Durch die farbenfrohe Tundra Alaskas
Am heutigen Morgen wachte ich durch das rauschende Wasser und die aufgehende Sonne auf. Ich aß einen Apfel, ein paar Cookies und Nüsse zum Frühstück. Anschließend packte ich mein Zelt zusammen und verstaute alles wieder in meinen Fahrradtaschen.
Das war auch meine erste Nacht draußen in der Kälte. Es waren ungefähr 0 °C in der Nacht, in meinem Schlafsack war es jedoch pudelwarm.
Nach dem gestrigen sonnigen Tag kam heute schon wieder ein sonniger Tag. So ging es für mich weiter durch die offene Tundralandschaft. Es wurde jedoch nun deutlich bergiger, da ich immer näher in Richtung der großen Berge kam.
Die Farben der Tundralandschaft sind schon wirklich beeindruckend. Das Rot, das Gelb, das Orange und das Grün harmonieren zu einem tollen Farbspiel, das vor allem im Herbst sehr ausgeprägt ist.
Für mich ging es immer weiter Richtung Süden. Ich traf vereinzelt Touristen in Autos, aber vor allem sah ich immer wieder Fahrzeuge an der Straße, mit denen Jäger irgendwo in der Tundralandschaft Rentiere oder Elche jagten. Die Tiere selbst konnte ich bisher noch nicht sehen, jedoch immer wieder die ganzen Geweihe, die hinten auf den Pick-ups lagen. Die Tiere waren also definitiv hier, durch die Jäger aber wahrscheinlich entsprechend scheu.
Immer wieder kam ich an Pumpstationen vorbei, die ungefähr alle 50 Kilometer lagen. Dort hatte ich kurz mal Internet und konnte schauen, was in der Außenwelt so passiert.
Die Wege waren die ganze Zeit Gravel, was jedoch gar nicht so schlimm war, da es in den letzten Tagen relativ gut abgetrocknet war. So ging es für mich durch die offene Landschaft entlang der Pipeline, mit Gegenwind über die Gravelstraßen.
Plötzlich sah ich dann auch einmal einen Biber neben mir in einem kleinen Tümpel. Damit hatte ich hier überhaupt nicht gerechnet. Anscheinend können sie aber auch in dieser ewigen Weite überleben.
Am Nachmittag hielt dann, wie schon häufiger, ein Auto an und zwei Jäger fragten mich, ob ich irgendetwas brauchen würde. Sie gaben mir ein bisschen Trinkwasser und fragten mich, was ich hier in dieser gottverdammten, lebensfeindlichen Umgebung mache.
Ich sagte ihnen, dass ich hier mit dem Fahrrad auf Abenteuermission unterwegs sei. Sie lachten nur und dachten wahrscheinlich, dass ich verrückt bin. Trotzdem wünschten sie mir alles Gute und hofften, dass ich keine ungeplanten Zwischenfälle haben würde.
Dann musste ich plötzlich so dringend auf die Toilette, dass ich es nicht mehr bis zu meinem Schlafplatz schaffte. Und hier in der Tundralandschaft gibt es natürlich auch keinen höheren Busch oder Baum, hinter dem man sich verstecken könnte. Also hieß es: Trikot aus und Hose runter.
Das sind eben auch die ganz normalen menschlichen Bedürfnisse, die ich natürlich ebenfalls während einer Fahrradtour erledigen muss. Es war auf jeden Fall einer meiner Top drei Orte, an denen ich wildscheißen war.
Nach ein paar weiteren Hügeln und einigen Kilometern mit Gegenwind kam ich schließlich an meinem Schlafplatz an einem Fluss an. Ich schaue immer, dass ich meinen Schlafplatz an einem Fluss aufbauen kann, da ich sonst kein Wasser filtern kann und mich gegebenenfalls auch nicht waschen kann.
Bei diesen kalten Bächen wasche ich mich allerdings nicht jeden Tag, da ich bei den Temperaturen auch nicht so extrem schwitze.
Nach meiner Abendroutine in dieser faszinierenden Landschaft mit dem Blick auf die Berge, die etwa 800 Höhenmeter über mir lagen und bereits ganz weiß gepudert waren, war es schon ziemlich idyllisch.
Es war jedoch auch biestig kalt. Zudem war ich den ganzen Tag schon draußen und bei Gegenwind gefahren und dementsprechend auch ein bisschen verfroren.
Dann kochte ich noch meine Nudeln und kroch anschließend in meinen warmen Schlafsack.













