Tag
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Lange Etappe zur Desert Road und zum Tongariro Crossing

Heute Morgen stellte ich meinen Wecker bereits auf 6:30 Uhr. Ich hatte eine große Etappe vor mir, da ich am Vortag durch die Offroad-Sektion deutlich weniger Strecke zurücklegen konnte als geplant. Mein Ziel war ein Parkplatz, von dem aus Shuttlebusse zum Startpunkt des Tongariro Crossing fahren. Bis dorthin lagen jedoch noch 157 Kilometer und über 2.000 Höhenmeter vor mir.

Zu Beginn führte mich die Strecke erneut durch die typisch hügelige, grüne Landschaft. Es ging durch tiefe Schluchten mit langen Anstiegen und rasanten Abfahrten. Insgesamt war das Terrain sehr anspruchsvoll, da es ständig auf und ab ging. Nach einigen Kilometern erreichte ich beeindruckende weiße Felsformationen, die sich wie Schluchten um einen Fluss wanden – ein faszinierender Anblick.

Der gesamte Tag war geprägt von vielen kleinen und großen Anstiegen, die sich am Ende zu einer beachtlichen Summe an Höhenmetern addierten. Wann immer es möglich war, versuchte ich, kleinere Nebenstraßen zu nutzen, um dem dichten Verkehr auf den Hauptstraßen zu entgehen.

Nach etwa 60 Kilometern erreichte ich schließlich einen besonderen Abschnitt: die sogenannte Desert Road auf dem State Highway 1. Viele hatten mir im Vorfeld von dieser Strecke abgeraten, da dort oft viel Verkehr herrscht. Tatsächlich erwies sich die Straße jedoch als vergleichsweise sicher, da sie breit ausgebaut ist und über einen Seitenstreifen verfügt – deutlich angenehmer als viele andere Straßen, die ich zuvor gefahren war.

Auch landschaftlich war dieser Abschnitt etwas ganz Besonderes. Die Umgebung erinnerte an eine weite Heidelandschaft, durchzogen von verschiedensten Kräutern und Blumen. Gleichzeitig führte die Straße stetig weiter bergauf, sodass ich schließlich eine Höhe von über 1.000 Metern erreichte – für neuseeländische Straßenverhältnisse durchaus beachtlich.

Als ich bereits über 2.000 Höhenmeter gesammelt hatte, war ich entsprechend erschöpft und wollte nur noch einen geeigneten Schlafplatz finden. Schließlich erreichte ich den Parkplatz, von dem aus die Shuttlebusse zum Tongariro Crossing starten. Da sich dort keine anderen Menschen mehr aufhielten und das Campen offiziell nicht erlaubt war, baute ich mein Zelt unauffällig am Waldrand auf.

Ich hatte gehofft, an den Toiletten auf dem Parkplatz Wasser auffüllen und filtern zu können. Allerdings handelte es sich um Trockentoiletten, sodass keine Wasserquelle vorhanden war. Dadurch geriet ich in eine schwierige Situation und musste mein restliches Wasser sehr sorgfältig rationieren.

Glücklicherweise traf ich noch auf die letzten Besucher des Tages, die mir freundlicherweise etwas Wasser sowie ein paar Brötchen und einen Riegel gaben. Da mein Kocher weiterhin nicht funktionierte, konnte ich mir ohnehin keine warme Mahlzeit zubereiten und war erneut auf kalte Lebensmittel angewiesen. Zudem hätte mein Wasservorrat dafür auch nicht ausgereicht.

In solchen Momenten wird mir immer wieder bewusst, wie wichtig es ist, in der Nähe von Flüssen oder Seen zu übernachten. Dort kann ich problemlos Wasser filtern und habe genug zum Trinken und Kochen zur Verfügung.

Trotz der Umstände hatte der Abend auch seine schönen Seiten: Die Nacht war klar, und ich konnte die Milchstraße in voller Pracht am Himmel sehen. Nach diesem anstrengenden Tag fiel ich schließlich völlig erschöpft ins Bett und schlief schnell ein.