Tag
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Eiseskälte, Bergpässe und die verpassten Nordlichter

Am heutigen Morgen kroch ich nach einer Nacht mit bis zu −7 °C nur langsam aus meinem warmen Schlafsack. Selbst meine Erdnussbutter war durch die Kälte gefroren, sodass ich sie zusammen mit etwas Brot nur mühsam zum Frühstück bekam. Da die Sonne noch hinter den Bergen verborgen war und es draußen weiterhin bitterkalt war, legte ich mich anschließend noch einmal zurück in meinen Schlafsack und wartete darauf, dass die ersten Sonnenstrahlen den Platz erreichten.

Als die Sonne schließlich über den Berg kam, wurde es spürbar angenehmer. Überall begann das Eis langsam zu tauen. Mein Fahrrad war komplett mit einer Eisschicht überzogen und auch mein Zelt war von außen gefroren. Neben mir hatten auf dem Parkplatz ebenfalls ein älteres Ehepaar mit einem alten Schulbus übernachtet. Netterweise boten sie mir am Morgen an, ihr Starlink zu nutzen. Auf dem Cassiar Highway gibt es über weite Strecken kein Mobilfunknetz, weshalb der Zugang zum Satelliteninternet für mich eine willkommene Möglichkeit war, wieder Kontakt zur Außenwelt herzustellen.

Nachdem ich mein Zelt und meine Ausrüstung langsam zusammengepackt hatte, konnte ich schließlich losfahren. Zunächst ging es über eine lange Abfahrt rund 500 Höhenmeter bergab. Sofort merkte ich, wie sich die Temperaturen veränderten: Mit jedem Höhenmeter wurde es wärmer.

Doch die gewonnene Höhe musste ich nicht lange genießen. Nach einer Brücke über einen Fluss wartete bereits der nächste große Anstieg auf mich. Wieder führte die Straße hinauf auf über 1.100 Meter. Die vielen Höhenmeter machten den Tag zwar anstrengend, aber dafür entschädigte mich das Wetter. Der Himmel war klar und die Farben der Wälder waren wunderschön. Trotz der Kälte war es ein fantastischer Tag, um durch diese Landschaft zu fahren.

Kilometer für Kilometer arbeitete ich mich weiter nach Süden vor. Am Abend erreichte ich schließlich einen Schlafplatz auf einer ehemaligen Flugzeuglandebahn. Dort traf ich überraschend wieder auf das deutsch-italienische Paar, das ich bereits einige Tage zuvor mit seinem Camper kennengelernt hatte. Zufälligerweise verbrachten auch sie diese Nacht an genau diesem Ort.

Sie luden mich kurzerhand zum Abendessen ein, sodass ich an diesem Abend ausnahmsweise einmal nicht selbst kochen musste. Das Essen war richtig lecker, und wir saßen anschließend noch lange zusammen und unterhielten uns über unsere Reisen und die bisherigen Erlebnisse.

Da ich in der vergangenen Nacht trotz der perfekten Bedingungen die Nordlichter verschlafen hatte, weil ich gar nicht wusste, dass zu dieser Jahreszeit und in dieser Region die Chancen dafür so gut sein können, wollten wir in dieser Nacht noch einmal unser Glück versuchen. Die Bedingungen schienen erneut hervorragend zu sein – klarer Himmel und kaum Lichtverschmutzung.

Doch diesmal wurden wir leider enttäuscht. Die Nacht blieb dunkel und die Nordlichter ließen sich nicht blicken.

Vielleicht habe ich auf dieser Reise ja noch einmal Glück.