Zwischen Frost am Morgen und Sonnenuntergang an der Willapa Bay
Am Morgen merkte ich bereits beim Aufwachen, dass die Nacht deutlich kälter gewesen war als vorhergesagt. Als ich aus meinem Zelt kroch, entdeckte ich auf meinen Fahrradtaschen eine leichte Eisschicht. Das bedeutete, dass die Temperaturen vermutlich unter den Gefrierpunkt gefallen waren. Besonders kalt ist es häufig kurz vor und während des Sonnenaufgangs. Zusammen mit der hohen Luftfeuchtigkeit fühlte sich die Kälte noch unangenehmer an.
Beim Frühstück froren mir beinahe die Finger ab. Deshalb wartete ich zunächst, bis die Sonne hinter den Bäumen hervorkam und mich mit ihren ersten Strahlen ein wenig wärmte. Erst dann konnte ich mein Zelt abbauen, ohne dass mir die Hände dabei fast einfroren, und meine gesamte Ausrüstung wieder ordentlich verstauen.
Anschließend ging es endlich los. Aufgrund der Kälte war ich heute deutlich später gestartet als gewöhnlich, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Bei strahlendem Sonnenschein fuhr ich in Richtung Küste und folgte ihr anschließend über weite Strecken. Zwischendurch führte mich meine Route auch wieder ein Stück ins Landesinnere, bevor ich erneut das Meer erreichte.
Die Küste hatte etwas Magisches an sich. Das Wetter war herrlich, und ich genoss es, mit dem Fahrrad durch diese Landschaft zu fahren. Abseits der großen Straßen konnte ich die Umgebung in meinem eigenen Tempo erleben und immer wieder innehalten, um die Natur auf mich wirken zu lassen.
Gegen Abend fand ich schließlich einen schönen Schlafplatz an der Willapa Bay. Ich baute mein Zelt am Rand einer Grasfläche auf und hatte von dort einen wunderbaren Blick über das Wasser. Besonders die Sonnenuntergänge waren in den vergangenen Tagen beeindruckend gewesen. Bei klarem Wetter und einem flachen Horizont konnte ich beobachten, wie die Sonne langsam hinter dem Wasser verschwand und den Himmel in wunderschöne Farben tauchte.
Leider gab es an diesem Abend auch eine weniger erfreuliche Nachricht: Mein Kocher funktionierte immer noch nicht. Trotz meiner Versuche, gemeinsam mit meinem Ansprechpartner eine Lösung zu finden, ließ sich das Problem bisher nicht beheben. Gleichzeitig gingen meine Lebensmittelvorräte langsam zur Neige, und auch mein Trinkwasser musste ich inzwischen streng rationieren.
Für mein Abendessen blieb mir deshalb nicht mehr viel übrig: eine Packung Oreos und ein paar Erdnüsse. Das musste für diesen Abend reichen. Auf einer langen Fahrradreise gehört es eben auch dazu, mit solchen Situationen umzugehen und aus dem zu machen, was gerade verfügbar ist.
Nachdem ich gegessen hatte, setzte ich mich in meinen Campingstuhl und genoss die Ruhe am Wasser. Der Himmel war inzwischen dunkel geworden, und über mir funkelten unzählige Sterne. Weit entfernt von den Lichtern der Städte wirkte der Nachthimmel besonders klar und beeindruckend.
So saß ich noch eine Weile da, ließ den Tag Revue passieren und genoss die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Trotz der Kälte am Morgen, des defekten Kochers und der knappen Vorräte war es ein wunderschöner Tag gewesen. Manchmal sind es gerade diese einfachen Abende, an denen man mit wenig auskommen muss, die einem besonders in Erinnerung bleiben.
Schließlich wurde es Zeit, in meinen Schlafsack zu kriechen und mich für die nächste Etappe auszuruhen.







