Sturmnacht an der Küste und ein nasser Weg durch Tasmaniens Wildnis
Um 2:00 Uhr nachts wurde ich plötzlich vom lauten Flattern meines Zeltes geweckt. Der Wind peitschte unaufhörlich dagegen, rüttelte an den Heringen und ließ das gesamte Zelt erzittern. Die Böen trafen mein Lager ungebremst von der Küste aus – hätte ich mein Zelt nur etwa 100 Meter weiter landeinwärts aufgestellt, wäre ich deutlich geschützter gewesen. Doch für den perfekten Blick aufs Meer hatte ich genau an der Kante aufgebaut – und genau dort traf mich nun die volle Wucht des Windes.
Irgendwann löste sich ein Hering meines Außenzeltes, unter dem ich meinen ultraleichten Campingstuhl verstaut hatte. Im Halbschlaf bemerkte ich erst verzögert, dass der Stuhl vom Wind erfasst worden war. Als ich es realisierte, sprang ich sofort hinaus in den hellen Vollmondschein. Mit viel Glück entdeckte ich den Stuhl etwa 20 Meter entfernt im Sand. Es grenzte fast an ein Wunder, dass er nicht ins Meer geweht worden war oder über den kilometerlangen Strand verschwand.
Ich sicherte den Stuhl im Zelt, doch der Wind wurde immer stärker. Die Böen rüttelten unaufhörlich an den Zeltwänden – laut, aggressiv und ohne Pause. An Schlaf war kaum noch zu denken. Nach dem anstrengenden Vortag wäre Erholung dringend nötig gewesen, doch die Bedingungen ließen es nicht zu.
Ein Abbau oder Standortwechsel kam für mich nicht infrage – das Risiko, dass mir das Zelt vom Wind aus den Händen gerissen wird, war zu groß. Immerhin hatte ich beim Aufbau darauf geachtet, die schmale Seite in den Wind zu stellen, was dem Zelt zusätzliche Stabilität gab. Mit der breiten Seite im Wind hätte es vermutlich deutlich schlimmer geendet.
Gegen Morgen zogen zunehmend Wolken auf, und der Wind ließ leicht nach. So konnte ich immerhin noch etwa anderthalb Stunden bis 7:30 Uhr etwas schlafen. Da ich keinen Empfang hatte, rief ich über mein Satellitengerät die Wetterdaten ab – Regen war ab 11:00 Uhr angekündigt, erste Tropfen spürte ich bereits.
Ich frühstückte noch schnell, baute mein Lager zügig ab und schaffte es, alles trocken zu verstauen, bevor der Regen richtig einsetzte. Über einen schmalen Singletrail kämpfte ich mich zurück zur Straße und fuhr erneut durch Strahan. Dort besorgte ich mir noch eine neue Fanta für die bevorstehenden Höhenmeter.
Kurz darauf begann der Regen richtig, und ich zog meine Regenjacke an. Es folgte eine anspruchsvolle Etappe durch dichte, fast dschungelartige Vegetation und offene Landschaften – immer wieder bergauf und bergab. Ziel war Queenstown (nicht zu verwechseln mit dem Ort in Neuseeland).
Mit zunehmender Dauer wurde ich immer nasser. Da ich nur eine Regenjacke trug, waren meine Socken und meine Radhose bald komplett durchnässt. Die Folge: starke Reibung und zunehmende Schmerzen. In Queenstown legte ich eine Pause ein, stellte mich unter und wärmte mich etwas auf. Dort nutzte ich auch die Gelegenheit, meine Nachrichten zu checken und ein Video für Social Media fertigzustellen.
Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, kaufte ich noch Pesto und Kekse ein – die nächsten Etappen würden erneut sehr abgelegen sein. Anschließend ging es direkt wieder einen steilen Anstieg von rund 350 Höhenmetern hinauf.
Der restliche Tag führte mich weiter durch die wilde Landschaft Tasmaniens: Regen wechselte sich mit Nebel ab, zwischendurch klarte es leicht auf, doch insgesamt blieb es kühl. Nach über 100 Kilometern und mehr als 1300 Höhenmetern spürte ich deutlich die Belastung – besonders durch die Nässe war mein Körper stärker beansprucht als sonst.
Auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz fuhr ich noch einige Kilometer weiter, da ich unbedingt Zugang zu Wasser brauchte. Schließlich fand ich einen idealen Ort an einem Wandertrack, mit einer halb offenen Hütte und Tisch – ein perfekter Unterschlupf.
Dort baute ich mein Zelt auf, wusch mich im Arthur River und kochte mir meine Pasta. Mit ein paar Nüssen und einem Apfel ließ ich den Tag ausklingen.
Wie so oft schrieb ich noch mein Tagebuch im Zelt – und wenn möglich schneide ich auch meine Videos. Müde, aber zufrieden, schlief ich schließlich ein.









