Tag
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Zwischen bunten Wäldern, langen Anstiegen und einer netten Begegnung

Nach einer kalten Nacht ging es am heutigen Morgen wieder aufs Fahrrad. Dichter Nebel lag über der Landschaft, weshalb ich mich zunächst warm einpackte und mich auf den Weg machte. Die Straße führte mich bergab in Richtung Houston, wo ich zunächst in einem Supermarkt meine Lebensmittelvorräte für die kommenden Tage auffüllte. Glücklicherweise muss ich hier nicht für drei bis vier Tage im Voraus einkaufen, wie es beispielsweise am Cassiar Highway der Fall war. Dadurch kann ich mit etwas weniger Gewicht unterwegs sein, was bei den vielen Höhenmetern durchaus von Vorteil ist.

Im weiteren Tagesverlauf warteten einige anspruchsvolle Anstiege auf mich, darunter der Six Mile Summit mit einer Höhe von etwa 840 Metern. Von Weitem wirken die Berge hier in Kanada oft gar nicht besonders steil oder imposant. Sobald man jedoch mitten im Anstieg steckt, merkt man schnell, wie stetig es in die Höhe geht und wie viel Kraft die langen Auffahrten kosten. Kilometer für Kilometer arbeitete ich mich nach oben und genoss dabei die vorbeiziehende Landschaft mit ihren zahlreichen Seen, den langen Straßen und den bunt gefärbten Wäldern. Besonders die herbstlichen Farben machten die Fahrt zu einem echten Genuss, auch wenn mich die vielen Höhenmeter körperlich durchaus forderten.

Am Abend stand ich allerdings vor einem kleinen Problem: Ich fand weder einen See noch einen Fluss, an dem ich mein Zelt hätte aufbauen und mich waschen können. Glücklicherweise entdeckte ich schließlich einen Rastplatz, der ziemlich verlassen wirkte. Lediglich ein großes, luxuriöses Wohnmobil stand dort bereits für die Nacht. Da der Platz ansonsten ruhig war, entschied ich mich, dort mein Lager aufzuschlagen.

Während ich gerade mein Abendessen vorbereitete, fuhr plötzlich ein Geländewagen auf den Rastplatz. Ein junger Mann, nur wenige Jahre älter als ich, stieg aus und sprach mich direkt an. Er war neugierig, was ich mit meinem Fahrrad hier in Kanada machte, und so kamen wir schnell ins Gespräch. Daraus entwickelte sich ein längerer, sehr angenehmer Austausch, bei dem wir schließlich beschlossen, gemeinsam zu Abend zu essen.

Er erzählte mir, dass er erst vor etwa einem Monat sein Universitätsstudium abgeschlossen hatte und nun mit seinem Pick-up eine ganz besondere Reise vor sich hatte: Vom südlichsten Zipfel der USA, südlich von Miami, wollte er bis nach Deadhorse im äußersten Norden Alaskas fahren. Eine beeindruckende Strecke, die uns natürlich jede Menge Gesprächsstoff bot. Während wir unsere Pasta aßen, tauschten wir uns über unsere Reisepläne, unsere bisherigen Erlebnisse und die Abenteuer aus, die noch vor uns lagen.

Doch nicht nur die Unterhaltung war an diesem Abend wertvoll. In den vergangenen Nächten hatte mich nämlich ein anderes Problem beschäftigt: Meine Isomatte verlor langsam Luft. An einer besonders ungünstigen Stelle am Ventil, an der die Matte immer wieder geknickt wird, waren auf beiden Seiten kleine Löcher entstanden. Dadurch lag ich nach einigen Stunden Schlaf regelmäßig auf dem kalten Boden und musste die Matte mitten in der Nacht erneut aufpumpen. Das war meinem Schlafrhythmus natürlich alles andere als zuträglich.

Am selben Tag hatte ich bereits in einem Baumarkt nach einem geeigneten Kleber gesucht, allerdings keinen gefunden, der speziell für Isomatten gedacht war. Mein neuer Bekannter hatte glücklicherweise einen passenden Kleber dabei und überließ mir diesen. Im Gegenzug gab ich ihm den Kleber, den ich zuvor gekauft hatte und den er vielleicht für andere Zwecke gebrauchen konnte. Ein unkomplizierter Tausch, von dem wir beide profitierten – und für mich eine große Erleichterung, da ich nun endlich eine vernünftige Reparatur meiner Isomatte angehen konnte.

Nachdem wir aufgegessen hatten, setzte er seine Fahrt in Richtung Norden fort. Ich erledigte meine Abendroutine und bereitete mich auf die Nacht vor. Da ich mein Zelt und mein Fahrrad unter einem kleinen überdachten Unterstand aufbauen konnte, musste ich mir zumindest keine Sorgen um Regen oder Feuchtigkeit machen.

So ging ein weiterer anstrengender, aber schöner Radreisetag zu Ende. Neben den beeindruckenden Landschaften und den vielen Höhenmetern war es vor allem die zufällige Begegnung mit einem anderen jungen Abenteurer, die diesen Tag besonders machte. Es sind genau solche Momente, die das Radreisen für mich so wertvoll machen: Man begegnet Menschen, die ganz eigene Wege gehen, tauscht Erfahrungen aus und hilft sich gegenseitig – selbst wenn man sich erst wenige Stunden zuvor kennengelernt hat.