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Tongariro Crossing – Vulkane, Farben und ein unvergesslicher Tag

Bereits um 5:45 Uhr klingelte mein Wecker. Ich wollte noch vor Sonnenaufgang mein Zelt abbauen, da ich den Shuttle um 7:00 Uhr zum Startpunkt der Wanderung nehmen wollte. Einen Platz hatte ich zuvor noch nicht gebucht, da ich zunächst sicherstellen wollte, dass ich mein Fahrrad und meine Taschen am Parkplatz unterstellen konnte.

Zum Glück war alles sehr unkompliziert: Ich konnte meine Taschen im Pförtnerhäuschen lagern und mein Fahrrad sicher dahinter abschließen. Damit war alles geregelt, und ich konnte spontan für etwa 30 Euro einen Platz im Shuttle buchen.

Bevor es losging, filterte ich noch Wasser an einem kleinen Bach. Währenddessen machten sich bereits die ersten Wanderer aus dem Bus auf den Weg in Richtung der Vulkane. Kurz darauf startete auch ich in die rund 23 Kilometer lange Wanderung über das Tongariro Crossing.

Schon zu Beginn bot sich ein beeindruckender Anblick: Über weite Strecken hatte ich den Hauptvulkan stets auf meiner rechten Seite im Blick. Mit jeder Kurve und jedem Abschnitt veränderte sich die Landschaft leicht – von dunklen Lavafeldern über farbenfrohe Schwefelablagerungen bis hin zu Geröllfeldern. Auch an einem schönen Wasserfall führte der Weg vorbei.

Je höher ich kam, desto weiter öffnete sich das Tal vor mir. Gleichzeitig nahm der Wind zu, und die Temperaturen sanken spürbar. Auf dem Weg zum höchsten Punkt tauchte ich schließlich in die Wolken ein. Der Aufstieg durch die dichte Nebelwand wirkte beinahe mystisch, war aber auch deutlich kälter und anspruchsvoller.

Oben angekommen konnte ich die umliegende Landschaft nur in kurzen Momenten zwischen den Wolken erkennen. Nach der Passhöhe begann der Abstieg – und plötzlich öffnete sich vor mir ein spektakulärer Ausblick: die Emerald Lakes, deren intensive Farben in starkem Kontrast zur umliegenden Vulkanlandschaft standen. In der Nähe konnte ich zudem dampfende Schwefelschlote beobachten.

Diese Landschaft war einzigartig: aktive Vulkane, farbige Mineralablagerungen, der Geruch von Schwefel und die leuchtenden Seen – etwas Vergleichbares hatte ich zuvor noch nie gesehen.

Auf dem weiteren Weg in Richtung Endpunkt boten sich zudem beeindruckende Ausblicke auf den Lake Rotoaira und den Lake Taupō. Danach führte der Weg durch Buschlandschaften und schließlich durch dichte Wälder bis zum Zielpunkt, an dem mein Fahrrad auf mich wartete.

Dort legte ich zunächst eine längere Essenspause ein, packte anschließend meine Sachen wieder ans Rad und fuhr nach der 23 Kilometer langen Wanderung noch weitere 25 Kilometer bis zu einem Hostel im nächsten Ort.

Dort angekommen erwartete mich eine sehr angenehme Überraschung: Der Besitzer war äußerst entspannt und fragte mich, was ich für die Unterkunft bezahlen wolle. Als ich erklärte, dass ich einen fairen Preis zahlen möchte, bot er mir 20 Dollar an – umgerechnet etwa zehn Euro. Dafür bekam ich sogar ein ganzes Achtbettzimmer für mich allein, inklusive Platz für mein Fahrrad – ein echter Luxus.

Ich nutzte die Gelegenheit, um direkt zu duschen, mein Zelt von der feuchten Nacht zu trocknen und meine Kleidung waschen zu lassen – nach den anstrengenden Tagen war das dringend nötig.

Im Hostel traf ich außerdem zwei Tschechen, die mittlerweile in Colorado in den USA leben und hier Urlaub machten. Sie hatten mich offenbar bereits auf der Wanderung und auch zuvor mit dem Fahrrad gesehen. Wir unterhielten uns länger, und besonders ihr etwa 17-jähriger Sohn zeigte sich sehr fasziniert von meiner Reise. Am Ende unseres Gesprächs sagte er, dass er meine Sichtweise und das, was ich tue, sehr inspirierend finde. Das hat mich sehr gefreut – solche Begegnungen zeigen mir immer wieder, dass ich mit meiner Reise auch andere Menschen erreichen und vielleicht ein Stück weit inspirieren kann.

Am Abend schnitt ich noch meine Kurzvideos der vergangenen Tage. Dadurch wurde es recht spät, und schließlich ging ich erst gegen 1:30 Uhr nachts ins Bett.