Tag
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Zwischen Mammutbäumen, steilen Küstenstraßen und einem Schreckmoment

Am heutigen Morgen ging es für mich von meinem Schlafplatz im Kiesbett aus wieder weiter. Der Morgen war noch recht kalt, da dichter Hochnebel in den Bergen hing. Wie gewohnt frühstückte ich mein Brot mit Erdnussbutter, baute anschließend mein Zelt ab und machte mich auf den Weg. Die Kombination aus hoher Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temperaturen machte den Start zunächst ziemlich ungemütlich. Doch sobald ich einige Kilometer gefahren war, wurde mir warm und ich konnte nach und nach eine Kleidungsschicht ausziehen.

Zunächst führte mich meine Route über den Highway 101 und anschließend immer wieder über ältere Abschnitte der Straße, auf denen kaum Verkehr unterwegs war. Solche alternativen Strecken sind für mich deutlich angenehmer als die viel befahrenen Hauptstraßen, auch wenn der Straßenbelag manchmal etwas schlechter ist. Unterwegs ging es immer wieder durch wunderschöne Nationalparks und vorbei an riesigen Mammutbäumen. Auch wenn ich in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche dieser beeindruckenden Bäume gesehen hatte, verlieren sie für mich einfach nichts von ihrer Faszination. Sie werden wohl immer etwas ganz Besonderes bleiben.

Die Strecke hatte es allerdings in sich. Über den gesamten Tag verteilt kamen ordentlich Höhenmeter zusammen. Immer wieder ging es einen Hügel hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter.

Nach etwa 50 Kilometern legte ich eine Pause ein und traf dabei auf zwei andere Radreisende. Einer von ihnen war ein älterer Herr aus Alaska, der ganz allein mit einem Tandem unterwegs war und damit bis nach Brasilien fahren möchte. Der andere war etwas jünger und mit seinem Fahrrad und einem Anhänger auf einer kürzeren Etappe entlang der Westküste unterwegs. Wir unterhielten uns eine Weile über unsere Reisen und tauschten Erfahrungen aus, bevor sich unsere Wege wieder trennten.

Für mich stand nun der größte Anstieg des Tages bevor. Weitere 350 Höhenmeter am Stück, obwohl ich bereits rund 750 Höhenmeter hinter mir hatte. So kämpfte ich mich etwa 45 Minuten kontinuierlich bergauf. Ich merkte langsam, wie meine Kräfte schwanden. Oben angekommen wurde ich immerhin mit einer langen und kurvenreichen Abfahrt belohnt.

Doch die Erholung hielt nicht lange an. Nach knapp 20 Kilometern erreichte ich wieder die Küste, nur um direkt den nächsten Berg mit über 200 Höhenmetern erklimmen zu müssen. Kurze, knackige Anstiege sind das eine, aber längere Anstiege nach bereits vielen gefahrenen Höhenmetern sind noch einmal eine ganz andere Herausforderung.

Anschließend führte mich die Straße weiter entlang der Küste, die auch auf diesem Abschnitt wieder unglaublich schön war. Zum Glück war hier nicht allzu viel Verkehr unterwegs. Gewaltige Felsen ragten aus dem Meer, die Brandung schlug gegen die Klippen und eine abwechslungsreiche Vegetation säumte die Straßenränder. Dazu kam ein kräftiger Seitenwind, der mich immer wieder begleitete.

Besonders faszinierend fand ich die Pelikane, die entlang der Küste unterwegs waren. Sie schwebten scheinbar mühelos gegen den Wind, gewannen an Höhe und ließen sich anschließend wieder hinuntergleiten. Es sah fast so aus, als hätten sie irgendwo eine unsichtbare Start- und Landebahn, auf der sie immer wieder starteten und landeten. Ein wunderschönes Naturschauspiel, das ich während der Fahrt immer wieder beobachten konnte.

Doch zwischen all diesen schönen Eindrücken gab es auch einen ziemlich erschreckenden Moment. Nach einigen kleineren Baustellen entdeckte ich plötzlich ein Auto, das offenbar von der Fahrbahn abgekommen und mit voller Wucht in die seitliche Leitplanke einer Klippe gefahren war. Das Fahrzeug war schließlich an einem der Leitplankenpfeiler frontal zum Stillstand gekommen.

Als ich dort ankam, hatte noch kein anderes Auto angehalten. Allerdings stieg genau in diesem Moment ein Bauarbeiter von der Baustelle hinter mir mit einem Erste-Hilfe-Set aus seinem Fahrzeug. Der Unfall musste also erst wenige Minuten zuvor passiert sein.

Im Auto saßen ein Vater und sein Kind, die beide sichtlich unter Schock standen, glücklicherweise aber noch am Leben waren. Man kann wirklich nur von großem Glück sprechen, dass das Fahrzeug nicht über die Leitplanke hinausgeraten und die Klippe hinuntergestürzt war. Da der Bauarbeiter bereits mit der Erstversorgung begann, setzte ich meine Fahrt fort. Wenig später kamen mir zahlreiche Rettungswagen und Feuerwehrfahrzeuge entgegen.

Solche Momente führen einem wieder vor Augen, wie schnell auf diesen kurvenreichen Küstenstraßen etwas passieren kann. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Blick auf die wunderschöne Landschaft oder eine falsch eingeschätzte Kurve können bereits ausreichen. Natürlich bin ich mit dem Fahrrad deutlich langsamer unterwegs, trotzdem muss auch ich ständig aufmerksam bleiben. Gerade mit dem Auto oder Motorrad ist das Risiko durch die höheren Geschwindigkeiten noch einmal deutlich größer.

Anschließend ging es für mich weiter durch Fort Bragg, wo ich meine Lebensmittel- und Wasservorräte auffüllte. Von dort aus suchte ich mir einen geeigneten Schlafplatz für die Nacht. Das gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht, da entlang der Straße zahlreiche Häuser und Privatgrundstücke lagen.

Erst als die Sonne bereits langsam unterging, fand ich schließlich eine passende Stelle: etwas versteckt unter Bäumen, direkt am Meer und neben einem kleinen Wanderweg. Dort konnte ich mein Zelt einigermaßen unauffällig aufbauen.

Da es inzwischen schon dunkel wurde, leuchteten mir die Lampen meines Fahrrads den Platz aus, sodass ich mein Zelt aufbauen und anschließend noch mein Abendessen zubereiten konnte.

Damit ging ein besonders anstrengender und höhenmeterreicher Tag zu Ende. Neben den beeindruckenden Mammutbäumen und der wunderschönen Küstenlandschaft gab es auch einige Begegnungen und einen Moment, der mich wieder daran erinnerte, wie wichtig es ist, auf Reisen aufmerksam zu bleiben.