedingt noch dort ankommen, um ausreichend Schlaf zu bekommen. Deshalb entschied ich mich, bis in die Dunkelheit weiterzufahren.
So war ich schließlich noch etwa eine Stunde bei Nacht auf den kurvigen Straßen Indonesiens unterwegs. Dabei musste ich besonders aufmerksam sein, denn Schlaglöcher und kurze Schotterpassagen tauchten im Licht meiner Lampe oft erst im letzten Moment auf.
Gegen 19:00 Uhr erreichte ich schließlich Boawae. Im Gästehaus bekam ich ein Zimmer und konnte mich erst einmal erschöpft aufs Bett fallen lassen.
Da die Restaurants etwas außerhalb lagen und ich am Ortsrand untergebracht war, durfte ich mir glücklicherweise den Motorroller des Besitzers ausleihen. Zu meiner Überraschung war es allerdings kein Automatikroller, wie sie hier fast überall zu finden sind, sondern ein älteres Modell mit Handschaltung. Da ich zuvor noch nie einen Roller mit Gangschaltung gefahren war, fühlten sich die ersten Meter ziemlich ungewohnt an. Nach kurzer Zeit hatte ich den Dreh jedoch raus und konnte problemlos zum Restaurant fahren.
Nach einem guten Abendessen ging es schließlich zurück in die Unterkunft. Müde fiel ich ins Bett – ein Tag voller unerwarteter Begegnungen, kleiner Herausforderungen und vieler schöner Eindrücke lag hinter mir.












